Die Indigenen Brasiliens

 
 

Vor der Ankunft der Europäer um 1500 war Brasilien die Heimat vieler indigener Völker mit schätzungsweise 5 bis 13 Millionen Menschen in mindestens 1000 verschiedenen Gruppen. Nach 500 Jahren voller Krankheiten, Gewalt und Enteignung ist der größte Teil dieser Bevölkerung ausgelöscht.

Heute leben rund 350.000 Indigene in über 200 Völkern über das ganze Land verstreut. Sie sprechen eine große Zahl von Sprachen aus verschiedenen Sprachfamilien; 110 der Sprachen Brasiliens werden von weniger als 400 Menschen gesprochen. Die Zahl der Mitglieder der brasilianischen indigenen Völker variiert zwischen10.000 (bei den Guarani und Yanomami) und ein paar Dutzend (bei den Akuntsu und Kanoê).

Wie leben sie?

Brasiliens indigene Völker leben in sehr unterschiedlichen Gebieten – tropische Wälder, Grasland, Buschwald und Halbwüste – und auf höchst unterschiedliche Art und Weise.

Ihre Erfahrungen im Kontakt mit europäischen Eindringlingen und ihren Nachkommen unterscheiden sich ebenfalls voneinander: Manche, wie die Guarani im trockenen Süden, sind seit 500 Jahren in Kontakt mit den Weißen; andere begegneten ihnen erst vor kurzem und manche Indigene sind weiterhin unkontaktiert. Die Mehrzahl der unkontaktierten indigenen Gruppen dieser Erde, möglicherweise mehr als 50, leben in Brasilien.

Die meisten indigenen Völker leben von einer Mischung aus Jagen, Sammeln und dem Anbau von Pflanzen als Nahrung, für Medizin und um Alltagsgegenstände daraus herzustellen. Vermutlich leben nur die unkontaktierten Awá und Maku ein rein nomadisches Leben als Jäger und Sammler in Amazonien.

Welchen Problemen stehen sie gegenüber?

In den 500 Jahren seit der Ankunft der Europäer in Brasilien mussten die dort lebenden Indigenen Völkermord in großem Ausmaß und den Verlust des größten Teils ihres Landes erleiden.

Heute wird ihnen noch immer ihr Land genommen – für Viehzuchtbetriebe und industrielle Projekte – oder es wird besetzt durch Siedler und Goldsucher. Und noch immer werden sie getötet; entweder durch Krankheiten, die durch die Eindringlinge eingeschleppt werden, durch Verhungern, weil sie von ihren Jagdgründen vertrieben werden, oder durch Schlägertrupps, die von Viehzüchtern und ‘Landbesitzern’ angeheuert werden, um die Indigenen fernzuhalten.

In Brasilien besteht ein endemischer Rassismus gegenüber Indigenen, welcher all dies möglich macht – vor dem Gesetz gelten sie noch immer als unmündig. Das Wichtigste für die indigenen Völker Brasiliens ist die Kontrolle über ihr Land – Brasilien ist eines von nur zwei südamerikanischen Ländern, das die Landrechte von indigenen Völkern nicht anerkennt.

Wenn die Indigenen Brasiliens als Eigentümer ihres Landes anerkannt würden, würde ihnen das echten Schutz gegen die Menschen und Geschäfte bieten, die ihnen ihr Land und ihr Leben wegnehmen.

Wie hilft Survival?

Survival wurde 1969 gegründet, als Antwort auf Berichte über den Völkermord an brasilianischen Indigenen und hat seitdem seine Arbeit in Brasilien immer weiter fortgesetzt. Wir haben seither zu jedem Zeitpunkt mehrere Fälle in Brasilien – momentan konzentriert sich unsere Hauptarbeit dort auf die weitgehend unkontaktierten Awá, die Enawene Nawe, die Guarani, die Yanomami und die Makuxi.

Auf allgemeinerer Ebene machen wir den Widerstand der Indigenen gegen die Militarisierung ihres Landes bekannt und appellieren an Brasilien die Landrechte von Völker anzuerkennen, wie es die zwei Konventionen der Vereinten Nationen vorschreiben, welche Brasilien 1965 und 2002 unterschrieb.