Gericht im Chaos: Regierungsanwalt „verhaftet” – Buschmann-Reservat abgeriegelt

Der Hauptanwalt der botswanischen Regierung im Buschmann-Fall sollte laut
Gerichtsanordnung am ersten September 2005 verhaftet und eingesperrt werden. Nachdem sich Anwalt Sidney Pilane der Berührung durch Polizisten widersetzt hatte, floh er in einem Fahrzeug, das von einem weiteren Regierungszeugen, dem stellvertretenden Direktor des Parks gefahren wurde.
Unabhängig davon gab die Regierung die Schließung des Buschmann-Reservats für Besucher aus "administrativen Gründen" bekannt.
 
Als Sonderberater des Präsidenten hofft Pilane anscheinend, dass seine
Macht die der Gerichtsbehörden Botswanas übertrifft. Er weigerte sich
wiederholt aufzustehen, als die Richter mit ihm sprachen. Er wurde zweimal
verwarnt und ihm wurde angedroht, ihn wegen Missachtung des Gerichts
vorzuladen. Da er sich dennoch weigerte aufzustehen, blieb dem Gericht keine Alternative: Es ordnete an, ihn sofort zu verhaften und am Montag morgen zurück ins Gericht zu bringen. Dies stellte den Höhepunkt von Pilanes Befragung der Star-Expertenzeugin des Staates, Kathleen Alexander, dar, der amerikanischen Ökologin und früheren Angestellten der botswanischen Regierung. Pilane befragte sie zu Dingen, die das Gericht bereits von der Diskussion ausgeschlossen hatte. (Einen detaillierten Bericht der Ereignisse dieses Morgens ist unten angehängt.)
 
Alexander hatte auch zuvor kein Geheimnis aus ihrer Verachtung gegenüber
Stammesvölkern und Jägern-und-Sammlern gemacht. Sie möchte sie alle zu Gunsten der Tiere außerhalb der geschützten Gebiete sehen. In ihren Bemerkungen, die denen des Präsidenten ähnelten, ließ sie verlautbaren, dass diese Völker sich weiterentwickeln müssten und dass "Kultur" nichts mit dem angestammten Land zu tun habe und diese auch anderswo ausgeübt werden könne.
 
Obwohl sie behauptet, dass sie niemanden in allen geschützten Gebieten haben will, hält sie selbst Vorlesungen innerhalb der Wildschutzgebiete für amerikanische Touristen – zum Preis von US$ 10.000 pro Person plus Trinkgeld.
 
Als Reaktion auf die Tatsache, dass einer der Anwälte der Buschmänner
britisch ist und dass ihre Verhandlung durch internationale Spendengelder
finanziert wird, sagte Pilane letzte Woche: „ „Wir brauchen keine Europäer, die uns vorschreiben, was wir tun und lassen sollen. Sie können ihnen so viel Geld geben wie sie wollen, aber das kümmert uns gar nicht. Wir sind verärgert über ihre Einmischung in unsere Angelegenheiten.. Wir lehnen ihre Einmischung in unsere Angelegenheiten ab. Sie sollten uns in Ruhe lassen". Der Buschmann-Fall ist schon jetzt der längste und teuerste Gerichtsfall in der Geschichte Botswanas, obwohl er von den ärmsten Bewohnern des Landes vorgebracht wurde.
 
Ein heftiger Angriff auf die Buschmänner wurde letzte Woche von Survival
aufgedeckt. Einer der kürzlich wegen Jagens gefolterten Buschmänner ist
gestorben, andere wurden verhaftet. Der Buschmann-Organisation FPK wie auch ihren Anwälten wurde der Zugang zum Reservat verweigert. Wachen wurden um das Reservat herum aufgestellt, um die Buschmänner daran zu hindern, nach Hause zurückzukehren. Die Regierung hat sogar die Verfassung des Landes geändert und den Schutz der Buschmänner, der darin verankert war und auf den sich die Klage der Buschmänner in ihrem Prozess beruft, entfernt.
 
Am ersten September bekräftigte die Regierung ihren Entschluss die Buschmänner zu entfernen und ihre Lebensweise zu beenden: Sie gab bekannt, dass "aus administrativen Gründen" bis auf Weiteres keine Besucher mehr im Reservat erlaubt sind. Buschmännern, die sich der Regierung widersetzt hatten und auf ihr Land zurückgekehrt waren, nachdem sie 2002
vertrieben wurden, wurde der Gebrauch von Funksendern zur Kommunikation
mit der Außenwelt untersagt. Von nun an wird alles, was mit den Buschmännern im Reservat geschieht, hinter verschlossenen Türen passieren.
Die Regierung ist eindeutig verärgert über die internationalen Medien, die
ausführlich über die Angriffe auf die Buschmänner berichtet hatten. Die letzten Journalisten, die Zutritt zum Zentral Kalahari Wildreservat hatten, gehörten zum angesehenen Nachrichtenprogramm "Newsnight" der BBC.
 
