Keine ‘Primitiven’ mehr: Zeitung will rassistische Ausdrücke streichen 21 November 2013

"Die Bewegung Stolz statt Steinzeit feiert ihren zweiten großen Erfolg bei dem Versuch, die Darstellung indigener Völker als 'primitiv' und 'rückständig' zu beenden."
"Die Bewegung Stolz statt Steinzeit feiert ihren zweiten großen Erfolg bei dem Versuch, die Darstellung indigener Völker als 'primitiv' und 'rückständig' zu beenden."

© Vinayak Das

Die Bewegung Proud Not Primitive (Stolz statt Steinzeit), die Vorurteile über indigene Völker in Indien herausfordern will, feiert einen weiteren wichtigen Erfolg, nachdem The Hindu, eine der größten englischsprachigen Zeitungen der Welt, erklärt hat, indigene Völker nicht länger als “primitiv” beschreiben zu wollen.

Auch zahlreiche Journalisten bekannter indischer Medien haben sich der Bewegung angeschlossen, darunter Kumkum Dasgupta (Hindustan Times_), Nikhil Agarwal (Press Trust of India_) und V Raghunathan (Times of India).

Nach Beschwerden über einen Artikel, in dem ein Chenchu-Mann zweimal als “primitiv” beschrieben wurde, veröffentliche The Hindu eine Richtigstellung und wies alle Reporter an, indigene Völker nicht länger als “primitiv” zu beschreiben.

Sophie Grig, die die Proud Not Primitive-Bewegung koordiniert, sagte: “Dieser wichtige Erfolg bei The Hindu ist erst der Anfang. Es ist Zeit diese Ausdrücke, die voller Vorurteile und Gefahren stecken, zu den Akten zu legen. In der Presse sollten diese Bezeichnungen nicht mehr gebraucht werden.”

Aakar Patel von The Express Tribune erklärte: “Ich unterstütze Proud Not Primitive, weil wir die übereilten Vorurteile über Kulturen, die nicht unsere eigenen sind, hinter uns lassen müssen.”

"Bisher haben The Hindu und der Business Standard indigene Völker unterstützt, indem sie Artikel, die Indiens Adivasi-Völker als 'primtiv' bezeichneten, korrigiert haben."
"Bisher haben The Hindu und der Business Standard indigene Völker unterstützt, indem sie Artikel, die Indiens Adivasi-Völker als 'primtiv' bezeichneten, korrigiert haben."
© Survival International

Obwohl die indische Regierung 2006 den Ausdruck “primitive indigene Gruppen”, mit dem bis dahin abgeschieden lebende indigene Völker offiziell beschrieben wurden, durch “besonders verletzliche indigene Gruppen” ersetzte, ist der Ausdruck in den Medien noch weit verbreitet.

Das Einlenken von The Hindu ist der zweite große Erfolg der Proud Not Primitive-Bewegung. Bereits im Juli 2013 hatten Beschwerden dazu geführt, dass der Herausgeber des indischen Business Standard sich für die Bezeichnung “primitiv” entschuldigte. Der Artikel wurde ebenfalls korrigiert.

Proud Not Primitive soll negative Stereotype überwinden helfen, die der Diskriminierung indigener Völker in Indien zugrunde liegen und oft den Diebstahl ihrer angestammten Gebiete rechtfertigen sollen. Indigene Völker als “primitiv” oder “rückständig” darzustellen, impliziert, dass ihre Lebensweisen minderwertig sind und in der Gegenwart keine Rolle mehr spielen. Dies wiederum führt zu der Überzeugung, dass sie “entwickelt” und dem Mainstream angepasst werden müssen – oft mit verheerenden Folgen.

“Für uns Adivasi [indigene Völker in Indien] ist jeder Baum wie ein Haus. Das ist es, was der Wald für uns bedeutet. Wir sind nicht rückständig, es ist nur ein anderer Weg zu leben”, erklärte ein Ältester vom Paniyar-Volk im südlichen Indien.

Sophie Grig fügte hinzu: “Damit die Rechte indigener Völker, ihr Land und ihre Lebensweise respektiert werden, müssen wir ändern, wie Menschen über sie denken, sprechen und schreiben.”

 

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