Paraguay: Regierung zum Schutz eines unkontaktierten Volkes in die Pflicht genommen 11 Februar 2016

"Die Kontaktierung war für die Ayoreo eine traumatische Erfahrung – viele Angehörige des indigenen Volkes steckten sich mit tödlichen Krankheiten an"
"Die Kontaktierung war für die Ayoreo eine traumatische Erfahrung – viele Angehörige des indigenen Volkes steckten sich mit tödlichen Krankheiten an"
© Survival

Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte hat die paraguayische Regierung rechtsbindend dazu aufgefordert, die indigenen Ayoreo vor der Auslöschung zu schützen.

Die zur OAS („Organization of American States“) gehörende Kommission entschied, dass die Regierung die Pflicht habe, Viehzüchter von der illegalen Rodung der paraguayischen Chaco-Region abzuhalten. Die Region, die über eine außergewöhnliche Artenvielfalt verfügt, ist in Südamerika Heimat des letzten unkontaktierten indigenen Volkes außerhalb des Amazonasgebietes. Das Gebiet hat derzeit die weltweit höchste Abholzrate. Schätzungsweise werden monatlich 14 Millionen Bäume gefällt.

Die Bewohner*innen des Chaco, die unkontaktierten Ayoreo (vollständiger Name: Ayoreo-Totobiegosode), sind massiven Bedrohungen durch Viehzüchter ausgesetzt, welche den Wald zerstören und Angehörige des indigenen Volkes vertreiben. Außerhalb ihres Waldes sterben viele Ayoreo an einer Krankheit, die der Tuberkulose ähnelt und gegen die die Indigenen keine Abwehrkräfte besitzen.

Ein Angehöriger der Ayoreo teilte Survival mit: „Unsere Familien verließen 2004 den Wald, da sie unter immensem Druck durch die Viehzüchter standen und keinen Frieden fanden. Wenn der Krach der Bulldozer beginnt, sind unsere unkontaktierten Verwandten gezwungen, sich an Orten zu verstecken, an denen es keine Nahrung für sie gibt. Wir möchten weiterhin vom Wald leben und wollen, dass die Viehzüchter aufhören, unsere immer noch dort lebenden Familien zu drangsalieren.“

Satellitenbilder zeigen, dass die unkontaktierten Indigenen in einem immer kleiner werdenden Waldgebiet leben, das von Rinderfarmen umgeben ist.

Unkontaktierte Völker gehören zu den am meisten bedrohten Gemeinschaften der Erde. Ganze Bevölkerungen werden durch die Gewalt von Außenstehenden ausgelöscht, welche das Land und die Ressourcen der Indigenen stehlen. Viele unkontaktierte Indigene erliegen Krankheiten wie der Grippe oder den Masern, gegen welche sie keine Abwehrkräfte besitzen.

Sollte ihr Land nicht geschützt werden, steht unkontaktierten indigenen Völkern die Auslöschung bevor. Survival International, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker, übt weiterhin Druck auf die paraguayische Regierung aus. Nur, wenn indigene Völker das Land bewohnen können, dass ihnen per Gesetz zusteht, haben sie die Möglichkeit, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden.

Survival-Direktor Stephen Corry sagte dazu: „Es ist ermutigend, dass die Interamerikanische Kommission diesen Schritt gemacht hat. Aber wir werden so lange nicht ruhen, bis die paraguayische Regierung konkrete Maßnahmen ergreift, um die Ayoreo und ihr Land zu schützen. In den letzten Jahrzehnten wurde die Heimat der Ayoreo zerstört und dem indigenen Volk wurde ein Lebenswandel aufgezwungen, der für seine Angehörigen nicht selten in den Tod führte und noch immer führt. Aus humanitärer Sicht ist es von essentieller Bedeutung, dass das Gebiet der Ayoreo nicht von Außenstehenden zerstört wird und dass das indigene Volk selbst über seine Zukunft entscheiden kann.“

 

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