Brasilien: Leiterin von Indigenen-Behörde tritt nach Mord an Indigenem zurück 11 Juni 2013

Indigene protestieren in Brasília gegen die Unterwanderung ihrer Rechte.
Indigene protestieren in Brasília gegen die Unterwanderung ihrer Rechte.
© Antônio Cruz/ABr

Die Leiterin von Brasiliens Behörde für indigene Angelegenheiten (FUNAI) hat am 7. Juni ihr Amt niedergelegt. Als Grund hab sie gesundheitliche Beschwerden an.

Dr. Marta Azevedo hatte ihr Amt erst vor gut einem Jahr angetreten und die Lage der Awá und Guarani zur Top-Priorität erklärt.

Viele glauben, dass ihr Rücktritt durch die Ermordung eines Terena-Indianers durch Polizeikräfte und die Bemühungen der Regierung, die Rechte indigener Völker und FUNAIs Einfluss zu schwächen, ausgelöst wurde. Diese Entwicklungen haben unter indigenen Völkern in Brasilien und bei ihren Unterstützern für Entsetzen gesorgt.

Proteste sind im Moment in ganz Brasilien zu beobachten, wo Indigene versuchen, ihre harterkämpften Rechte in der Verfassung gegen die Regierung zu verteidigen, die scheinbar um jeden Preis Industrialisierung und “Entwicklung” vorantreiben will.

Die Marubo-Indianer aus dem Westen Brasiliens erklärten kürzlich: “Wir wollen, dass Präsidentin Dilma Rousseff dieses Land zu einer echten ‘Demokratie’ macht und die Erfolge indigener Völker im Schutz ihrer Gebiete berücksichtigt. Nach 513 Jahren voller Massaker und Völkermord … wollen wir endlich auf ein Bild von Brasilien blicken und eine bessere Zukunft sehen.”

Dilma Rousseff ist die einzige Präsidentin seit dem Ende der Militärherrschaft 1985, die bisher noch keine Vertreter indigener Völker empfangen hat.

Vergangen Woche reisten 150 Indigene in die Hauptstadt Brasília, um mit der Regierung Gespräche zu führen. Es ging dabei vor allem um den Mangel an Konsultation bei der Planung kontroverser Staudämme entlang einiger der Hauptarme des Amazonas.

Nach dem Treffen schrieben die Munduruku an die Regierung und erklärten: “Nun ist unser Land zu einem Schlachtfeld geworden, auf dem wir von den Kräften der Regierung ausgerottet und ermordet werden.”

Zur gleichen Zeit blockierten Guarani- und Kaingang-Indianer Straßen, um gegen die Verschleppung der Anerkennung ihrer angestammten Gebiete zu protestieren.

COIAB, eine Organisation die die Aktivitäten indigener Völker im brasilianischen Amazonasgebiet koordiniert, erklärte: “Die derzeitige Regierung versucht uns ihren kolonialen und bestimmenden Stil aufzudrängen … [sie] hat indigenen Völkern mit Hilfe von Gesetzen und Verordnungen umumkehrbare Schäden zugefügt, viele davon verfassungswidrig.”

Eines der Gesetzesvorhaben würde die Ausweitung indigener Territorien verbieten und somit vor allem indigene Völker betreffen, die im stark von Landwirtschaft geprägten mittleren Westen und Süden leben. Dort sind gewaltsame Landkonflikte am stärksten und der einflussreichen Agrarlobby gehören auch Politiker an, die Farmen auf Land besitzen, dass als indigenes Gebiet an die indigene Bevölkerung zurückübertragen werden soll.

Insbesondere für die Guarani im Bundesstaat Mato Grosso do Sul wäre diese Änderung fatal. Sie leben in überfüllten Reservaten oder am Straßenrand. Ihre Anführer werden systematisch angegriffen und von privaten Sicherheitskräften der Farmer ermordet, wenn sie versuchen ihr angestammtes Land wiederzuerlangen.

Eine vorliegende Verfassungsänderung würde dem Kongress – der von der Agrar- und Bergbaulobby dominiert wird – eine Rolle bei der Demarkierung indigener Gebiete zusprechen und somit die Anerkennung und den Schutz dieser Gebiete weiter verschleppen.

Politiker aus rohstoffreichen Bundesstaaten in der Amazonasregion unterstützen zudem ein Bergbaugesetz, welches, sollte es vom Kongress verabschiedet werden, indigene Gebiete erstmals für großflächigen Bergbau zugänglich machen würde. Allein für das Gebiet der Yanomami liegen derzeit 654 Bergbauanträge vor.

Dutzende Antrophologen in Brasilien haben ein Manifest unterzeichnet, in dem sie erklären, dass “Fortschritt” und “Entwicklung” keinen Sinn haben, wenn sie nicht die Verfassung respektieren.

Vertreter mehrerer NGOs haben zudem kürzlich im Lichte der Wiederentdeckung des Figueiredo-Berichtes, der schockierende Gräueltaten an der indigenen Bevölkerung zwischen den 1940er und 1960er Jahren dokumentiert, an Präsidentin Rousseff geschrieben und ihre Sorge um die Aushöhlung der Rechte indigener Völker bekräftigt.

 

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