Die Nukak-Maku

Umgeben von gewaltsamen Konflikten

Der Regenwald der Nukak wird von Siedlern und Kokabauern überrannt, die am lukrativen Drogenhandel verdienen wollen. Viele Nukak sind geflohen, um der Gewalt zu entkommen.

Seit dem ersten regulären Kontakt 1988 sind mehr als die Hälfte der Nukak umgekommen. Sie sind eines von mindestens 32 indigenen Völkern in Kolumbien, die heute am Rand der Ausrottung stehen.

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Die Nukak leben am Rande des Amazonasbeckens, zwischen den Flüssen Guaviare und Inírida im Südosten Kolumbiens.

Sie gehören zu einer der sechs Gruppen, die zusammen die Maku-Völker bilden. Sie alle leben als nomadische Jäger und Sammler an den Oberläufen des nordwestlichen Amazonasbeckens.

Die Nukak leben als Nomaden in kleinen Familienverbänden mit neun bis dreißig Mitgliedern. Sie ziehen den tiefen Regenwald dem Fluss vor.

Die Nukak sind ständig in Bewegung und verbringen meist nur wenige Tage an einem Ort.

The HuntThe Nukak are expert hunters. In this extract from ‘Nukak-Maku: the last forest nomads’, filmed in 1993 by AVC Rainbow/ Audiovisuales, a group of men set off to hunt monkeys, using their 3m-long blowpipes and poisoned darts.

Wegen ihrer Mobilität verfügen sie nur über wenige Besitztümer. Das, was sie besitzen, ist leicht zu transportieren. Ihre aus Naturfasern gefertigten Hängematten sind fast immer das einzige Möbelstück, das sie besitzen.

Die Häuser der Maku sind Leichtbaukonstruktionen aus Holz und Palmenblättern und bieten gerade einmal ein Dach, um die Hängematte darunter aufzuhängen.

Jede Familie besitzt ihre eigene Feuerstelle, die nicht nur zum Kochen und Wärmen verwendet wird, sondern durch das Verbrennen spezieller Pflanzen am Abend auch dem Schutz vor Moskitos dient.

Die Maku ernähren sich von Fisch, Wild, Schildkröten, Früchten, Gemüse, Nüssen, Insekten und Honig.

Ein Nukak-Mann jagt mit einem Blasrohr.
Ein Nukak-Mann jagt mit einem Blasrohr.
© ICBF

Für die Jagd verwenden die Männer Blasrohre mit Pfeilen, auf denen sich ein Gift – curare – befindet, das aus fünf verschiedenen Pflanzen hergestellt wird.

Kontakt

Die Nukak vermieden fast jeden Kontakt mit Außenstehenden, bis 1988 eine Gruppe von 40 Nukak überraschend in dem neu gegründeten Siedlerdorf Calamar auftauchte.

Obwohl sie sich auf ihrem angestammten Land befanden, war ihr Auftauchen in dem Dorf Calamar eine Sensation für kolumbianische und internationale Medien.

Erst damals wurde auch bekannt, dass bereits in den 1970er Jahren Missionare der umstrittenen New Tribes Mission Kontakt zu den Nukak aufgenommen hatten.

Die Nukak werden von der Organisation ONIC als bedroht eingeschätzt.
Die Nukak werden von der Organisation ONIC als bedroht eingeschätzt.
© David Hill/Survival

Die Folgen des regelmäßigen Kontaktes waren jedoch fatal. Teilweise bedingt durch das Eindringen von Holzfällern und Kokabauern auf ihr Land kamen in den folgenden Jahren immer mehr Nukak mit Außenstehenden in Kontakt, in dessen Folge viele Nukak von eingeschleppten Krankheiten heimgesucht wurden.

Insgesamt starben seit 1988 mehr als 50 Prozent des Volkes.

Aussterben

Das Überleben der nomadischen [Nukak] hängt davon ab, dass ausreichend Land für ihr Überleben gesichert wird.
ONIC, Kolumbien”

Dank der internationalen Kampagne für die Nukak, die Survival, ONIC und andere Organisationen führten, erkannte die kolumbianische Regierung 1993 schließlich das Recht des indigenen Volkes auf sein angestammtes Land an. Das “Nukak-Reservat” wurde 1997 vergrößert, um rund eine Million Hektar Wald zu umfassen.

Kokain

Das Land der Nukak-Maku ist heute von Kokabauern besetzt und wird von der Gewalt des kolumbianischen Bürgerkrieges überrollt.

Ein Nukak-Mann, der aus dem Wald vertrieben wurde, nachdem sein Gebiet von bewaffneten Gruppen eingenommen worden war (Guaviare Provinz, Kolumbien)
Ein Nukak-Mann, der aus dem Wald vertrieben wurde, nachdem sein Gebiet von bewaffneten Gruppen eingenommen worden war (Guaviare Provinz, Kolumbien)
© Arnau Blanch/Survival

Linke Guerillas, rechte Paramilitärs und die kolumbianische Armee sind in dem Gebiet präsent und kämpfen um Kokapflanzen, den Rohstoff für Kokain.

Viele Nukak-Maku waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und Schutz in den Außenbezirken der Stadt San Jose del Guaviare zu suchen. Andere wurden unter Androhung von Waffengewalt vertrieben.

Geschätzte 180 Nukak leben nun in San Jose – in beengten Unterkünften und mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen.

2006 versuchte die Regierung, die vertriebenen Nukak wieder im Regenwald anzusiedeln. Doch das dafür vorgesehene Stück Land, nur 14km von San Jose entfernt, war viel zu klein.

Nach einer Grippewelle und dem tragischen Selbstmord des Nukak-Anführers Mao-be verließen die Nukak das Gebiet wieder und kehrten nach San Jose zurück.

Die Mehrheit der Nukak möchte unbedingt nach Hause zurückkehren. Solange jedoch der Bürgerkrieg in ihrem Gebiet ausgetragen wird, ist dies für sie sehr schwierig und gefährlich.

Gefahr der Auslöschung

Die Nukak gehören nach Angaben der nationalen Organisation für Indigene (ONIC) zu den mindestens 32 indigenen Völkern in Kolumbien, die Gefahr laufen, ausgelöscht zu werden.

Diese Völker – darunter die Wipiwi, Amorúa und Wachina – leiden unter Kolumbiens bewaffneten internen Konflikten, der Vernachlässigung durch die Regierung und der Invasion ihres Landes bei der Suche nach natürlichen Ressourcen.

ONIC hat mit der Unterstützung von Survival International eine internationale Kampagne gestartet, um auf die Probleme dieser Völker aufmerksam zu machen.

Werden Sie für die Nukak-Maku aktiv

Bitte schreiben Sie der kolumbianischen Regierung.

Spenden Sie für Survivals Kampagne zum Schutz der Nukak (und anderer Survival-Kampagnen).