Weltgesundheitstag: Rätselhafte Epidemie dezimiert kürzlich kontaktiertes Volk

"Parojnai Picanerai bei guter Gesundheit am Tag seines ersten Kontaktes 1998 (links) und schwer an Tuberkulose erkrankt 2007 (rechts). 2011 erlag er seiner Erkrankung."
"Parojnai Picanerai bei guter Gesundheit am Tag seines ersten Kontaktes 1998 (links) und schwer an Tuberkulose erkrankt 2007 (rechts). 2011 erlag er seiner Erkrankung."

© V. Regehr/Survival

Zum Weltgesundheitstag am 7. April warnt Survival International, dass Angehörige eines indigenen Volkes in Südamerika an einer rätselhaften Tuberkulose-Epidemie sterben.

Mitglieder der Ayoreo-Totobiegosode in Paraguay erliegen nach und nach einer TB-ähnlichen Erkrankung, die auch bei medizinischen Untersuchungen nicht diagnostiziert wird. Die Indigenen werden seit Jahren durch Viehzüchter, die ihren Wald niederbrennen, von ihrem angestammten Land vertrieben.

Die Epidemie droht die kürzlich kontaktierten Ayoreo auszulöschen und wirft einen tödlichen Schatten auf ihre unkontaktierten Verwandten, die sich noch immer im Wald verstecken. Sie sind die letzten unkontaktierten Indigenen Südamerikas außerhalb des Amazonasgebietes.

"Ibore Picanerai noch bei guter Gesundheit, als sie 1998 aus ihrer Heimat im Wald vertrieben wurde (links), und mit Tuberkulose 2003 (rechts), an der sie 2009 verstarb."
"Ibore Picanerai noch bei guter Gesundheit, als sie 1998 aus ihrer Heimat im Wald vertrieben wurde (links), und mit Tuberkulose 2003 (rechts), an der sie 2009 verstarb."

© Survival International

Fast alle Ayoreo-Totobiegosode, die aus ihrem Wald vertrieben wurden, einige erst 2004, leiden seitdem an seltenen Atemwegserkrankungen.

Wie auch andere unkontaktierte Völker haben die Ayoreo nur geringe Abwehrkräfte gegen von außen eingeschleppte Krankheiten.

"Chiri Etacore noch bei guter Gesundheit 2000 (links) und schwer an Tuberkulose erkrankt 2011 (rechts). Er starb 2013."
"Chiri Etacore noch bei guter Gesundheit 2000 (links) und schwer an Tuberkulose erkrankt 2011 (rechts). Er starb 2013."

© R. Suter/Survival

Lokale Experten haben erklärt, dass Tuberkulose-Tests an den Ayoreo häufig negativ bleiben, obwohl ihre Symptome fast identisch sind. Viele erhalten deshalb auch keinen Zugang zu einer möglicherweise lebensrettenden Behandlung.

Das jüngste Opfer der Atemwegserkrankung unter den Ayoreo war Chiri Etacore. Er wurde 1986 aus seinem Wald vertrieben und starb im Oktober 2013.

Einige Ayoreo-Familien verstecken sich weiterhin im Wald. Ihre Zukunft sieht düster aus, falls Paraguays Regierung nichts unternimmt, um die rätselhaften Erkrankungen zu untersuchen.

Nixiwaka Yawanawá, ein Amazonas-Indigener der sich zusammen mit Survival International für die Rechte indigener Völker engagiert, sagte heute: “Es ist schockierend zu sehen, dass die Regierung Paraguays keine Maßnahmen ergreift, um das Gebiet der Ayoreo zu schützen. Wir sehen aufgrund dieser rätselhaften Erkrankung ein Massaker, und in den Augen der Welt ist dies eine wirkliche Rechtsverletzung. Die Regierung muss jetzt handeln, um ein Desaster zu verhindern.”

"Nguiejna Etacoro noch bei guter Gesundheit am Tag ihres ersten Kontaktes 2004 (links) und schwer an Tuberkulose erkrankt 2007 (rechts). Sie ist jetzt schwer krank."
"Nguiejna Etacoro noch bei guter Gesundheit am Tag ihres ersten Kontaktes 2004 (links) und schwer an Tuberkulose erkrankt 2007 (rechts). Sie ist jetzt schwer krank."

© GAT/Survival

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Diese Tragödie ist leider wenig überraschend. Wenn unkontaktierte Völker mit Außenstehenden in Kontakt kommen, folgen schnell derartige Erkrankungen. Dies ist Beleg dafür, dass der erzwungene Kontakt für unkontaktierte Völker nichts weniger als ein Todesurteil ist. Dennoch unternimmt die Regierung nichts, um die noch unkontaktierten Verwandten der Ayoreo zu schützen. Stattdessen erlaubt sie die großflächige Zerstörung des Chaco-Waldes durch brasilianische Viehzuchtbetriebe. Paraguay muss jetzt handeln, um das Leben der letzten unkontaktierten Indigenen Südamerikas außerhalb Amazoniens zu schützen.”