Diamanten bringen den Buschmänner Verzweiflung

"Warum muß ich weggehen? Sie werden mich für mein Land umbringen… Wir werden unterdrückt, bis wir sterben, und bald wird niemand übrig sein." – Mogetse Kaboikanyo, der im Juni 2002 nach der Vertreibung starb

Die letzten unabhängigen "Buschmänner" der Kalahari-Wüste wurden gewaltsam von ihrem Land vertrieben und in Umsiedlungslagern untergebracht. Wenn sie nicht bald zurückkehren dürfen, wird die Jahrtausende alte Kultur der Buschmänner zu Grunde gehen. Hinter den Aktionen der Regierung verbergen sich ein tief verwurzelter Rassismus – und die Aussicht auf Reichtum durch die Diamanten, welche im Boden der Heimat der Buschmänner lagern.

Die Gana und Gwi Buschmänner, sowie ihre Nachbarn, die Bakgalagadi, sind die Ureinwohner der Zentralen Kalahari. Doch während der letzten 200 Jahre drangen zunehmend sowohl Bantu-Stämme, die jetzt die Mehrheit Botswanas stellen, als auch weiße Kolonisten in ihr Land ein.

In einem Versuch, das Land der Buschmänner zu schützen, wurde es 1961 zum "Zentral Kalahari Wildreservat" erklärt; dieser Name wurde gewählt, weil man es für zu kontrovers hielt, es das "Buschmänner-Land" zu nennen.

1966 erlangte Botswana die Unabhängigkeit, und kurz darauf wurden riesige Diamantenvorkommen außerhalb des Reservats entdeckt. Botswana ist heute ein reiches Land und der weltgrößte Exporteur von Diamanten. In den achtziger Jahren begann die intensive Ausbeutung der Diamantenlager innerhalb des Buschmänner-Reservats.

1986 erklärte die Regierung, es wäre ihre offzielle Politik, die Buschmänner aus ihrer Heimat in die Umsiedlungslager New Xade und Kaudwane außerhalb des Reservats umzusiedeln.

Bald darauf wurde den Gana und Gwi, und ihren Nachbarn, den Bakgalagadi, das Leben schwer gemacht. Nachdem sie Jahrtausende lang vom Jagen und Sammeln gelebt hatten, wurde ihnen nun gesagt, es wäre illegal, ohne Lizenz zu jagen, die sie genauso zu beantragen hätten wie die Tourveranstalter, die Jagdausflüge für reiche Touristen organisieren. Die Verfolgung nahm zu, und es gab mehrere, gut dokumentierte Fälle von Folter durch Staatsbedienstete.

Familien wurden ständigem Druck ausgesetzt, sich in den Umsiedlungslagern niederzulassen: Bei einer typischen Versammlung erzählte der Minister der örtlichen Regierung den Buschmännern: "Ich bin hierher gekommen, um euch nichts anderes zu sagen, als dass ihr umziehen werdet, denn dieser Platz ist nur für Wildtiere bestimmt."

In der Zwischenzeit wurden mindestens zwei umfangreiche Diamantenlagerstätten innerhalb des Reservats entdeckt – in der Nähe der Buschmann-Dörfer Gope und Gugama. Ein 1997 bei Testschürfungen bei Gope entdecktes Depot wurde von einem Informanten aus der Branche als "das beste neue Ziel in der Kalahari" beschrieben.

Gegen Ende des Jahres vertrieben die Beamten gewaltsam mehr als 1000 Buschmänner, indem sie die Menschen und deren zerlegte Häuser auf LKWs verluden. Die gesamte Siedlung Xade, welche mit einem Bohrloch, einer Klinik und einer Grundschule ausgestattet war, wurde zerstört. Viele trafen in den Lagern ein, nur um festzustellen, daß ihr Leben jetzt eine Mischung aus Abhängigkeit, Langeweile und Verzweiflung war. Alkoholismus und Gewalt breiteten sich aus. Viele Buschmänner versuchten, in ihr Reservat zurück zu gehen, und einigen gelang es.

Anfang 2002 harrten noch knapp 1000 Buschmänner auf ihrem Land aus. In einer von einem Armeegeneral im Ruhestand überwachten Operation drangen im Februar LKWs in das Gebiet ein, die Wasserpumpe der Buschmänner wurde zerstört und ihre Wassertanks wurden entleert.  (Da umliegende Rinderfarmen das meiste des bisher vorhandenen Wassers verbrauchen und den Wasserspiegel absinken ließen, sind die Buschmänner, deren Gebiet eine Wüste ist, jetzt auf Wasserpumpen angewiesen.) Fast alle Buschmänner wurden auf Lkws abtransportiert; einigen wurde gedroht, ihre Häuser würden abgebrannt, sollten sie Widerstand leisten.

Survival glaubt, daß die Diamantenlager des Reservats der Hauptgrund für die Vertreibungen sind. Nach internationalem Recht sind die Buschmänner die rechtmäßigen Besitzer ihres Landes: Es ist wahrscheinlich, daß dies – in den Augen der Regierung – die Ausbeutung der Lagerstätten gefährdet.

De Beers, die einflussreiche Diamantenfirma, welche in Partnerschaft mit der Regierung zu gleichen Teilen die neun größten Minen des Landes betreibt, behauptet, keine Pläne zu haben, Gope in der "absehbaren Zukunft" auszubeuten; aber gegenwärtig hat sie eine Überkapazität an Lagerstätten, und es ist momentan nicht in ihrem Interesse, eine weitere Lagerstätte auszubeuten.

Gegenwärtig behauptet De Beers, die Vorkommen wären "unter-wirtschaftlich"; aber 1997 hatte sie zugegeben, daß sie "ziemlich groß" seien. De Beers hat seine Konzession nicht aufgegeben.

Sie können den Buschmännern helfen. Klicken Sie hier, um einen Protestbrief an die botsuanische Regierung zu schreiben.

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