Fragen und Antworten: Unkontaktierte Völker in Papua

 
Viele isoliert lebende Völker in West-Papua vermeiden jeglichen Kontakt mit Außenstehenden
"Ein Man vom Volk der Dani aus dem Baliem Tal führt eine traditionelle Zeremonie vor"

"Ein Man vom Volk der Dani aus dem Baliem Tal führt eine traditionelle Zeremonie vor"
© Anoek de Groot/Survival

Wie viele unkontaktierte Völker gibt es in West-Papua?

In der letzten Zeit wurden mehr als 40 unkontaktierte Völker in der Region registriert. Viele von ihnen hatten seitdem gelegentlich Kontakt mit Außenstehenden, andere wiederum haben sich entschieden weiterhin unkontaktiert zu bleiben.

Aus den unten aufgeführten Gründen ist es jedoch nicht möglich, eine genaue Zahl zu nennen.

Wo leben die Menschen?

Sie wohnen in den abgelegenen Regenwäldern West-Papuas, einer Region die von Indonesien beansprucht wird.

Warum gibt es keine genaueren Informationen über ihre Anzahl und ihren Aufenthaltsort?

Es ist fast unmöglich aus West-Papua exakte Informationen über diese Völker zu erhalten, da es Menschenrechtsorganisationen und Journalisten faktisch untersagt ist dorthin zu reisen. Die Forschungsmöglichkeiten sind daher sehr eingeschränkt.

Darüber hinaus ermöglicht das abgelegene Gebiet keinen leichten Zugang. Es gibt wenige Straßen und das Bergland in West-Papua wurde selbst erst in den 1930ern kartographisch erfasst. Landkarten haben noch heute weiße Flecken in den Regenwaldgebieten.

Und selbst wenn wir exakte Informationen haben, ist es leider notwendig genauere Details geheim zu halten, um die unkontaktierten Völker vor Gefahren von Außerhalb zu schützen.

Ein Mann der Kombai trägt Holz in sein Baumhaus, um dort Reparaturen vorzunehmen

Ein Mann der Kombai trägt Holz in sein Baumhaus, um dort Reparaturen vorzunehmen
© Grenville Charles/Survival

Welche Gefahren von Außerhalb gibt es für die unkontaktierten Völker West-Papuas?

Fahrlässiger Tourismus in den Gebieten unkontaktierter Völker kann zu Krankheitsübertragungen führen und auch militärische Unterdrückung, Minenarbeiter, Plantagenbesitzer, Holzfäller und andere Menschen, die an die Ressourcen des Landes gelangen wollen, stellen eine Gefahr dar.

West-Papua hat einen schlechten Ruf wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten geht. Rassismus ist überall zu finden. Indigene Völker werden generell als „dreckig“, „zurückgeblieben“, und „steinzeitlich“ beschrieben. Das gilt besonders für unkontaktierte Völker.

Seit der indonesischen Besatzung, die 1963 begann, sind besonders die Menschen in den abgelegenen Gebieten West-Papuas immer wieder Opfer von Gewalttaten geworden. Viele wurden gefoltert oder vergewaltigt, etwa 100.000 sind von rassistischen Soldaten getötet worden.

Ein Korowai backt Sago über dem Feuer, West-Papua.

Ein Korowai backt Sago über dem Feuer, West-Papua.
© Survival

Gibt es in West-Papua keine Organisation, so wie FUNAI in Brasilien, die sich für die Menschen dort einsetzt und Beweismaterial bereitstellen kann?

Nein, es gibt keine Regierungsbehörde die mit kontaktierten oder unkontaktierten Völkern zusammenarbeitet – geschweige denn ihre Rechte schützt.

Warum ist es wichtig, diese Information zu veröffentlichen?

Das Überleben dieser Völker hängt davon ab, dass ihre Existenz an die Öffentlichkeit gelangt.

Je mehr Menschen weltweit von unkontaktierten Völkern in West-Papua (und dem Rest der Welt) wissen, und je mehr ihre Lebenssituation verstanden wird, desto größer ist ihre Chance, vor externen Gefahren geschützt zu werden.

Es ist beispielsweise eine Straße geplant, die genau durch das Gebiet einer Gruppe unkontaktierter Angehöriger eines indigenen Volkes führt. Je mehr Menschen davon wissen und die Gefahren einer solchen Straße für das Leben der Indigenen verstehen, desto größer ist die Chance, dass das Projekt gestoppt wird.

Frauen und Kinder vom Volk der Kombai kehren mit Feuerholz und Essen nach Hause zurück, das sie in den Wäldern gesammelt haben.

Frauen und Kinder vom Volk der Kombai kehren mit Feuerholz und Essen nach Hause zurück, das sie in den Wäldern gesammelt haben.
© Grenville Charles/Survival

Wollen die Menschen unkontaktiert bleiben?

Unkontaktierte Völker wissen was für sie am besten ist. Man kann davon ausgehen, dass sie die Isolation frei gewählt haben. Wenn man sich die Menschenrechtsverletzungen West-Papuas anschaut, ist dies wahrscheinlich eine weise Entscheidung. Es ist sehr wichtig für ihre Zukunft, dass ihre Wahl weiterhin respektiert wird.

Warum ist ihr Überleben wichtig für die Menschheit?

Unkontaktierte Völker sind nicht zurückgeblieben, primitiv oder „steinzeitlich“, wie es die indonesische Regierung, die in West-Papua regiert, überwiegend glaubt.

Neben vielen unschätzbaren Fähigkeiten und Arten zu Leben, haben diese Völker ein unwahrscheinlich großes Wissen über ihre Umwelt, besonders über Pflanzen und Tiere.

Ihre Vielfältigkeit zeigt uns, wie alternative Lebensweisen funktionieren können.

 

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