Kolonialismus ist überall - Mayflowers Kill - Survival International

Kolonialismus ist überall - Mayflowers Kill

Die Kampagne #MayflowersKill ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Angehörigen indigener Völker in den USA und Survival International. Die Kampagne soll die Geschichte des Völkermordes an den amerikanischen Ureinwohner*innen international bekannter machen und aufdecken, wie er sich jetzt in anderen Kontinenten wiederholt. Das Aufzeigen von Parallelen zwischen gestern und heute ist wichtig, um zu verdeutlichen, wie Völkermord verhindert werden kann und muss.

Vor vierhundert Jahren, im Jahre 1620, brachte das Segelschiff Mayflower etwa 100 puritanische Geflüchtete nach Nordamerika. Die Kolonisten flohen vor Verfolgung und Diskriminierung in England und wurden von den Indigenen dabei unterstützt, in diesem neuen und für sie lebensbedrohlichen Land zu überleben. Für diejenigen, die dort seit Menschengedenken gelebt hatten, war es natürlich eine reichhaltige und lebenswerte Umwelt. Um für künftige Generationen zu sorgen, hatten die Bewohner*innen das Land geformt, gepflegt und bewahrt.

 

Es ist praktisch ein Wunder, dass wir noch immer hier sind. Wir sind die Nachkommen eines Volkes, das den versuchten Völkermord überlebt hat - den Tod unserer Vorfahren, die Auslöschung unserer Spiritualität, unserer Kultur, unseres Landes und unserer natürlichen Ressourcen. