Geplante Mega-Staudämme am Amazonas schüren neue Welle indigener Proteste 27 Oktober 2009

Kayapó tanzen bei einem Anti-Staudamm-Protest im Jahr 2006.
Kayapó tanzen bei einem Anti-Staudamm-Protest im Jahr 2006.
© T Turner

Angehörige der Kayapó werden gegen einen riesigen Wasserkraft-Staudamm protestieren, der auf Brasiliens Rio Xingu, einem der größten Nebenflüsse des Amazonas, gebaut werden soll.

Der einwöchige Protest wird am 28. Oktober beginnen und findet in der Kayapó-Gemeinde Piaraçu statt. Es wird damit gerechnet, dass sich mindestens 200 Indigene versammeln.

Repräsentanten des brasilianischen Ministeriums für Bergbau und Energie sowie des Umweltministeriums wurden an den Ort des Protestes eingeladen, um mit den Indigenen zu sprechen. Die Kayapó und andere indigene Völker lehnen den Staudamm ab, da sie nicht richtig hinzugezogen worden seien und keine Informationen über die wahren Auswirkungen auf ihr Land erhalten hätten.

Der Staudamm wird mehr als 80% der Wassermasse des Rio Xingu umleiten, was sich deutlich auf die Fischbestände und die Wälder auswirken würde, die entlang einer Fluss-Strecke von 100 km Länge liegen, die von Indigenen bewohnt wird. Survival hat bei der brasilianischen Regierung Protest gegen das Projekt eingelegt.

Die Kayapó sind aufgebracht über Edison Lobão, den Minister für Bergbau und Energie. Dieser hatte kürzlich erklärt, „dämonische Kräfte“ würden in Brasilien den Bau großer Wasserkraft-Staudämme verhindern. Der Kayapó-Anführer Megaron Txucarramae sagte hierzu: “Diese Aussage ist sehr abstoßend und beleidigt uns und all jene, welche die Natur verteidigen.“

Bei Belo Monte handelt es sich um eines der größten Infrastruktur-Projekte im Rahmen des Programms der brasilianischen Regierung für beschleunigtes Wachstum. 1989 hatten die Kayapó einen massiven Protest gegen eine Reihe von Staudämmen organisiert, die für den Rio Xingu geplant waren. Dabei gelang es ihnen, auf die Weltbank einzuwirken, so dass diese sich aus der Finanzierung des Projektes zurückzog, das daraufhin aufgeschoben wurde.

Die indigenen Proteste richten sich auch gegen Staudämme, die für andere Nebenflüsse des Amazonas geplant sind. Vor einem Jahr durchsuchten Angehörige der Enawene Nawe eine Damm-Baustelle in dem Versuch, Dutzende von Dämmen aufzuhalten, die für den Rio Juruena geplant sind. Die Indigenen sagen, dass die Staudämme den Fischfang ruinieren werden, von dem sie abhängen.

Im westlichen Amazonas-Gebiet wird der Santo Antônio-Damm, Teil eines Damm-Komplexes, der auf dem Rio Madeira gebaut wird, das Land von mindestens fünf Gruppen unkontaktierter Indigener überfluten. Von einer Gruppe wird dabei angenommen, dass sie lediglich 14 Kilometer von der Haupt-Dammbaustelle entfernt lebt.

Die Kayapó erklären in einem Brief an Brasiliens Staatspräsident Lula ihre Position wie folgt: „Wir wollen nicht, dass dieser Damm die Ökosysteme und die Biodiversität zerstört, für die unsere Völker Tausende von Jahren Sorge getragen haben, und die wir noch erhalten können. Herr Präsident, unser Ruf ergeht für fundierte Studien, die darauf abzielen, über diese großartige ökologische Wiege unserer Vorfahren mit den indigenen Völkern zu beraten. Wir wollen an diesem Prozess teilhaben, ohne als böse Dämonen betrachtet zu werden, welche die Entwicklung des Landes aufhalten.“

Survival-Direktor Stephen Corry sagte heute: „Die wahre Auswirkung der Dämme wurde verborgen gehalten. Wenn die Projekte fortschreiten, werden sie Leben, Land und Lebensgrundlagen vieler indigener Völker zerstören. Keine Entschädigungen, in welcher Höhe auch immer, können jemals einen Schaden dieser Größenordnung wieder gutmachen, der Leben und Unabhängigkeit dieser Menschen ruiniert.

 

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