Aufgedeckt: „Brasiliens korruptester Politiker“ beansprucht Land eines unkontaktierten Volkes

"José Riva, ehemals stellvertretender Landesvorsitzender in Mato Grosso do Sul, gilt als korruptester Politiker Brasiliens."
"José Riva, ehemals stellvertretender Landesvorsitzender in Mato Grosso do Sul, gilt als korruptester Politiker Brasiliens."

© Local media

Survival International hat aufgedeckt, dass ein Viehzüchter, der das Land eines unkontaktierten Volkes im Amazonasgebiet für sich beansprucht, ehemaliger Staatsbeamter ist und als „korruptester Politiker Brasiliens“ gilt.

Gegen José Riva, ehemals stellvertretender Landesvorsitzender im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, laufen derzeit Ermittlungen in über einhundert Fällen von Betrug, Korruption, der Gründung krimineller Banden und der Verwicklung in andere kriminelle Aktivitäten.

Herr Riva besitzt eine Farm auf dem Land der unkontaktierten Kawahiva, die zu den am meisten bedrohten Völkern unseres Planeten zählen. Riva behauptete wiederholt, dass die Kawahiva nicht existieren – ungeachtet der Video- und Bildaufnahmen, die bei einer zufälligen Begegnung zwischen Regierungsmitarbeiter*innen und den Kawahiva entstanden und deren Existenz belegen. Herr Riva setzt sich dafür ein, dass weite Teile des angestammten Landes für Viehhaltung und Plantagen erschlossen werden.

Er ist ein bekannter Befürworter des PEC215, ein Vorschlag zur Änderung der brasilianischen Verfassung, der, sofern umgesetzt, die Landrechte indigener Völker um Jahrzehnte zurückwerfen würde.

Über das Territorium der Kawahiva sagte Riva: „Es gibt keine Indigenen in dem Gebiet …Einige Menschen versuchen die Theorie zu verbreiten, dass es unkontaktierte Indigene in Rio Pardo gibt …Ich habe diesen Betrug gemeldet.“

"Brasilianische Regierungsbeamte trafen 2013 bei einer Feldmission zufällig auf Angehörige der Kawahiva und nahmen diese mit einer Videokamera auf"
"Brasilianische Regierungsbeamte trafen 2013 bei einer Feldmission zufällig auf Angehörige der Kawahiva und nahmen diese mit einer Videokamera auf"

© FUNAI

Er und andere Politiker in der Region stellen sich gegen den Schutz des Gebietes indigener Völker. Sie drängen stattdessen auf einen Ausbau von Viehwirtschaft und Bergbau auf angestammtem Land, obwohl dies für die unkontaktierten Bewohner der Region den Tod bedeuten könnte.

Survival International, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker, hält die brasilianische Regierung dazu an, das Land der Kawahiva zu kartieren und zu schützen, um so die Auslöschung der Kawahiva zu verhindern. Unkontaktierte Völker sind durch Außenstehende extrem gefährdet. Ganze Populationen wurden bereits in Folge einer Kontaktierung ausgelöscht, da Außenstehende ihre Ressourcen stahlen oder Krankheiten wie Grippe und Masern einschleppten, gegen die die Indigenen keine Abwehrkräfte besaßen.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Seit Jahrzehnten leugnen mächtige und korrupte Politiker und Viehzüchter die Existenz von unkontaktierten Indigenen im Namen des Profits. Ihnen ist es egal, dass ihre Gier zur Auslöschung ganzer Völker führt. Je länger Brasilien Personen wie Riva erlaubt, das Land und die Ressourcen der Kawahiva zu plündern, desto größer ist das Risiko, dass diese kleine Gruppe für immer verschwindet. Brasilien kann dies durch einfache Mittel verhindern: Durch den Schutz indigener Landrechte.“