Juri Rytchëu verstorben

Der russische Autor Juri Rytchëu ist in der Nacht zu Mittwoch, den 14. Mai 2008, im Alter von 78 Jahren ist in St. Petersburg verstorben. Er galt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der indigenen Völker Russlands.

Juri Rytchëu wurde 1930 in Uëlen auf der sibirischen Halbinsel Tschukotka als Sohn eines Jägers geboren. Seine Familie und er gehörten dem etwa 12000 Menschen zählenden Volk der Tschukschen an, die bis vor dem zweiten Weltkrieg vor allem als Jäger und nomadische Rentierzüchter lebten.

Unter sowjetischer Verwaltung haben viele sibirische Stämme ihr Land an staatliche Industrien verloren. Mit der Industrialisierung wurden ihre Gebiete von Fremden übernommen und der Staat bemühte sich, die Sprachen, Kulturen und Lebensweisen der sibirischen Stämme zu unterdrücken. Heute ist ihr größtes Problem die Umweltzerstörung durch Öl-, Gas- und Holzfirmen in ihren Gebieten und ein Mangel an Klarheit, was ihre Landesrechte betrifft.

In den Romanen von Juri Rytchëu steht in erster Linie die Schilderung des traditionellen Lebens der Tschukschen im Mittelpunkt. Doch äußerte sich Rytchëu in seinen Schriften auch oftkritisch gegenüber der Umgangsweise sogenannter "Zivilisationen" mit den indigenenVölkern Sibiriens und benennt dies als "stillen Genozid".