Direktor von Survival: „Nennt indigene Völker nicht ‚primitiv’“ 2 März 2009

"Mann vom Stamm der Asmat, Papua."
"Mann vom Stamm der Asmat, Papua."
© Jeanne Herbert/Survival

Ein Artikel von Survival Internationals Direktor, Stephen Corry, veröffentlicht in einer führenden britischen Tageszeitung, kritisiert die Beschreibung von indigenen Völkern mit Begriffen wie „primitiv“ oder „steinzeitlich“.

Der Artikel wurde in The Independent als Reaktion auf den Fauxpas eines ehemaligen BBC-Nachrichtensprechers veröffentlicht, der indigene Völker in Neuguinea als „primitiv“ bezeichnet hatte. In einer Radiosendung auf BBC sagte Michael Buerk: „Die einzigen wirklich primitiven Gesellschaften, die bis in die Moderne überlebt haben, sind die abgeschieden lebenden Stämme Neuguineas, und jedes Mal, wenn Sie einem Fremden begegnen, töten sie ihn.“

Laut Corrys Artikel machen Regierungen regelmäßig von der irrtümlichen Vorstellung Gebrauch, Indigene seien „primitiv“, um sie von ihrem Land zu vertreiben und dessen Ressourcen zur Ausbeutung freizugeben. Dies geschieht häufig im Namen der „Entwicklung“ und wird durch das Argument gerechtfertigt, angeblich primitive Völker seien „rückständig“ und müssen uns in unserer Entwicklung „einholen“. Dies ist exakt dasselbe irreführende Argument, das einst zur Rechtfertigung des Kolonialismus gebraucht wurde.

Angeführt wurde dieses Argument beispielsweise in Botswana, wo die Regierung Gana und Gwi Buschleute aus ihrer Heimat im Central Kalahari Game Reserve unter dem Vorwand vertrieb, ihnen „Entwicklung“ zu bringen. Nach den Vertreibungen allerdings gewährte die Regierung mehr als hundert Firmen die Genehmigung, auf dem Land der Buschleute nach Diamanten und anderen Gesteinen zu graben. Die Buschleute wurden gezwungen, in Umsiedlungslagern zu leben, wo sie nicht jagen dürfen und unter Alkoholismus und der Ausbreitung von HIV leiden. Vor Gericht erstritten die Buschleute das Recht, auf ihr Land zurückzukehren, der Trinkwasserzugang wird ihnen jedoch weiterhin verwehrt. Festus Mogae, Präsident Botswanas und verantwortlich für die Vertreibungen, stellte die Frage: „Wie können Steinzeitwesen im Computerzeitalter noch existieren? Wenn die Buschleute überleben wollen, müssen sie sich anpassen oder sie werden aussterben wie der Dodo.“

Buerks Bemerkung wurde auch von West Papuas führender Menschenrechtsorganisation kritisiert. Elsham sagte, Buerk „wärme nur rassistische Stereotype auf.“

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Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Raphael Göpel telefonisch unter +49 30 722 93 108 oder per E-Mail unter info@survival-international.de

 

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