Indigene Völker fordern von Regierungen Anerkennung ihrer Jagdrechte

"Indigene Völker, die jagen um ihre Familien zu ernähren, werden oft als „Wilderer“ kriminalisiert."
"Indigene Völker, die jagen um ihre Familien zu ernähren, werden oft als „Wilderer“ kriminalisiert."

© Fiona Watson/Survival

Indigene Organisationen haben, unterstützt von Tausenden Menschen weltweit, die Delegierten der Anti-Wilderei-Konferenz in Kasane dazu aufgefordert, das Recht indigener Völker auf überlebenswichtige Jagd anzuerkennen.

Survival International, indigene Organisationen aus Brasilien, Kamerun, Kenia und vielen anderen Ländern sowie über 80 Experten fordern von den Delegierten der morgigen Konferenz in Botswana, indigene Völker, die jagen um ihre Familien zu ernähren, nicht wie Kriminelle zu behandeln.

Tausende Unterstützer von Survival International, der globalen Bewegung für die Rechte indigener Völker, schickten eine ähnliche Forderung an die Vertreter Deutschlands, der EU und des World Wide Fund for Nature (WWF).

"Indigene Organisationen in der ganzen Welt und über 80 Experten fordern von den Delegierten der Kasane-Konferenz, dass sie die Rechte indigener Völker anerkennen, für ihren Lebensunterhalt zu jagen."
"Indigene Organisationen in der ganzen Welt und über 80 Experten fordern von den Delegierten der Kasane-Konferenz, dass sie die Rechte indigener Völker anerkennen, für ihren Lebensunterhalt zu jagen."
© Survival

Der Konferenz in Kasane ging ein ähnliches Treffen in London im Februar 2014 voraus, bei dem Staatschefs und Angehörige des britischen Königshauses für die entschlossene Durchsetzung von Gesetzen zum Wildtierschutz warben. Damals wurde nicht anerkannt, dass diese Gesetze indigene Völker oft als „Wilderer“ kriminalisieren, weil sie für ihren Lebensunterhalt jagen.

Indigenen Völkern drohen oft Festnahmen, Schläge, Folter und manchmal Tod, wenn sie jagen um ihre Familien zu ernähren, während zahlende Großwildjäger willkommen sind.

Baka-„Pygmäen“ in Kamerun und Bayaka-„Pygmäen“ in der Republik Kongo wurden von Wildhütern geschlagen und gefoltert und fürchten sich zum Jagen in den Wald zu gehen. Auch in Botswanas Central Kalahari Game Reserve werden Angehörige der Buschleute immer wieder verhaftet und geschlagen, weil sie des Jagens verdächtigt werden, obwohl der Oberste Gerichtshof ihr Jagdrecht bestätigt hat.

Erst bei einem kürzlichen Treffen der Weltnaturschutzunion (IUCN) zu „Wildtier-Kriminalität“ analysierte und verurteilte der bekannte Menschenrechtsanwalt Gordon Bennett die negativen Folgen der Strafverfolgung im Wildtierschutz für indigene Völker.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte heute: „Es ist unverantwortlich von Naturschützern und Politikern, ein härteres Durchgreifen gegen ‚Wilderer‘ zu fordern, ohne anzuerkennen, dass indigene Subsistenz-Jagd keine ‚Wilderei‘ ist. Das ist keine Frage der Formulierung – indigene Jäger werden systematisch verhaftet und geschlagen, weil sie ‚wildern‘. Und das weil Naturschützer sich nicht auf die Seite indigener Völker stellen. Wenn die Delegierten der Kasane-Konferenz sich auch nur ein wenig um das Leben der indigenen Gemeinden sorgen, die am stärksten von ihren Entscheidungen betroffen sind, müssen sie anerkennen, dass indigene Völker nicht wie Kriminelle behandelt werden sollten, weil sie jagen, um ihre Familien zu ernähren.“

Hinweise an die Redaktion

– Lesen Sie hier den Brief an die Delegierten der Kasane-Konferenz. (PDF)

– Die Erklärung „Indigene Völker sollten nicht wie Kriminelle behandelt werden, weil sie jagen, um ihre Familien zu ernähren“ wird von folgenden Organisationen unterstützt: ADPPA (l’Association de défense et de promotion des peuples autochtones, Republik Kongo), AHHBN (Associação Huni Kui da Terra Indígena Henê Bariá Namakiá, Brasilien), Batwa Development Program (Uganda), COPORWA (Communauté des Potiers du Rwanda), FENAMAD (Federación Nativa de Madre de Dios, Peru), FEPAHC (Federação do Povo Huni Kui do Acre, Brasilien), FPK (First People of the Kalahari, Botswana), Hutukara (Yanomami Association, Brasilien), Okani (Kamerun), OPIARA (Organização dos Povos Indígenas do Acre, Noroeste de Rondônia e Sul do Amazonas, Brasilien), OPDP (Ogiek Peoples Development Program, Kenia), PIDP (Programme d’Intégration et de Développement du Peuple Pygmée, DR Kongo), Survival International, Tsoro-o-tso San Development Trust (Simbabwe) und von über 80 Experten weltweit. Laden Sie hier eine Übersicht herunter.

– „Pygmäen“ ist ein Sammelbegriff, der normalerweise unterschiedliche Jäger-und-Sammler-Völker aus dem Kongobecken und im zentralen Afrika bezeichnet. Auch wenn einige Indigene den Begriff als abschätzig ansehen und ihn vermeiden, nutzen ihn andere aus praktischen Gründen und als einfache Art, sich selbst zu beschreiben. Lesen Sie mehr dazu.