Kolumbien: Zuletzt kontaktiertes Volk gewaltsam vertrieben

"Während ihr Land von bewaffneten Gruppen beschlagnahmt worden ist, sind die Nukak zum sesshaften Leben am Stadtrand gezwungen."
"Während ihr Land von bewaffneten Gruppen beschlagnahmt worden ist, sind die Nukak zum sesshaften Leben am Stadtrand gezwungen."
© David Hill/Survival

Die Nukak-Indianer sind von bewaffneten Gruppen überfallen und dazu gezwungen worden, ihre Häuser zu verlassen. Die Nukak sind das zuletzt kontaktierte indigene Volk Kolumbiens.

Acht Nukak-Familien wurden von ihrem Gebiet im Südosten Kolumbiens, nahe der Gemeinde San José del Guaviare, vertrieben. Sie haben in provisorischen Lagern Schutz gefunden.

Die Existenz der Nukak wurde erst 1988 weitgehend bekannt, als rund 40 ihrer Angehörigen in einer Stadt erschienen, die Siedler im angestammten Gebiet des indigenen Volkes kurz zuvor errichtet hatten.

Nach der Kontaktaufnahme starb die Hälfte der Nukak an eingeschleppten Krankheiten wie Grippe oder Malaria.

Trotz der erfolgreichen Kampagne zur Gründung eines Schutzgebietes für die Nukak, die von Survival International, der nationalen Organisation für Indigene (ONIC) und anderer Organisationen geführt wurde, sind illegal bewaffnete Gruppen und Kokabauer in ihren Wald eingedrungen. Vermutlich ist das Gebiet mit Landminen übersät.

Aus den einst nomadischen Jägern und Sammlern wurden weitgehend sesshafte Flüchtlinge, die zum Überleben auf Almosen des Staates angewiesen sind.

Kolumbiens blutiger Konflikt zwischen bewaffneten Gruppen – die sich inzwischen hauptsächlich durch den Kokain-Handel finanzieren – und den Regierungskräften, hat das Leben Zehntausender Indigener zerstört.

Laut ONIC werden täglich 35 kolumbianische Indianer zwangsumgesiedelt. Alle 40 Stunden wird ein Indigener getötet.