Versteigerung heiliger Objekte: Hopi und Acoma verlangen Stopp 9 Juni 2015

Der Anwalt Pierre Servan-Schreiber mit zwei Priestern der Hopi. Das Bild wurde während der Rückgabe einer Katsina, die er bei der letzten Versteigerung erworben hatte, aufgenommen. (Rechts: Sam Tenakhongva.)
Der Anwalt Pierre Servan-Schreiber mit zwei Priestern der Hopi. Das Bild wurde während der Rückgabe einer Katsina, die er bei der letzten Versteigerung erworben hatte, aufgenommen. (Rechts: Sam Tenakhongva.)

© Survival

In einer gemeinsamen Erklärung haben der Vorsitz der Hopi-Nation, der Governeur der Acoma und der Vorsitzende des Holocaust Art Restitution Project (HARP) Frankreichs Auktionsbehörde (Conseil des Ventes) aufgefordert, die Versteigerung heiliger Objekte der Hopi- und Acoma-Völker zu suspendieren. Die Versteigerung, organisiert vom Auktionshaus Joron-Derem, soll am 10. Juni im Pariser Hôtel Drouot stattfinden.

Das Conseil des Ventes hatte bereits eine Anfrage der Hopi zurückgewiesen, eine Auktion am 1. Juni auszusetzen – die fünfte Versteigerung heiliger Hopi-Objekte, die das Auktionshaus Eve seit 2013 organisierte. Als Grund für die Zurückweisung erklärte die Behörde, dass die Kläger nicht die rechtliche Handlungsfähigkeit haben und dass sich aufgrund des französischen Rechts derartigen Auktionen nichts entgegenstellen könnte.

Bisherige Auktionen – die in den USA unrechtmäßig gewesen wären – konnten trotz des Einsatzes von Survival International, des Anwaltes Pierre Servan-Schreiber und des Schauspielers Robert Redford nicht gestoppt werden.

Die Katsinam, die die Hopi „Freunde“ nennen, haben eine tiefgründige kulturelle und religiöse Bedeutung. Sie sind Geister – nicht nur der Vorfahren, der irdischen Tiere und der natürlichen Welt, sondern auch mythologischer Wesen, natürlicher Kräfte sowie moralischer und sozialer Werte. Sie sind Teil eines Glaubenssystems, in dem das Gleichgewicht der Welt mit dem Zelebrieren dieser Wesen verbunden ist. Katsinam können weder kommerzialisiert noch Nicht-Initiierten gezeigt werden.

Das Volk der Hopi hat einen offiziellen Vertreter nach Paris geschickt. Sam Tenakhongva, spiritueller Anführer und Wächter der Katsinam, soll die Hopi gegenüber den französischen Behörden vertreten und sie überzeugen, die Versteigerung zu suspendieren und die Objekte in ihre Heimat zurückzubringen.

Mehrere nordamerikanische Institutionen und Museen – u.a. das Museum of Nothern Arizona, das Heard Museum, das Wheelwright Museum of the American Indian und das Denver Art Museum – haben einen Brief an Frankreichs Präsident Hollande geschrieben und ihm ihre „Empörung“ und „Verzweiflung“ mitgeteilt. Sie haben ihn auch informiert, dass das Zerstreuen dieser Objekte durch Auktionen das US-Gesetz zum Schutz kultureller Ressourcen verletzt.

Im vergangenen Mai schrieb die Delegation des Arizona-Kongresses an die US-Justizministerin Loretta Lynch und den Direktor des FBI um zu erfragen, „welche Verfahren die US-Bundesregierung einleiten kann, um den Sorgen der Hopi entgegen zu kommen“.

„Das Conseil des Ventes hat die Macht, ein solche Versteigerung zu suspendieren. (…) Diese Objekte können aus rechtlichen, kulturellen und moralischen Gründen weder verkauft noch aufgeteilt werden. (…) Wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Rechte der Hopi und der Acoma vor dem französischen Recht zu verteidigen“, erklärte Ori Z. Soltes, Vorsitzender von HARP.

Der Vorsitzender der Hopi, Herman G. Honanie, verkündete: „Alle unsere Katsinam-Freunde sollen zurück nach Hause ins Hopi-Gebiet, an ihren rechtmäßigen Platz. Die Hopi sind entschlossen: Diese Versteigerungen sollen aufhören. (…) Diese Objekte gehören den Hopi und müssen uns zurückgegeben werden.“

Der Gouverneur des Acoma-Volkes, Fred S. Vallo, sagte: „Die Acoma stehen den Hopi zur Seite, um alle nötigen Aktionen zu unternehmen, die den illegalen Verkauf unseres kulturellen Erbes verhindern können. Wir fordern die US-amerikanische und die französische Regierungen dazu auf, sich gemeinsam dafür einzusetzen, dieser Handlungsweise ein Ende zu setzen.“

Hinweis an die Redaktion:

- Die Hopi leben in zwölf Dörfern im Nordosten Arizonas. Ihre Heimat nennen sie Hopituskwa.
- Das Acoma-Volk lebt westlich von Albuquerque im Bundesstaat New Mexico.
- HARP ist eine in Washington ansässige Organisation, die sich dafür einsetzt, Kunstwerke zu identifizieren und zurückzugeben, die u.a. in der Zeit des Nationalsozialismus geraubt wurden.
- Die Hopi lehnen die Veröffentlichung von Bildern der Katsinam ab; sie betrachten dies als beleidigend und respektlos.
- Lesen Sie die gemeinsame Pressemeldung der Hopi, der Acoma und von HARP (auf Englisch).

 

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