Hopi: Rückgabe heiligen Objekts nach ‘beschämender’ Auktion 15 Juli 2013

Anwalt Pierre Servan-Schreiber und Jean-Patrick Razon von Survival International übergaben die Katsina an den Vorsitzenden des Hopi-Rates und religiöse Anführer. (Fotos waren nicht erlaubt.)
Anwalt Pierre Servan-Schreiber und Jean-Patrick Razon von Survival International übergaben die Katsina an den Vorsitzenden des Hopi-Rates und religiöse Anführer. (Fotos waren nicht erlaubt.)
© Survival

Bei einer historischen Übergabe-Zeremonie erhielten die Hopi in Arizona (USA) am vergangenen Wochenende eines ihrer heiligen Objekte zurück. Die Katsina („Freund“) war zusammen mit Dutzenden weiteren Katsinam im April 2013 gegen den Willen der Hopi bei einer Auktion in Paris verkauft worden. Auch rechtliche Schritte hatten den Verkauf nicht stoppen können.

Vertreter den Menschenrechtsorganisation Survival International und der Anwalt Pierre Servan-Schreiber übergaben die Katsina an die Hopi.

Die Katsinam sind für die Hopi von kultureller und religiöser Bedeutung. Sie hatten ihre Versteigerung vehement abgelehnt und das Pariser Auktionshaus Néret-Minet Tessier & Sarrou gebeten, den Verkauf abzusagen, da die Objekte für sie heilig sind.

Nachdem das Auktionshaus die Forderung der Hopi ignoriert hatte, reichte der Anwalt Pierre Servan-Schreiber von der Kanzlei Skadden Arps (Paris) im Namen von Survival International und den Hopi einen Antrag auf einen einstweiligen Stopp der Versteigerung ein, bis die Rechtmäßigkeit der Sammlung etabliert werden kann.

Doch ein Pariser Gericht lehnte einen Stopp der Auktion ab und der Verkauf Dutzender heiliger Objekte fand am 12. April 2013 statt. Der Vorsitzende des Hopi-Rates LeRoy N. Shingoitewa nannte es eine „beschämende Geschichte“.

Shingoitewa fügte hinzu: „Dieses Urteil betrübt und entmutigt uns sehr … Es ist traurig zu glauben, dass die Franzosen zulassen, dass die Hopi den gleichen kulturellen und religiösen Diebstahl, die Verunglimpfungen und Ausbeutungen erfahren müssen, die sie selbst in den 1940er Jahren erlebten. Würde es einen Aufschrei geben, wenn Holocaust-Artefakte, päpstliche Erbstücke oder Koran-Manuskripte verkauft werden würden … an den Meistbietenden? Ich denke schon.“

Nach der Rückgabe der Katsina, tauschten die Hopi und die Delegation Geschenke aus.
Nach der Rückgabe der Katsina, tauschten die Hopi und die Delegation Geschenke aus.

© Survival

Der Anwalt Servan-Schreiber ersteigerte bei der Auktion eine Katsina, um sie an die Hopi zurückzugeben: „Es ist meine Art den Hopi zu sagen, dass wir nur eine Schlacht, aber nicht den Krieg verloren haben. Ich bin überzeugt, dass in der Zukunft jene triumphieren werden, die glauben, dass nicht alles zum Verkauf steht. In der Zwischenzeit werden die Hopi nicht alles verloren haben, denn zwei* der heiligen Objekte konnten vor dem Verkauf gerettet werden.“

Hollywood-Star Robert Redford hatte ebenfalls einen Stopp der Auktion gefordert: „Diese Gegenstände zu versteigern wäre meiner Ansicht nach ein Sakrileg – eine kriminelle Handlung, die schwerwiegende moralische Auswirkungen hat.“

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte: „Der Verkauf der Hopi-Katsinam wäre in den USA undenkbar gewesen – dort erkennt das Recht die Bedeutung derartiger zeremonialer Objekte an. Es ist eine Schande, dass das französische Recht hier hinterherhinkt. Wir sind sehr froh, dass zumindest zwei der Katsinam gesichert werden konnten und nun ihren rechtmäßigen Besitzern übergeben werden.“

*Eine zweite Katsina wurde von der Familie des verstorbenen französischen Sängers Joe Dassin erworben, die später in diesem Jahr übergeben werden soll.

Hinweis an die Redaktion

- Survival International wurde bei der Übergabe von Jean-Patrick Razon (Survival Frankreich) und von Leila Batmanghelidj und Kayla Wieche (Survival USA) vertreten.

- Jede öffentliche Ausstellung der Katsinam, auch auf Fotos, gilt als beleidigend und respektlos gegenüber den Hopi. Von der Zeremonie und der Katsina selbst waren daher keine Fotos erlaubt.

 

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