Entrüstung über Auszeichnung für Botswanas Tourismusbehörde

27 Mai 2010

Botswanas Tourismusbehörde erhielt gestern den „Destination Stewardship“ Preis, trotz Botswanas Umgang mit den Buschleuten. © Survival International

Diese Seite wurde 2010 erstellt und enthält möglicherweise Formulierungen, die wir heute nicht mehr verwenden würden.

Der internationale Tourismusrat World Travel and Tourism Council (WTTC) hat die Auszeichnung „Tourism for Tomorrow“ an Botswanas Tourismusbehörde vergeben und damit Empörung ausgelöst. Survival International hatte im Vorfeld die Regierung für ihren Umgang mit den indigenen Buschleuten in der Kalahari-Wüste verurteilt.

Das Botswana Tourism Board ist eine Regierungsbehörde. Sie gewann den „Destination Stewardship“ Preis, mit dem „Einsatz und Erfolg in der Unterstützung eines Programms für nachhaltigen Tourismus“ ausgezeichnet wird.

Seit einigen Jahren verweigert die Regierung Botswanas den indigenen Gana und Gwi Buschleuten im Central Kalahari Game Reserve den Zugang zu Trinkwasser. Gleichzeitig hat sie neue Wasserlöcher für Wildtiere bauen lassen und ein Touristencamp in dem Reservat genehmigt. Die Unterkunft wird betrieben von dem Tourismus-Unternehmen Wilderness Safaris und bietet Urlaubern eine Bar und einen Swimmingpool. Wilderness Safaris war von dem WTTC für den „Global Business“ Preis vorgeschlagen worden, erhielt aber keine Auszeichnung. Survival hatte dazu aufgerufen, die Nominierung des Unternehmens zurück zu ziehen.

Die Buschleute haben vor Gericht Klage gegen die Regierung eingereicht, um Zugang zu ihrem Wasserloch zu erstreiten. Die Anhörung ist für den 9. Juni 2010 angesetzt. Unterdessen wirbt Botswana im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft mit seinen Wildreservaten als Touristenattraktion.

Bereits 2006 entschied Botswanas Oberster Gerichtshof, dass die Buschleute ein Recht darauf haben, auf ihrem angestammten Land in dem Central Kalahari Game Reserve zu leben. Die botswanische Regierung verweigert den Buschleuten jedoch den Zugang zu einem Wasserbohrloch, von welchem deren Überleben in der Kalahari abhängt. Der aktuelle Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums hat kürzlich die botswanische Regierung kritisiert, für „ihre anhaltend einseitige Interpretation“ des Gerichtsurteils.

Der hochrangige UN Sonderbeauftragte für Indigene Völker, Professor James Anaya, hat die Regierung ebenfalls für ihren Umgang mit den Buschleuten verurteilt, weil sie den „sachbezogenen internationalen Menschenrechtsstandards nicht gerecht wird". In seinem Bericht stellt Anaya fest, dass die Buschleute in dem Reservat „harten und gefährlichen Bedingungen ausgesetzt sind, da ihnen der Zugang zu Wasser fehlt". Anaya rief die Regierung dazu auf, das Wasserloch wieder instand zu setzen und „dieser Sache dringende Priorität einzuräumen“.

Der Direktor von Survival, Stephen Corry, sagte gestern: „Die botswanische Tourismusbehörde verstößt gegen die UN Normen, die für indigene Völker gelten. Wenn man damit einen Preis für „nachhaltigen Tourismus“ gewinnen kann, unterstreicht dies nur den zunehmenden Konflikt zwischen Indigenen und der Art und Weise, wie ihr Land benutzt wird, damit reiche Touristen und Unternehmen einen Vorteil haben. Urlauber sollten sich ganz genau überlegen, ob sie wirklich für so etwas zahlen wollen, bevor sie nach Botswana fahren.“

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