Warum verstecken sie sich?

 

Viele Mitglieder indigener Völker, die heute als ‘unkontaktiert’ gelten, sind Überlebende (oder Nachfahren von Überlebenden) vergangener Gewalttaten. Die gewaltsamen Übergriffe – Massaker, Epidemien und unvorstellbare Brutalität – haben ihr kollektives Gedächtnis derart geprägt, dass sie nun den Kontakt mit der Außenwelt um jeden Preis zu vermeiden versuchen.

Der Kautschukboom beispielsweise, der Ende des 19. Jahrhunderts das Amazonasgebiet erreichte, hatte desaströse Folgen: 90% der indigenen Bevölkerung wurde versklavt und Opfer enormer Brutalität. Viele der heute isoliert lebenden Indianer in der westlichen Amazonasregion sind Nachkommen der wenigen Überlebenden dieser Gräueltaten.

Latex vom Gummibaum speiste den Kautschukboom im Amazonas.

Latex vom Gummibaum speiste den Kautschukboom im Amazonas.
© Jan-Pieter Nap – Creative Commons A-SA

Andere wiederum haben Massaker überlebt, die erst vor ein paar Jahrzehnten stattfanden. Zwischen den 1920er und 1960er Jahren erlebte das Amazonas-Volk Cinta Larga („breite Gürtel“) eine Welle brutaler Angriffe durch brasilianische Gummizapfer. Ein bekannter Zwischenfall, das „Massaker vom 11. Breitengrad“, fand 1963 im Quellgebiet des Aripuanã-Flusses statt, dort wo die Firma Arruda, Junqueir & Co. ihren Kautschuk erntete.

Der Vorsitzende des Unternehmens, Antonio Mascarenhas Junqueira, plante das Massaker, da er die Cinta Larga-Indianer als störend für seine kommerziellen Aktivitäten empfand. „Diese Indianer sind wie Parasiten, sie sind verabscheuungswürdig. Es ist an der Zeit diese Schädlinge zu erledigen. Lasst uns diese Herumtreiber endlich vernichten.“

Junqueira mietete ein kleines Flugzeug, aus welchem Dynamit auf ein Dorf der Cinta Larga geworfen wurde. Einige Zeit später kamen einige der Killer zu Fuß in das Dorf, um auch noch die letzten Überlebenden zu beseitigen. Dort fanden sie eine Frau beim Stillen ihres Babys. Sie töteten das Baby mit einem Kopfschuss, hängten die Mutter kopfüber an einen Baum und schlitzten sie auf. Während eines späteren Prozesses gegen einen der Angeklagten bemerkte der verantwortliche Richter: „Wir haben noch nie von einem Fall gehört, der von derartiger Gewalt, Niederträchtigkeit, Egoismus und Grausamkeit geprägt war und so wenig Respekt gegenüber dem menschlichen Leben zeigte.“

1975 wurde einer der Täter, José Duarte de Padro, zu zehn Jahren Haft verurteilt, doch schon nach einem Jahr wieder begnadigt. Noch während des Prozesses verkündete er: „Indianer zu töten ist gut, denn sie sind doch sowieso nur faul und betrügerisch.“

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