Bericht an die UN deckt schockierende Situation der Guarani in Brasilien auf 18 März 2010

"Guarani Indigene, von ihrem Land vertrieben, kampieren am Straßenrand. © CIMI"
"Guarani Indigene, von ihrem Land vertrieben, kampieren am Straßenrand. © CIMI"
© CIMI

Die Situation der indigenen Guarani im Süden Brasiliens zählt zu den schlechtesten unter allen Indigenen Lateinamerikas, so das Fazit des aktuellen Reports von Survival International. Der Bericht wurde den Vereinten Nationen (UN) vorgelegt, zum Anlass des internationalen Tags zur Eliminierung Rassistischer Diskriminierung am 21. März.

Die Selbstmordrate unter den Guarani ist hoch, und Mangelernährung sowie ungerechtfertigte Inhaftierungen und Alkoholmissbrauch kommen häufig vor. Außerdem werden Guarani regelmäßig Opfer gezielter Übergriffe und Erschießungen durch bewaffnete Wächter. Diese werden von Viehzüchtern angeheuert, die sich meist widerrechtlich auf dem angestammten Land der Indigenen niedergelassen haben.

In dem Report prangert Survival an, dass die Landrechte der Indigenen nicht anerkannt werden und sieht darin die Grundursache für ihre brisante Lebenssituation.

Der Bericht warnt davor, dass die Indigenen im Zuge des erhöhten Bedarfs an Ethanol als Alternativtreibstoff weitere Gebiete ihres angestammten Landes an Farmer verlieren werden. Diese Entwicklung verschlechtert die Lebenslage der Guarani zunehmend.

Viele Guarani sind bitterarm, obwohl sie in einem der wohlhabendsten Staaten Brasiliens und einer der aufstrebenden Wirtschaftsmächte der Welt beheimatet sind. Ganze Guarani-Gemeinschaften kampieren unter Zeltplanen am Rande belebter Landstraßen, andere leben in übervölkerten „Reservaten“, in denen sie von Almosen der Regierung abhängig sind.

Eine Guarani-Gemeinschaft, die am Rande einer Straße wohnt, hat miterlebt, wie drei ihrer Anführer erschossen wurden; die Schützen waren von Farmern angeworben worden. Die Guarani sagten: „Wir werden zunehmend ungeduldig darauf zu warten, dass die maßlose Verzögerung der Abgrenzung unseres angestammten Landes endlich ein Ende hat. Wir sterben langsam und sind einem Genozid ausgesetzt.“

Survivals Direktor, Stephen Corry, sagte heute: „Dieser Bericht enthüllt die erschreckende Lage der Guarani. Die Regierung Brasiliens ist moralisch und legal dazu verpflichtet, den Menschenrechtsverletzungen und rassistischen Diskriminierungen ein Ende zu setzen und die Guarani davor zu schützen. Wenn nicht schnellstens und wirksam etwas unternommen wird, werden noch viele weitere Guarani leiden und sterben.“

Fakten:

1. Gewalt: Die Guarani sind gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt und viele Anführer der Guarani sind tödlichen Attentaten zum Opfer gefallen. Im Jahr 2008 wurden in Mato Grosso do Sul bei internen und externen Konflikten insgesamt 42 Guarani getötet.

2. Selbstmorde: Die Selbstmordrate der Guarani ist eine der höchsten der Welt. Seit 1981 haben sich mehr als 625 Guarani das Leben genommen (fast 1,5% der Guarani-Gesamtbevölkerung). Im Jahr 2005 war ihre Suizidrate 19 mal höher als der nationale Durchschnitt. Auch Guarani-Kinder, sogar im Alter von neun Jahren, haben Selbstmord begangen.

3. Mangelernährung und schlechter Gesundheitszustand: Viele Guarani leiden unter Mangelernährung und die Kindersterblichkeitsrate ist im Vergleich zum nationalen Durchschnitt mehr als doppelt so. Verglichen mit dem Rest der Bevölkerung ist die Lebenserwartung der Guarani um 20 Jahre geringer.

4. Ungerechte Inhaftierungen: Guarani werden oft zu Unrecht inhaftiert, wobei sie keinen oder nur unzureichenden Rechtsbeistand oder Dolmetscher zur Unterstützung erhalten. Außerdem leisten sie „unverhältnismäßig harte Strafmaße für geringfügige Straftaten ab."

5. Ausbeutung und körperliche Arbeit: Viele Guarani sind gezwungen, Zuckerrohr auf den Feldern zu schneiden, die auf ihrem angestammten Land angelegt wurden, um Ethanol zu produzieren. Sie verdienen erbärmlich wenig und arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen.

Lesen Sie den Bericht auf Englisch oder Portugiesisch.

 

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