Sieg für Awá-Nomaden 27 Juli 2009

Karapiru Awá, Posto Tiracambu, Caru, April 2000.
Karapiru Awá, Posto Tiracambu, Caru, April 2000.
© Fiona Watson/Survival

Ein brasilianischer Bundesrichter hat entschieden, dass die Farmer und Siedler, die das Schutzgebiet der Awá illegal besetzen, innerhalb von 180 Tagen das Gebiet verlassen müssen.

Dies bedeutet einen großen Sieg für den winzigen, nomadisch als Jäger und Sammler lebenden Stamm von 300 Angehörigen im nordostbrasilianischen Bundesstaat Maranhão.

Während der vergangenen zwei Jahrzehnte haben die Awá gelitten unter dem schnellen und häufig gewaltsamen Eindringen und der Zerstörung ihrer Regenwald-Heimat durch Viehzüchter und Siedler. Eindringlinge haben auf Awá mit Gewehren geschossen und Krankheiten verbreitet, gegen welche die Indigenen wenig oder gar keine Immunität aufweisen. 

In jüngster Zeit haben Holzfäller eine umfangreiche Straße mitten durch das Herz des Awá-Landes planiert, nur drei Kilometer entfernt von der Gemeinde, in der die zuletzt kontaktierten Awá leben. Diese Gruppe ist besonders empfänglich für gewöhnliche Krankheiten wie Grippe.

Die am 30. Juni verkündete Gerichtsentscheidung legt fest, dass jeder, der das Gebiet nicht innerhalb der genannten Frist verlässt, eine Geldstrafe zu zahlen hat. Die brasilianischen Behörden sind befugt, zuwiderhandelnde Personen aus dem Awá-Gebiet zu entfernen, Gebäude abzureißen und illegal gebaute Straßen zu schließen.

Survival hat sich seit vielen Jahren für die Landrechte der Awá eingesetzt. Eine neue Kampagne in diesem Jahr rief die brasilianische Justiz dazu auf, die Entfernung aller Eindringlinge vom Stammesland anzuordnen. Entscheidend ist nun, dass die Gerichtsentscheidung auch dauerhaft Bestand hat.

Die Awá, auch unter dem Namen Guajá bekannt, sind einer der wenigen nomadischen Stämme in Brasilien. In den 1980er Jahren wurde ihr Land durch das gewaltige „Große Carajás-Projekt“ zwangsweise geöffnet. Brasilien nahm die größte Eisenerzmine der Welt in Betrieb und baute eine Eisenbahnlinie durch das Stammesgebiet der Awá, um das Erz abzutransportieren.

Viele Awá wurden in dieser Zeit kontaktiert und von der FUNAI, der Behörde der brasilianischen Regierung für indigene Angelegenheiten, in Gemeinden angesiedelt. Dutzende starben an Krankheiten oder wurden massakriert von Viehzüchtern und Dieben ihres Landes.

Seit vielen Jahren haben die Awá auf die Auswirkungen von Eindringlingen auf ihr Land und ihre Lebensweise aufmerksam gemacht. Der betagte To´o sagte Survival: „Ich sehe, wie die Karai (die Weißen) alles jagen und alles in Brand setzen. Warum tun sie das bloß? Sie werden diesem Land ein Ende machen, und es ist mein Platz. Dies ist unser Gebiet, und wir sind die Besitzer.“

Heute gibt es rund 60 unkontaktierte Awá, von denen die meisten im Arariboiá-Schutzgebiet leben, das auch Heimat des Stammes der Guajajara ist. Hier sind illegale Holzfäller auf breiter Front eingefallen, und um die Zukunft der isoliert lebenden Awá muss gefürchtet werden.

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