Eine Biografie des Amazonas-Anführers und Schamanen.


© Sue Cunningham/Survival

Davi Kopenawa Yanomami ist ein Schamane und Vertreter der Yanomami-Indigenen. Er hat die langjährige internationale Kampagne zur Sicherung der Landrechte der Yanomami geleitet und dafür nicht nur in Brasilien, sondern auch weltweit Anerkennung erlangt.

Sein Mut, sein Kampfgeist und seine Hartnäckigkeit sind in seinem Yanomami-Spitznamen „Kopenawa“ oder „Hornisse“ reflektiert.

Davi wurde circa 1956 in der Nähe von Marakana, einer Yanomami-Gemeinschaft am Toototobi-Fluss im nördlichen Amazonasgebiet, im brasilianischen Bundestaat Roraima geboren. Dass ihn seine Mutter unter einem Korb versteckte, während Weiße zum allerersten Mal in sein Dorf kamen, bleibt eine seiner eindrucksvollsten Kindheitserinnerungen.

In den 50er und 60er Jahren brachten die Besuche der SPI (Indianerschutzprogramm der brasilianischen Regierung) und der Missionierenden der US-amerikanischen „New Tribes Mission“ verheerende Krankheiten zu dem isolierten Volk der Yanomami. Davis Gemeinschaft wurde stark dezimiert und sein Mutter starb in Folge von Epidemien, die 1959 und 1967 in der Region wüteten.

1985 begann Davi sich für die Anerkennung des weitläufigen Gebiets in den brasilianischen Staaten Roraima und Amazonas, das von den Yanomami bewohnt wurde, einzusetzen. Goldsuchende drangen in das Gebiet ein und die Yanomami starben an Krankheiten, gegen die sie keine Abwehrkräfte hatten.

1989 bekam Davi als Anerkennung für seinen Kampf zum Schutze des Regenwalds den UN Global 500 Preis verliehen.

Seine Anstrengungen haben ihn in viele Länder geführt. Das erste Mal, als er Brasilien verließ, folgte er einer Einladung von Survival International, die ihn gebeten hatte, in ihrem Namen den Right Livelihood Preis oder den „Alternativen Nobelpreis“ anzunehmen. Den Preis bekam Survival als Anerkennung für den Einsatz für die Yanomami und für den Erfolg „öffentliche Aufmerksamkeit für die Bedeutung der Weisheit indigener Völker für die Zukunft der Menschheit zu erregen.“ Während dieser Reise erzählte Davi von den furchtbaren Auswirkungen, welche die Invasion der Goldsuchenden auf die Gesundheit und Umwelt der Yanomami hatte, und warnte davor, dass die Yanomami nur überleben könnten, wenn ihre Landrechte anerkannt würden.

Anschließend organisierte Survival Davis erste Reise in die USA, wo er den damaligen UN-Generalsekretär Pérez de Cuéllar, Mitglieder der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, sowie amerikanische Senator*innen traf, und so den drohenden Genozid an den Yanomami in ihr Bewusstsein rief.

Im Laufe seiner Reisen hat Davi vier Präsidenten von Brasilien getroffen – inklusive Präsident Lula – und den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore, sowie Prinz Charles von England. Präsident Cardoso verlieh ihm 1999 des Rio Branco Orden. Bei einem Deutschland-Besuch 2007 wurde er im Deutschen Bundeskanzleramt empfangen und überreichte dort einen Brief für Kanzlerin Angela Merkel.

Das Gebiet der Yanomami wurde von der brasilianischen Regierung erst im Jahre 1992 anerkannt – kurz bevor sie Gastgeberin für den ersten UN-Umweltgipfel in Rio de Janerio war. Das Gebiet umfasst über 90.000km2 und ist damit nicht nur eines der weltweit wichtigsten Reservoirs für Artenvielfalt, sondern bildet auch die Heimat von etwa 16.000 Mitgliedern der Yanomami. Zusammen mit dem Gebiet, welches die Yanomami in Venezuela bewohnen, ist dies das größte indigene Schutzgebiet in tropischen Regenwäldern weltweit.

Davi lebt in der Gemeinschaft Watoriki (der Windige Berg) und praktiziert zusammen mit seinem Schwiegervater Lorival, einem der ältesten und angesehensten Yanomami-Schamanen, Schamanismus. Er ist mit Fátima verheiratet, mit der er 6 Kinder und 4 Enkel hat.

Davi spielt weiterhin eine wichtige Rolle im Kampf für die Rechte seines Volkes und ist die treibende Kraft bei einem zweisprachigen Projekt, welches den Yanomami helfen will, ihre Rechte selbst zu verteidigen.

2004 hat er zusammen mit anderen Yanomami-Anführer*innen Hutukara (der Teil des Himmels, wo die Erde geboren wurde), eine Organisation für die Rechte der Yanomami, gegründet. Zurzeit ist er der Vorsitzende von Hutukara.

Als Anerkennung für seine Führung und die Verteidigung der Rechte der Yanomami bekam Davi im Juni 2009 eine Ehren-Auszeichnung von der Jury des spanischen Bartolomé de las Casas Preis bei einer Zeremonie zu seinen Ehren in Madrid verliehen.

Im Jahr 2010 veröffentlichte Davi seine Autobiographie „The Falling Sky“ in Zusammenarbeit mit dem Anthropologen Bruce Albert. Teilweise Autobiographie und teilweise Kritik am Materialismus und Überkonsum der industrialisierten Welt, liefert es ein detailliertes und reichhaltiges Porträt des Yanomami-Volkes und seiner Lebensweise und beschreibt Davis Initiation als Schamane und seinen Kampf für die Rettung des Waldes und der indigenen Völker vor der Zerstörung und Gier der „weißen“ Menschen.

Für eine detailliertere Chronologie von Davis Leben klicke bitte hier.

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