Gewalt an Baka-„Pygmäen“: WWF bleibt untätig

"Baka-„Pygmäen“ sind durch Anti-Wilderei-Einheiten, die vom WWF unterstützt und finanziert werden, Bedrohungen, Schlägen und Folter ausgesetzt."
"Baka-„Pygmäen“ sind durch Anti-Wilderei-Einheiten, die vom WWF unterstützt und finanziert werden, Bedrohungen, Schlägen und Folter ausgesetzt."

© Survival International

Der Naturschutz-Riese World Wide Fund for Nature (WWF) ist daran gescheitert, Maßnahmen gegen die Misshandlungen von Baka-„Pygmäen“ und ihrer Nachbarn im Südosten Kameruns durch Anti-Wilderei-Einheiten zu ergreifen. Vor genau einem Jahr hatte die Naturschutzorganisation Berichte erhalten über Belästigung, Schläge und Folter an Indigenen – dreizehn Jahre, nachdem der WWF zum ersten Mal über diese Misshandlungen informiert wurde.

Die Anti-Wilderei-Einheiten bestehen aus Wildhütern – und manchmal Soldaten und Polizisten – und sind auf die Förderung und Unterstützung des WWF angewiesen.

Nahezu 9.000 Menschen haben bereits an den WWF geschrieben und gefordert, dass die Organisation Maßnahmen ergreift, damit sie nicht weiterhin die Verletzung der Rechte der Baka und ihrer Nachbarn fördert. Vergangenes Jahr hatten Dorfbewohner vom WWF verlangt, dass er die Förderung aussetzt.

Baka fordern den WWF auf, keine Anti-Wilderei-Einheiten mehr zu fördernIn diesem Film, der im November 2014 aufgenommen wurde, fordern Baka aus Ndongo, ein Dorf wo der WWF einen regionalen Standort hat, die Anti-Wilderei-Einheiten, die sie jahrelang misshandelt haben, nicht mehr zu fördern.

Viele Baka bezeichnen sowohl den WWF als auch die Anti-Wilderei-Einheiten als „dobi-dobi‟ (WWF). Hier ist damit eindeutig der WWF gemeint.

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Der WWF reagierte zuerst verärgert auf die Briefe über die Misshandlungen an den Baka von Survival International, der globalen Bewegung für die Rechte indigener Völker. Die Naturschutzorganisation bezeichnete Survivals Kampagne als „absurd“, „schuldzuweisend“ und „eigennützig“. Kürzlich hat der WWF zugegeben, dass „[die Organisation sich bewusst ist], dass die allgemeine Benachteiligung, unter der die Baka leiden, auch im Bezug zu den Ecoguards, der Polizei und Gerichtshöfe vorherrscht“.

Der WWF gibt an, auf das Ergebnis einer Untersuchung der Menschenrechtskommission Kameruns zu diesen Misshandlungen warten zu wollen. Aber fünf Monate, nachdem die Beschwerde bei der Kommission eingereicht wurde, hat die Untersuchung noch immer nicht begonnen. Die Kommission plant, bloß ein paar Dörfer zu besuchen und ihr Ergebnis erst Ende des Jahres zu veröffentlichen. Survival, wie viele Baka, hat den WWF aufgefordert, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um in der Zwischenzeit keine weiteren Misshandlungen zu fördern.

Die gewalttätige Verfolgung durch Anti-Wilderei-Einheiten ist nur ein Aspekt der systematischen Menschenrechtsverletzungen, die das Baka-Volk erleidet. Der WWF hat sich zu einer Reihe von Grundsätzen zu indigenen Völkern verpflichtet, die solche Misshandlungen verhindern sollen; trotzdem berichten die Baka, dass der WWF diese Grundsätze in seiner Arbeit in Kamerun nicht einhält.

Der WWF hat sich beispielsweise dazu verpflichtet, die Gründung von „Schutzgebieten“ oder die Einschränkung des Jagens und Sammelns für den Lebensunterhalt ausschließlich dann zu unterstützen, wenn die Baka ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung gegeben haben.

"Die Baka haben Angst in ihren Wald zu gehen, der zu einem Naturschutzgebiet gemacht wurde."
"Die Baka haben Angst in ihren Wald zu gehen, der zu einem Naturschutzgebiet gemacht wurde."

© Selcen Kucukustel/Atlas

Doch die Baka haben weder der Gründung von „Schutzgebieten“ auf ihrem Land, noch den Gesetzen, die sie oft als „Wilderer“ kriminalisieren weil sie ihre Nahrung jagen, zugestimmt. Sie sind Misshandlungen, Schlägen und Folter ausgesetzt; viele berichten, dass ihre Freunde oder Verwandten aufgrund der Schläge gestorben sind.

Weltweit werden die Rechte indigener Völker im Namen des „Naturschutzes“ verletzt – obwohl sie sich um ihre Umwelt kümmern wie niemand sonst. Mit der Kampagne „Eure Wildnis, Unser Zuhause“ kämpft Survival gegen diese Misshandlungen.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: „Bisher hat die Untersuchung der Kommission nichts gebracht, und es wird noch Monate dauern, bis sie ein paar Dörfer besucht hat. Der WWF muss jetzt handeln, bevor das Leben weiterer Menschen zerstört wird oder es noch mehr Todesopfer gibt. Es wird auch Zeit, dass der WWF seine Verpflichtungen gegenüber indigenen Völkern einhält, wie es die Baka fordern. Wenn der WWF in dieser Angelegenheit angemessen handelte, würde er die Ecoguards nicht weiter fördern und sich an seine Richtlinien halten.“

Hinweise an die Redaktion:

- Lesen Sie Survivals neuesten Brief an den Generaldirektor des WWF. (PDF, 53 KB)
- „Pygmäen“ ist ein Sammelbegriff, der normalerweise unterschiedliche Jäger-und-Sammler-Völker aus dem Kongobecken und im zentralen Afrika bezeichnet. Auch wenn einige Indigene den Begriff als abschätzig ansehen und ihn vermeiden, nutzen ihn andere aus praktischen Gründen und als einfache Art, sich selbst zu beschreiben. Lesen Sie mehr dazu.