Die Onge

Die Onge sind eines der indigenen Völker auf den indischen Andamanen-Inseln. Sie sind ein schwarzes asiatisches Volk – die einzigen dauerhaften Bewohner von Little Andaman bis in die 1940er Jahre, als ihr Land von Siedlern aus Indien, Bangladesch und von den Nikobaren gestohlen wurde.

Heute teilen sie ihre Insel mit über 18.000 Siedlern und sind dazu gezwungen, in einem beengten Reservat zu leben, das einem winzigen Bruchteil ihres ursprünglichen Territoriums entspricht.

Seit dem Erstkontakt vor über 100 Jahren ist die Bevölkerungszahl der Onge schnell gesunken, zusammen mit ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden. Sie stellen ein dramatisches Beispiel für die Zukunft dar, die ihre Nachbarn, die Jarawa und die Sentinelesen, erwartet, wenn Indiens aktuelle Politik des Verzichts auf Kontakt nicht beibehalten wird.

Die Onge

Die Onge nennen sich selbst En-iregale, was „perfekter Mensch” bedeutet.
Sie haben lange auf Little Andaman Island gelebt, der südlichsten Insel des Andamanen-Archipels.

Auch die Bevölkerungszahl der Onge hat sich in der Folge des Kontakts zu britischen Kolonisatoren und indischen Siedlern stark verringert. Ihre Anzahl sank von 670 im Jahr 1900 auf heute etwa 112.

Bis in die 1940er Jahre waren die Onge die einzigen dauerhaften Bewohner auf Goubalambabey (der Name der Onge für Little Andaman). Sie teilen die 732 km² große Insel nun mit über 18.000 Siedlern aus Indien, Bangladesch und von den Nikobaren. 1976 wurden die Onge in Siedlungen überführt, um ihnen „die Grundausstattung für ein hygienisches Leben und Schutz vor den Elementen der Natur“ zu gewähren. Sie leben heute in einem Reservat in Dugong Creek, das einen Bruchteil der Größe ihres ursprünglichen Territoriums aufweist.

Ein Mann des Onge-Volkes in einer Hängematte, Andamanen-Inseln, Indien.
Ein Mann des Onge-Volkes in einer Hängematte, Andamanen-Inseln, Indien.
© Survival International

Die Siedlungen der Onge wurden vom Tsunami 2004 vollständig zerstört, doch alle Onge überlebten. Sie wussten, dass das Meer, wenn es sich rapide zurückzieht, später mit zerstörerischer Kraft zurückkommen würde. Als sie das Erdbeben spürten und den Wasserpegel dramatisch abfallen sahen, versammelten sie sich am Ufer und schleuderten Steine ins Meer, um die verärgerten Geister (von denen sie glaubten, dass sie an dem das Meer stützenden Grundpfeiler rüttelten) glauben zu machen, dass die Onge im Wasser seien. Dann bewegten sie sich schnell ins Innere der Insel und in Sicherheit vor den Wellen von denen sie wussten, dass sie folgen würden.

Ein großer Teil der Little Andaman Insel wurde abgeholzt und die Onge sind nun gezwungen, mit Siedlern um Wildschweine und Fische zu konkurrieren. Obwohl die Onge in den Resten ihres Waldes nach wie vor viel Zeit mit Jagen und dem Sammeln von Honig verbringen, sind sie in Bezug auf Reisrationen, Linsen und andere Güter größtenteils von den Behörden der Andamanen abhängig. Besorgt um diese Abhängigkeit, die sie selbst geschaffen hat, versuchte die indische Regierung die Onge dazu zu zwingen, für ihre Rationen in einer Form der Leibeigenschaft auf einer Kokosnussplantage zu arbeiten. Dies war jedoch nicht erfolgreich.

Für die Onge sind weiße Zähne ein Zeichen für einen toten Körper, weshalb sie eine Rinde kauen, um ihre Zähne rot zu färben. Sie schmücken ihre Körper und ihre Gesichter mit weißem und ockerfarbenem Lehm.

Seit sie gezwungen wurden, sesshaft zu werden, hat ihre Gesundheit trotz der staatlichen Rationen und der medizinischen Versorgung abgenommen. Sie leiden an hohen Raten von Mangelernährung und Kindersterblichkeit und weisen eine gefährlich niedrige Wachstumsrate auf. Die Raten der Säugling- und Kindersterblichkeit haben sich in den Jahren nach ihrer Sesshaftigkeit verdoppelt.

Frau der Onge mit Kind. Die Onge malen ihre Körper, einschließlich ihrer Gesichter, mit weißer Kreide an.
Frau der Onge mit Kind. Die Onge malen ihre Körper, einschließlich ihrer Gesichter, mit weißer Kreide an.

© Survival

Die Geburt von Onge-Kindern wird in der Presse der Andamanen auf ähnliche Weise bekannt gegeben wie bei der erfolgreichen Zucht von Pandas im Zoo. Die Bevölkerungszahl der Onge erlitt 2008 einen weiteren vernichtenden Schlag. Acht Onge-Männer starben, nachdem sie eine unbekannte Flüssigkeit getrunken hatten, die sie zuvor am Strand gefunden hatten. Es wird vermutet, dass sie dachten, es habe sich bei der Flüssigkeit um Alkohol gehandelt, mit dem die Onge durch Siedler bekannt gemacht worden waren.