Kenia: Sengwer-Volk droht Vertreibung im Namen des Naturschutzes

"Die Regierung teilt Sengwer, Marakwet und weiteren Einwohnern des Embobut-Waldes mit, dass sie umsiedeln müssen. (März 2013)"
"Die Regierung teilt Sengwer, Marakwet und weiteren Einwohnern des Embobut-Waldes mit, dass sie umsiedeln müssen. (März 2013)"

© Justin Kenrick/Survival

Nachdem am Montag die in einer Ankündigung der Regierung angegebenen Frist abgelaufen ist, droht jetzt einigen der letzten Jäger und Sammlern Kenias die Vertreibung aus ihrem angestammten Wald – im Namen des Naturschutzes.

Seit Hunderten von Jahren schützt das Sengwer-Volk den Embobut-Wald in Westkenia. Die Sengwer möchten auf ihren Gebieten bleiben und weiterhin den Wald hüten, wo ihre Ahnen beerdigt sind. Die kenianische Regierung behauptet aber, dass sie die Vielfalt des Waldes bewahrt, indem sie genau das Volk umsiedelt, das ihn bisher geschützt hat.

Forstbeamte und Polizisten wurden in der Nähe positioniert und werden vermutlich am Donnerstag in den Wald vordringen. Mehrere Sengwer-Familien sind bereits aus ihren Häusern geflohen.

Rund 13.500 Sengwer leben im Embobut-Wald. Ebenfalls unter dem Namen Cherangani bekannt, leben die Sengwer in den Cherangani-Bergen in Nordkenia, entlang des Großen Afrikanischen Grabenbuchs, als Jäger und Sammler und Bienenzüchter. Sie treiben auch Ackerbau und halten Vieh.

Die Sengwer haben am Anfang des 20. Jahrhunderts durch die britische Kolonialverwaltung einen Großteil ihres Landes verloren. Aus dem übriggebliebenen Land wurde seitdem ein Schutzgebiet, der Saiwa-Swamp-Nationalpark, der aus Waldreservaten und einem ihrer wichtigsten Jagdrevieren besteht. Seit den 1980ern wurden sie über zwanzigmal durch Forstbeamte mit Vertreibungen konfrontiert.

Letztes Jahr haben die Sengwer eine Beschwerde gegen ein von der Weltbank finanziertes Projekt eingereicht, das droht, die Sengwer durch eine Änderung der Waldreservat-Grenzen erneut von ihrem angestammten Land zu vertreiben.

Die drohende Vertreibung verletzt das verfassungsmäßiges Recht der Sengwer auf eine freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC), eine einstweilige Verfügung des Obersten Gerichtes von März 2013 sowie internationale Vereinbarungen bezüglich Naturschutz, an denen Kenia beteiligt ist. Die Biodiversitäts-Konvention verlangt zum Beispiel, dass die Regierung die traditionelle und nachhaltige Nutzung der Waldressourcen durch die Sengwer respektiert.

Survival International hat sich einem internationalen Aufruf angeschlossen, den die Sengwer mit der Organisation Forest Peoples’ Programme als Antwort auf die drohende Vertreibung verfasst haben.

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