Nach den Ausschreitungen: Peruanische Regierung kritisiert NGOs

"Viele Polizisten und indigene Demonstranten starben nahe der Stadt Bagua am 5. Juni."
"Viele Polizisten und indigene Demonstranten starben nahe der Stadt Bagua am 5. Juni."
© Thomas Quirynen

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen vom 5. Juni haben ranghohe peruanische Regierungsmitglieder sowohl peruanische als auch ausländische NGOs scharf kritisiert.

Das Komitee für Auslandsbeziehungen des Kongresses prüft derzeit einen Antrag, in dem gefordert wird, die Finanzierung peruanischer NGOs durch ausländische Leistungsträger einzuschränken. Viele indigene Organisationen erhalten bereits seit Jahrzehnten finanzielle Unterstützung von westlichen Leistungsträgern.

Der ranghohe Kongressabgeordnete Luis Gonzales Posada hat in diesem Zusammenhang sowohl Survival International als auch Amazon Watch scharf kritisiert, da sie seiner Meinung nach „eine Verleumdungskampagne gegen Peru unterstützen“ würden. Er schlug deshalb vor, dass die Regierung beide Organisationen auf 100 Millionen US-Dollar verklagt. Der peruanische Präsident Garcia hat ebenfalls fälschlicherweise behauptet, dass „internationale NGOs“ die Gewalt im Land fördern würden.

Der Direktor von Survival International, Stephen Corry, sagte heute: „Anstatt die Aktionen der NGOs zu kritisieren, sollten die peruanische Regierung und die Kongressabgeordneten anfangen, sich ernste Sorgen um das internationale Ansehen Perus zu machen, das auf Grund der Vorfälle der letzten 11 Tage bereits signifikant geschädigt wurde.“

„Obwohl langsam ans Licht kommt, was beim „Tiananmen des Amazonas“ wirklich passiert ist, ist es dennoch wichtig, dass eine unparteiische und unabhängige Kommission die Vorfälle untersucht. Bisher scheint nur erwiesen zu sein, dass zahlreiche indigene Menschen „verschwunden“ sind – eine Tatsache, die besorgniserregend ist.“

„Obschon die Tötung von Polizisten auf Schärfste verurteilt werden muss, scheint insbesondere das rücksichtslose Verhalten der Polizei für die tragischen Ereignisse mitverantwortlich zu sein. Zusätzlich trägt die Regierung Garcias zu den Ausschreitungen bei, indem sie den Öl-, Gas- und Abholzungsunternehmen uneingeschränkten Zugang zu dem Land der indigenen Bevölkerung gewährt.”

„Für Survival International ist ebenfalls besorgniserregend, dass die seit Jahren fest etablierte und sehr angesehene indigene Vereinigung zur Entwicklung im peruanischen Regenwald (AIDESEP) verunglimpft wird. Ihr Gründer Evaristo Nugkuag gewann sogar den Alternativen Nobelpreis.“

Für mehr Informationen und Bildmaterial kontaktieren Sie bitte Raphael Göpel:
Tel.: (+49) (0) 30 72 29 31 08 oder per E-Mail: info@survival-international.de

Schreiben Sie einen Brief an den peruanischen Präsidenten.