Tag der seelischen Gesundheit: Selbstmorde zermürben Guarani 9 Oktober 2013

"Ein Guarani-Mädchen vor den Hütten ihrer Gemeinde am Rand einer Straße. Endlose Felder haben die reichhaltigen Wälder ihres Volkes ersetzt. Kinder im Alter von gerade neun Jahren begingen bereits Selbstmord."
"Ein Guarani-Mädchen vor den Hütten ihrer Gemeinde am Rand einer Straße. Endlose Felder haben die reichhaltigen Wälder ihres Volkes ersetzt. Kinder im Alter von gerade neun Jahren begingen bereits Selbstmord."

© Paul Patrick Borhaug/Survival

Hinweis: Enthält verstörende Fotos.

Kurz vor dem UN-Tag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober, veröffentlicht Survival International schockierende neue Selbstmordstatistiken der Guarani in Brasilien. Die Selbstmordrate der Guarani liegt 34-Mal über dem nationalen Durchschnitt. Als Gründe gelten der Verlust ihres angestammten Landes und ständige Angst vor Angriffen durch bewaffnete Sicherheitskräfte.

Nach den Zahlen hat seit Beginn des Jahrhunderts durchschnittlich jede Woche mindestens ein Guarani Selbstmord begangen. Nach Angaben des brasilianischen Gesundheitsministeriums haben im Jahr 2012 56 Guarani Selbstmord begangen, wobei die Dunkelziffer wohl weitaus höher liegt. Die Mehrzahl der Opfer sind zwischen 15 und 29 Jahre alt. Das jüngste bekannte Opfer war erst neun Jahre alt.

Der Guarani Rosalino Ortiz sagte: “Die Guarani begehen Selbstmord, weil wir kein Land haben. Wir haben keinen Platz mehr. In den guten alten Zeiten waren wir frei. Wir sind es nun nicht mehr. Also glauben unsere jungen Menschen, dass ihnen nichts übrig bleibt. Sie setzen sich hin und denken, verlieren sich und begehen Selbstmord.”

Die Guarani haben den Großteil ihres angestammten Landes – zu dem sie eine starke spirituelle Bindung haben – an Viehzüchter und Zuckerbauern verloren. Die Indianer sind daher gezwungen unter gefährlichen und notdürftigen Bedingungen am Straßenrand zu kampieren oder in überfüllten Reservaten zu leben. Sie leiden unter Mangelernährung, Krankheiten und Alkoholismus.

"Die Mehrheit der Opfer sind zwischen 15 und 29 Jahre alt."
"Die Mehrheit der Opfer sind zwischen 15 und 29 Jahre alt."

© João Ripper/Survival

Guarani-Gemeinden, die versuchen auf ihr angestammtes Land zurückzukehren, droht Gewalt durch Sicherheitskräfte, die von Viehzüchtern angeheuert werden, um die Guarani anzugreifen oder zu töten.

Die Demarkierung des Guarani-Landes hätte schon vor Jahren abgeschlossen sein sollen. Doch der Prozess der Landanerkennung ist zum Erliegen gekommen und brasilianische Politiker debattieren Verfassungsänderungen, die dem Kongress, der von der anti-indigenen Agrarlobby beeinflusst wird, Mitsprache im Demarkierungsprozess gewähren würde. Dies wäre katastrophal für die Guarani und ihre Landrechte.

Survival International fordert von der brasilianischen Regierung unverzüglich die Demarkierung des Landes der Guarani und fordert Unternehmen wie den US-Lebensmittelkonzern Bunge dazu auf, kein Zuckerrohr mehr vom angestammten Land der Guarani zu beziehen.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: "Dies ist eine erschütternde und allzu deutliche Erinnerung an die Verwüstung, die Landraub unter indigenen Völkern verursacht. Leider sind die Guarani kein Einzelfall – indigene Völker weltweit haben oft viel höhere Selbstmordraten als die Mehrheit der restlichen Bevölkerung. Was manche “Fortschritt” nennen, zerstört indigene Völker. Doch in diesem Fall ist die Lösung ganz offensichtlich: Das Land der Guarani muss demarkiert werden, bevor noch weitere unschuldige Leben verloren gehen."

Hinweis an die Redaktion

- Sehen Sie hier Survivals Bilderstrecke zum mutigen Versuch einer Guarani-Gemeinde, ihr angestammtes Land wieder zu besetzen.

- Lesen Sie Survivals Bericht zur Lage der Guarani von 2010 (PDF, 2,35 MB, in Englisch).

 

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