Tote in West-Papua: Polizei stürmt Unabhängigkeitskongress 22 Oktober 2011

Ein Jahr nachdem ein schockierendes Foltervideo veröffentlicht wurde, bricht Gewalt in West Papua aus.
Ein Jahr nachdem ein schockierendes Foltervideo veröffentlicht wurde, bricht Gewalt in West Papua aus.
© Survival

Laut Berichten sind mindestens sieben Menschen getötet worden, nachdem die indonesische Polizei auf Hunderte Indigene aus West-Papua schoss. Der Vorfall fand während einer Unabhängigkeitsversammlung nahe der Provinzhauptstadt statt.

Vertreter indigener Gemeinschaften aus ganz West-Papua trafen beim “Dritten Volkskongress von Papua” in der Stadt Abepura zusammen, um eine neue Führung zu wählen und die politische Zukunft der Region zu diskutieren. West-Papua wird seit 1963 von Indonesien regiert.

Die Polizei hat bestätigt, dass fünf Indigene tot aufgefunden wurden, zwei hinter Armee-Baracken und drei in den Bergen. Survival International hat zudem aus verlässlichen Quellen erfahren, dass mindestens zwei weitere Menschen getötet wurden, ihre Leichen wurden jedoch noch nicht gefunden.

Die zunehmenden Spannungen eskalierten letzten Mittwoch während des Dritten Volkskongresses. Der Tagungsort wurde von Polizei und Armee umstellt, und nachdem die Unabhängigkeit West-Papuas von Indonesien deklariert wurde, stürmten die Sicherheitskräfte die Versammlung. Sie feuerten Tränengas und Schüsse, um die Menge auseinanderzutreiben.

Survival hat aus Quellen in West-Papua erfahren, dass rund 300 Teilnehmer verhaftet, und viele brutal geschlagen wurden. Unter den Opfern befinden sich auch Frauen und Kinder.

Die meisten Inhaftierten sind mittlerweile freigelassen worden, bis auf die neu gewählten Anführer, die weiterhin festgehalten werden. Fünf davon wurden wegen “Verrat” angeklagt – eine Strafe, die für die Bewohner West-Papuas bis zu 20 Jahre Gefängnis bedeuten kann.

Pastor Benny Giay ist bereits Ziel der US-gestützten indonesischen Eliteeinheit geworden und hat aufgrund seiner Tätigkeit, die Menschenrechtsverletzungen in West-Papua aufzudecken, mehrere Todesdrohungen erhalten.

Er sagte gegenüber Survival: „Wir wollen, dass die indonesische Regierung aufhört, mit Terror vorzugehen. Wir brauchen unsere Rechte. Die Indigenen West-Papuas fordern einen Dialog um den Konflikt zu schlichten, durch Dritte vermittelt. Die Indonesier bringen uns um – es ist Zeit für einen Dialog."

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Diese Gewalt passiert genau ein Jahr nachdem ein schockierendes Video von der brutalen Folter von zwei Indigenen West-Papuas durch das Militär im Internet veröffentlicht wurde. Der internationale Aufschrei und die Entrüstung, die durch das Video entstanden, haben offensichtlich nichts bewirkt. Die indonesische Regierung hat absolut nichts über den Respekt der Rechte der Indigenen von West-Papua gelernt. Im Hinblick auf die grausame Misshandlung der Gefangenen durch Militär und Polizei in den vergangen Jahren, sind wir extrem besorgt um die Sicherheit der inhaftierten Indigenen.“

 

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