Indien: Indigenen droht Vertreibung wegen Tiger-Reservat 13 Mai 2014

"Khadia-Familien wurden im Dezember 2013 von ihrem Land im Tiger-Reservat vertrieben. Es wurde ihnen Geld, Vieh und Land als Entschädigung versprochen – aber sie haben fast nichts erhalten. Jetzt leben sie unter Plastikplanen."
"Khadia-Familien wurden im Dezember 2013 von ihrem Land im Tiger-Reservat vertrieben. Es wurde ihnen Geld, Vieh und Land als Entschädigung versprochen – aber sie haben fast nichts erhalten. Jetzt leben sie unter Plastikplanen."
© Survival International

Survival International hat beunruhigende Berichte erhalten, dass mehrere indigene Gemeinden aus einem Tiger-Schutzgebiet in Odisha in Ostindien vertrieben werden sollen. Die Dorfbewohner bitten verzweifelt darum auf ihrem Land bleiben zu dürfen und in den Schutz des Gebietes eingebunden zu werden.

Aussagen gegenüber Survival zeigen, dass Gemeinden aus dem Similipal Tiger Reserve, die seit Generationen in und mit dem dortigen Wald leben, entschlossen sind auf ihrem Land zu bleiben, aber dennoch seit Jahren eingeschüchtert werden. Forstbeamte drängen sie, dass Reservat zu verlassen.

Ein Munda aus Jamunagarh, eines der von einer Vertreibung bedrohten Dörfer, erklärte gegenüber Survival: „Wir hängen sehr stark von dem Wald ab … Wir haben keinen Konflikt mit den Tieren. Wir jagen nicht und wir fällen keine Bäume. Wenn wir gehen, wird uns ein hartes Leben erwarten … Bitte vertreibt uns nicht!“

Die Behörden in Odisha sind jedoch entschlossen „Kernzonen“ innerhalb des Tiger-Schutzgebietes zu räumen, möglicherweise in Verletzung indischer Gesetze. Drei von sechs Dörfern sind bereits aus Similipal vertrieben worden und weitere Pläne liegen für das benachbarte Satkosia-Reservat vor.

"Zwei Munda aus dem Dorf Jamunagarh bitten verzweifelt darum, auf ihrem Land im Similipal-Tigerreservat bleiben zu können."
"Zwei Munda aus dem Dorf Jamunagarh bitten verzweifelt darum, auf ihrem Land im Similipal-Tigerreservat bleiben zu können."

© Survival International

Während der letzten Umsiedlungen von Similipal im Dezember 2013 wurden 32 Khadia-Familien in ein Dorf außerhalb des Tigerreservates gebracht. Sie erhielten nur einen Teil der ihnen zugesagten Entschädigung. Sie leben nun unter Plastikplanen auf einem winzigen Stück Land, wodurch sie völlig auf Almosen der Regierung angewiesen sind.

Lokale Medienbericht bezeichneten die Vertreibungen im Dezember als einen ‚riesigen Erfolg’, der weitere Umsiedlungen „vereinfachen“ wird. Doch Munda aus Jamunagarh sind schockiert von den Bedingungen im Umsiedlungslager und erklärten: „Wir waren dort. Zu sehen, wie es ihnen dort geht, brachte mein Herz zum Weinen. Bitte vertreibt uns nicht.“

Nach indischen Gesetzen ist für eine Umsiedlung die Zustimmung der Dorfbewohner erforderlich und ihre Ansprüche an bewaldeten Gebieten müssen vor einer Umsiedlung bearbeitet werden. Dennoch werden ihre Rechte ignoriert und die Gemeinden werden eingeschüchtert und mit Versprechungen von Geld, Essen, Vieh und Land gelockt, von denen die meisten niemals erfüllt werden.

Indigene Völker weltweit bewohnen einen Großteil der biologisch vielfältigsten Gebiete unseres Planeten – oft ist es ihre vorsichtige Verwaltung der Ökosysteme, die es auch den Tieren ermöglicht zu überleben. Doch Indiens Behörden scheinen im ganzen Land menschenleere Tigerreservate schaffen zu wollen.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte heute: „Indigene Völker sind häufig die besten Naturschützer. Dennoch werden sie an vielen Orten der Welt illegal von ihrem Land vertrieben, um es zu ‚schützen’. Dies ist selten deutlicher als in Fällen wie diesem, wo Menschen seit Generationen an der Seite der Tiere leben und dennoch von ihrem Land vertrieben werden, um Platz für Busladungen voller Touristen und der dafür notwendigen Straßen und Infrastruktur zu machen. Es geht nicht um Umweltschutz sondern um den Profit, den andere mit dem Land indigener Völker machen können.“

Hinweis an die Redaktion
- Similipal wurde 1973 zum Tigerreservat erklärt. Bei mehreren Vertreibungen zwischen 1987 und 2013 wurden drei von sechs Dörfern aus der Kernzone von Similipal vertrieben. Die drei verbliebenen Dörfer Jamunagarh, Kabatghai und Bakua weigern sich momentan umzusiedeln.
- Ein Survival-Mitarbeiter, der die Region kürzlich besucht hat, steht für Interviews zur Verfügung.

 

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