Unkontaktierte Indianer fliehen vor vordringenden Holzfällern 23 Februar 2006

Aufgrund der illegalen Aktivitäten von Holzfällern im peruanischen Purú Nationalpark flüchtet derzeit eine große Anzahl unkontaktierter Indianer von ihrem angestammten Gebiet. Die nomadischen Piro Indianer wurden über die Grenze nach Brasilien gedrängt, was sie in Konflikt mit anderen isolierten Indianern bringt, auf deren Gebiet sie sich jetzt niedergelassen haben.



Illegal im Purú-Nationalpark gefälltes Mahagoni wurde auf dem Fluss Envira über die Grenze nach Brasilien treiben gelassen.   
 
Beamte der FUNAI, Brasiliens Indianerbehörde, berichten, dass es Anzeichen gibt, die auf großangelegte Rodungsaktionen schließen lassen: So werden z.B. gesägte Bretter mit dem Zeichen einer peruanischen Holzfirma und leere Ölfässer auf dem Envira Fluss angeschwemmt. Bei FUNAI ist man jetzt sehr besorgt darüber, dass sich die Piro mit Krankheiten anstecken werden, gegen die sie aufgrund ihrer Isolation keine Immunabwehr haben. Außerdem wird befürchtet, dass es im Falle einer Ansiedlung auf dem Gebiet der benachbarten Stämme in Brasilien zu ernsten gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen könnte, da beide Gruppen um Ressourcen konkurieren.

Während der letzten vier Jahre haben die Beamten von FUNAI immer mehr Zeichen entdeckt, die für eine steigende Anzahl von Piro Indianern im Bundesstaat Acre, an der Grenze zu Peru, sprechen. Im Jahr 1998 wurde sogar ein Camp von FUNAI-Beamten am Envira nahe der Grenze für mehrere Tage von Piro umstellt. Im Jahr 2000 kamen Indianer in das leere Camp und nahmen Essen, Kochutensilien und Werkzeuge mit. Die Piro lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie ungestört bleiben wollen: Einer von ihnen schoss vor einigen Jahren sogar einen Pfeil auf José Carlos Meirelles, den Chef des FUNAI Postens am Oberlauf des Enviras.

FUNAI hat 60 von den Piro errichtete Hütten (Tapiris) und große Mengen herumliegende Pecari-Köpfe und Schildkrötenpanzer gefunden und schätzt die Anzahl der Leute auf etwa 300. Man geht davon aus, dass sie nomadisch leben, da es keine Gemeinschaftshäuser (Malocas) gibt. Außerdem lässt die Lage der Hütten darauf schließen, dass die Indianer zur Deckung ihres Nahrungsbedarfs große Strecken zurücklegen müssen.

Obwohl in Sürdost Peru mehrere Gebiete als Nationalparks oder Reservate für die vielen isoliert lebenden Indianergruppen der Gegend geschützt sind, werden diese nicht angemessen geschützt und kontinuierlich von Holzfirmen illegal aufgesucht.

José Mereilles, der derzeitige Chef des Büros für unkontaktierte Indianer bei der FUNAI, der 18 Jahre in der Gegend gelebt hat, warnt, dass "die Holzfällarbeiten in Peru nicht klein angelegt" wären und fürchtet dass es schon bald zu gewalttätigen Konflikten kommen könnte: "Sobald die Piro in die Gebiete der indigenen Völker Brasiliens ziehen, wird es zu Territorial-Streitigkeiten kommen und es wird Krieg geben. Am Ende werden sich die Leute gegenseitig umbringen. Nur die Geier werden die Körper der Toten finden." Nach seinen Angaben wird derzeit ein Gebiet, das bislang "ein unberührtes Schutz- und Zufluchtgebiet für unkontaktierte Völker" war in alarmierender Geschwindigkeit zerstört.

Die drei unkontaktierten Indianergruppen auf der brasilianischen Seite der Grenze sind nicht nomadisch und pflanzen Gemüse in Gärten an. Bislang wurden drei Gebiete als ihnen gehörig anerkannt. Auch sie haben zeitweise unter dem Vordringen von Siedlern gelitten: Im Juni 2000 wurde eine kleine Gruppe unkontaktierter Indianer am Alto Tarauaca Fluss beschossen, wobei ein Indianer ums Leben kam.


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