Ehemaliger Nachrichtensprecher nach „primitivem“ Ausrutscher kritisiert 25 Februar 2009

Mann vom Stamm der Dani, Papua
Mann vom Stamm der Dani, Papua
© Adrian Arbib/Survival


Der ehemalige BBC-Nachrichtensprecher Michael Buerk wurde von der indigenen Bevölkerung West Papuas kritisiert. Er hatte diese als „primitiv“ bezeichnet und behauptet, sie würden Fremde töten.

Ein Sprecher von Elsham, Papuas führender Menschenrechtsorganisation, sagte: „Ich bin überrascht, dass ein erfahrener Journalist wie Herr Buerk so etwas Beleidigendes und absolut Unzutreffendes gesagt haben soll. Die Menschen, die tatsächlich in Papua umgebracht werden, sind gewöhnliche Papuaner, die dem indonesischen Militär und der Polizei zum Opfer fallen. Insgesamt sind bereits mindestens 100.000 Menschen getötet worden und es wäre hilfreich, wenn Journalisten darüber berichten würden, anstatt rassistische Klischees aufzuwärmen.“

In der Radiosendung „Moral Maze“ auf BBC sagte Buerk: „Die einzigen wirklichen primitiven Gesellschaften, die bis ins moderne Zeitalter überlebt haben, sind die Stämme in den abgelegenen Teilen von Papua-Neuguinea. Sobald sie auf einen Fremden stoßen, bringen sie ihn um.“

Erst kurz vor Buerks Ausrutscher wurden schwere Beschuldigungen von Kannibalismus gegen eine Gruppe Indigener am Amazonas laut und machten weltweit Schlagzeilen. Den Kulina in Brasilien und Peru wurde angelastet, einen weißen Siedler getötet und verzehrt zu haben. Experten aus der ganzen Welt wiesen diese Vorwürfe zurück und bezeichneten sie als „falsch“ und „verleumderisch“.

„Herr Buerks Kommentar wird die öffentliche Meinung untermauern, dass die Indigenen West Papuas nicht fähig sind eigene Entscheidungen über ihr Land, die natürlichen Ressourcen und den Wald treffen zu können und dass ihnen keine Menschenrechte, die sonst auf jedes menschliche Wesen zutreffen, bewilligt werden sollten,“ setzt Elsham fort. „Es wird die Idee verstärken, dass die Unterdrückung und Kolonialisierung durch die Indonesier der richtige Weg für uns ist.“

„Es wäre besser für Herrn Buerk und die BBC mit der britischen Regierung zusammenzuarbeiten und Druck auf den indonesischen Staat auszuüben, um West Papua der übrigen Welt zu öffnen und Journalisten Einlass zu gewähren. Auf diesem Wege könnte Herr Buerk West Papua sowie die indigene Bevölkerung besuchen und sich selbst ein Urteil bilden.“

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: „Herr Buerks Irrtum ist simpel, aber alarmierend. Selten kontaktierte Völker haben guten Grund den Kontakt von Außenstehenden zu fürchten, da diese Tod und Zerstörung mit sich bringen. Die meisten Indigenen sind sich heutzutage dessen bewusst, weil sie es aus eigener Erfahrung und von benachbarten indigenen Gruppen gelernt haben. Das erklärt die Feindseligkeit und Angst, welche bei neuen Kontakten typisch sind, und hat nichts mit ‚Primitivität’ zu tun. Weitaus mehr Indigene werden von Außenstehenden getötet als umgekehrt.“  

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Raphael Göpel telefonisch unter +49 30 722 93 108 oder per E-Mail unter info@survival-international.de

 

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