Indigene aus dem Amazonasgebiet auf Zeitreise in Berlin 19 Juni 2009

Die Teilnehmer des Guaporé Projekts in Europa, 2009. Foto: Gleice Mere
Die Teilnehmer des Guaporé Projekts in Europa, 2009. Foto: Gleice Mere
© Gleice Mere

Sieben Angehörige verschiedener indigener Völker aus dem brasilianischen Bundesstaat Rondonia (westliches Amazonasgebiet) waren vom 14. bis 17. Juni zu Gast in Berlin. Der Aufenthalt war Teil des Projektes Guaporé, bei dem die Indigenen in den ethnologischen Museen von Basel, Wien, Berlin und Leiden Dokumente ihrer Vergangenheit untersuchen und vergleichen.

Die Idee für das Projekt fand ihren Ursprung, als die Journalistin Gleice Mere – gemeinsam mit Dr. Andreas Schlothauer Organisatorin des Projekts – den Indigenen ältere Bücher deutscher Ethnologen aus den 1930er Jahren zeigte: überrascht entdeckten die Indigenen darin Bilder ihrer Vorfahren. Neben der Erforschung ihrer eigenen Vergangenheit soll das Projekt auch helfen die kollektive Identität der Indigenen zu stärken, die vielfach gefährdet wird.

Bei einem Treffen mit Survival und der Gesellschaft für bedrohte Völker berichteten die Vertreter der Völker Aruá, Kanoê, Jabutí, Makurap und Tuparí über ihre aktuelle Situation und ihre Geschichte, die von Vertreibung und Diskriminierung geprägt sind. José Augusto Kanoê berichtet, dass sein Volk, einst durch Unterdrückung und Mord in den 1950ern auf 6 Personen reduziert, inzwischen wieder etwa 200 Angehörige zählt.

Die Indigenen leben in zwei verschiedenen Reservaten, Rio Branco und Rio Guaporé, die zwar demarkiert sind und von der brasilianischen Indianerbehörde FUNAI geschützt werden – allerdings dringen illegale Holzfäller, Wilderer und Fischer immer wieder in die Reservate ein. Im angrenzenden Reservat von Rio Branco leben laut der FUNAI auch unkontaktierte indigene Gruppen.

Die größte Gefahr stellen jedoch die neun bereits existierenden Wasserkraftwerke dar. Sie verschmutzen das Wasser und bringen das Ökosystem des Reservats Rio Branco durcheinander.„Wir sind die letzten, die von diesen Staudammprojekten erfahren, aber die ersten, die darunter leiden", berichtet Dalton Tuparí bei seiner Präsentation des Projekts in der brasilianischen Botschaft am Dienstag.

Die Indigenen schreiben immer wieder an die Regierung, um sich gegen die Eindringlinge und Staudammprojekte zu wehren –  bis heute ohne Antwort.

Mit der Reise nach Europa hoffen die Indigenen, dass mehr Menschen auf ihre Situation in Rondonia aufmerksam werden, und dass sie Unterstützer aus Europa erhalten.

Für mehr Informationen kontaktieren Sie bitte Dr. Andreas Schlothauser.

 

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