West-Papua: Schauplatz von „Dschungelkind“ und Gewalt 2 März 2011

"Männer vom Volk der Yali, Papua. "
"Männer vom Volk der Yali, Papua. "
© William Milliken/Survival

Anlässlich der Veröffentlichung des Kinofilms „Dschungelkind“, der Verfilmung von Sabine Kueglers Autobiographie, macht Survival International auf die kritische Situation der indigenen Bevölkerung in West-Papua aufmerksam. Ihr Überleben wird durch gewaltsame Übergriffe des indonesischen Militärs und die Ausbeutung von Rohstoffen auf ihrem Land bedroht.

Sabine Kuegler sagte gegenüber Survival: “Es ist höchste Zeit, dass die aktuelle Situation indigener Völker in West-Papua an die Öffentlichkeit gebracht wird. Meine Welt, wie sie in „Dschungelkind“ zu sehen ist, ist bedroht. Wenn wir jetzt nicht Handeln, dann wird es diese – und unsere – Welt bald nicht mehr geben. Auch wir sind dafür verantwortlich.”

Papua, die westliche Hälfte der Insel Neuguinea, ist die Heimat von circa 300 indigenen Völkern, einige von ihnen leben ohne Kontakt zur Außenwelt. Seit 1963 leidet die indigene Bevölkerung der Region unter der Besetzung durch Indonesien. Bis heute sind mehr als 100.000 Bewohner Papuas durch gewaltsame Übergriffe zu Tode gekommen.

„Außenstehende betrachten uns nicht als Menschen. Sie sehen uns als Kreaturen die sich erst noch zu menschlichen Wesen entwickeln. Das führt dazu, dass diese Menschen, vor allem Unternehmen und die indonesische Regierung, uns wie Tiere behandeln. Mit harten und grausamen Maßnahmen,“ sagte ein Mitglied der indigenen Amungme.

Erst im Oktober 2010 war ein schockierendes Video an die Öffentlichkeit gekommen, das die Folter zweier Dorfbewohner aus Papua durch das indonesische Militär zeigt. Die Regierung hat zugegeben, dass es sich um ihre Soldaten handelt, in einem Verfahren wurden jedoch nur Haftstrafen zwischen acht und zehn Monaten verhängt.

Auch wirtschaftliche Interessen bedrohen das Leben der Völker von West-Papua. Derzeit plant die Regierung das Land und die Regenwälder der indigenen Völker weiter für den Anbau von Palmöl zu erschließen. Palmöl ist zum Beispiel in vielen Reinigungs- und Kosmetikprodukten enthalten. Besonders für indigene Gruppen, die keinen Kontakt zur Außenwelt haben, ist die Zerstörung ihrer Heimat lebensbedrohlich.

Survival kritisiert den Gebrauch von Bezeichnungen wie „Steinzeit“ in der Verfilmung von „Dschungelkind“, welche genutzt werden um die Lebensweise der indigenen Bevölkerung zu beschreiben. Sie tragen dazu bei, die international anerkannten Rechte indigener Völker zu negieren und die Verfolgung und zwanghafte „Entwicklung“ Indigener zu rechtfertigen.

„Deutschland zählt zu den wichtigsten und spendabelsten Partnern Indonesien. Es wird Zeit, dass die erschreckende Situation in West-Papua in den Beziehungen der beiden Ländern mehr wird als eine Fußnote,“ sagte Linda Poppe, Koordinatorin von Survival Deutschland.

 

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