Als Antwort auf die neuesten Entwicklungen, rief Survival zum totalen Boykott der Diamanten aus Botswana (die von der Regierung und De Beers abgebaut und verkauft werden) und Tourismus in das Land auf.
 
Stephen Corry, der Generaldirektor Survivals, sagte heute: "Geschichte wird
gerade geschrieben. Die Zerstörung so vieler amerikanischer Indianer und
australischer Aborigines sind einige der beschämendsten Kapitel der letzten
Jahrhunderte. Wenn die Regierung Botswanas nicht ganz schnell zur Vernunft
gebracht wird, wird unser eigenes Jahrhundert die berechnete und gewollte
Zerstörung der Buschmänner der Zentral Kalahari erleben. Leider stehen die
Zeichen nicht gut. Die Regierung steht bereits in ihrem eigenen Land vor Gericht. Ihr eigener Anwalt ist der Festnahme entflohen. Wenn das Gericht einknickt, dann bedeutet diese Verhandlung mehr als das Ende der Gana und Gwi Buschmänner. Das "Höhere Gericht" der Meinung der Welt ist vielleicht die einzige Hoffnung, die noch bleibt."
 

 
Hintergrund zur angeordneten Festnahme des Regierungsanwalts am 1. September
2005
 
1. Im Juli 2005 besuchten Dr. Alexander und eine Anzahl Regierungsbeamte
das Zentral Kalahari Wildschutzgebiet und führten eine Untersuchung durch.
2. Die Anwälte der Buschmänner wurden über den Besuch nicht benachrichtigt
und ihnen wurde keine Gelegenheit gegeben, ihre Klienten zu beraten, ob sie
mit Dr. Alexander und den Beamten kooperieren sollten oder nicht.
3. Die Anwälte der Buschmänner erhoben Einspruch gegen die Anführung jeglicher Beweise seitens Dr.Alexander über das, was sie während der Untersuchung gesehen oder getan hatte.
Am Dienstag, den 30. August wurde ihrem Einspruch stattgegeben, so dass Dr.
Alexander nicht aussagen durfte, was sie behauptete, im Juli gesehen zu
haben.
4. Am Donnerstag, den 1. September, war Dr. Alexander sieben Tage lang im
Zeugenstand gewesen. Sie wurde noch immer von Herrn Pilane befragt. Pilane fragte sie, ob sie kranke Tiere im Reservat gesehen habe und Dr. Alexander antwortete, das hätte sie. Der Buschmann-Berater bat Herrn Pilane, zu klären, wann sie behauptet hatte, diese kranken Tiere gesehen zu haben, um herauszufinden, ob die Beweise von der Anordnung des Gerichts vom Dienstag ausgeschlossen seien.
5. Als Herr Pilane dies ablehnt, befragte das Gericht selbst Dr.
Alexander, wann sie behauptet habe, diese kranken Tiere gesehen zu haben. Sie antwortete "im Juli".
6. Herr Pilane forderte eine 5-minütige Unterbrechung, die stattgegeben
wurde. Nach der Unterbrechung erschien Herr Pilane erst im Gerichtssaal als
die Richter bereits zurückgekehrt waren und wieder auf den Bänken Platz
genommen hatten.
7. Es gab daraufhin eine Diskussion zwischen dem Gericht und Herrn Pilane,
während deren Verlauf Herr Pilane sich hinsetzte. Als er gebeten wurde
aufzustehen, lehnte er dies wiederholt ab. Ihm wurden zwei Gelegenheiten
gegeben zu erklären, warum er nicht wegen Missachtung des Gerichts
vorgeladen werden sollte – er akzeptierte jedoch nicht, dass er die Würde des
Gerichts missachtet hatte. Daraufhin entschied das Gericht, dass er
Wegen Missachtung des Gerichts mit sofortiger Wirkung verhaftet und ins Gefängnis eingewiesen werden solle. Es ordnete an, dass er um 9:30 Uhr am Montag morgen wieder vor den Richter geführt werden solle, in Anwesenheit des Generalstaatsanwalts. Als das Gericht sich erhob, kamen mehrere Polizisten in den Gerichtssaal, um Pilane festzunehmen. Er lehnte es ab, sie zu begleiten und wurde in einem Regierungsfahrzeug vom Gericht weggefahren.


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