Landkonflikt gipfelt in der Ermordung von Indianern 1 Februar 2003

„Dies hier ist mein Leben, meine Seele. Wenn Sie mich von diesem Land vertreiben, nehmen Sie mir das Leben." Marcos Veron, Anführer der Guarani-Kaiowá, ermordet im Januar 2003.

Allein in den ersten zwei Wochen des Jahres 2003 wurden in Brasilien drei Indianer ermordet. Diese Todesfälle sind letztlich die Symptome des brasilianischen Landrecht-Skandals: es ist das einzige Land in Südamerika, mit Ausnahme von Surinam, welches indianische Landbesitzrechte nicht anerkennt. Einer der getöteten Indianer, Marcos Veron, war zwei Jahre zuvor nach Europa gereist, um Survival bei der Einführung des Buches Disinherited – Indians in Brazil zu unterstützen. Das Buch befasst sich mit eben dieser Problematik.

Marcos Veron, etwa 70 Jahre alt, war der Anführer der Guarani-Kaiowá Gemeinde in Takuára. Fünfzig Jahre lang hatte sich sein Volk bemüht, wenigstens einen kleinen Teil seines angestammten Landes zurückzubekommen, nachdem es von einem reichen Brasilianer in Besitz genommen und in eine riesige Rinderfarm verwandelt worden war. Der Großteil des Waldes, der die Gegend einst bedeckte, wurde inzwischen abgeholzt. Im April 1997 – verzweifelt nach jahrelangen, erfolglosen Verhandlungsversuchen mit der Regierung – führte Marcos seine Gemeinde zurück auf das Gebiet der Ranch. Sie begannen, ihre Häuser wieder aufzubauen und ihr eigenes Getreide anzubauen. Doch der Viehzüchter, der das Land besetzt hatte, zog vor Gericht, und der Richter verwies die Indianer des Geländes. Im Oktober 2001 zwangen über einhundert bewaffnete Polizisten und Soldaten die Indianer erneut, das Gelände zu verlassen. Sie mussten schließlich unter Plastikplanen am Rande eines Highways leben.

Als er noch in Takuára war, sagte Marcos: „Dies hier ist mein Leben, meine Seele. Wenn Sie mich von diesem Land vertreiben, nehmen Sie mir das Leben." Seine Worte wurden Anfang diesen Jahres auf tragische Weise bestätigt: während eines erneuten, friedlichen Versuchs, auf sein Land zurückzukehren, wurde er von Angestellten des Ranchers brutal zusammengeschlagen. Er starb wenige Stunden später.

Marcos' Tod war der dritte Mord an einem Indianer seit Neujahr. Nur ein paar Tage zuvor wurde Leopoldo Crespo, ein 77jähriger Kaingang Mann, von einer Gruppe junger Männer in Rio Grande do Sul brutal überfallen und getötet. Ein Makuxi Indianer, Aldo da Silva Mota, wurde tot in einem flachen Grab auf einer Ranch in Roraima, im nördlichen Brasilen gefunden. Wie die Guarani kämpfen auch die Makuxi seit Jahren darum, ihr Land zurückzuerobern – gegen den erbitterten Widerstand der Farmer, die das Land heute „besitzen".

Die Hoffnungen der brasilianischen Indianer wurden im letzten Jahr gestärkt, als der brasilianische Kongress die ILO Konvention 169 anerkannte, eines der wichtigsten internationalen Gesetze zum Schutz von Stammesvölkern. Es verpflichtet einen Staat, "die Gebiete zu benennen, die traditionell von den betreffenden Völkern bewohnt wurden, und den Schutz ihrer Eigentums- und Besitzrechte zu garantieren".

Doch die Regierung hat sich nicht dazu geäußert, wie dieses Gesetz umgesetzt werden soll. In der Vergangenhait hat sich der Staat stets geweigert, etwas anderes zu tun, als den Indianern Landflächen bereitzustellen, deren Grenzen jederzeit verringert oder verändert werden können.

Die Makuxi sind sich sehr wohl bewusst, wie schutzlos sie in dem derzeitigen System sind: obwohl ein großer Teil ihres Heimatlandes in Raposa-Serra do Sol für ihre Nutzung „abgegrenzt" wurde, hat ein Minister einen Beschluss unterzeichnet, der das Gebiert der Indianer verkleinern soll. Außerdem fechten die ansässigen Bauern die Abgrenzung an. Aufgrund dieser Einwände wurde die Demarkation noch nicht gesetzlich festgelegt, und die Makuxi leiden noch immer unter den Bauern und Goldschürfern, die unvermindert in ihr Gebiet eindringen und sie überfallen.

Etwa zum Zeitpunkt der drei Todesfälle trat in Brasilien ein neuer Präsident sein Amt an. Nun hoffen die indianischen Völker Brasiliens, und mit ihnen ihre Freunde und Unterstützer auf der ganzen Welt, dass er endlich etwas unternimmt, um diese Jahrhunderte dauernde Ungerechtigkeit zu beenden.

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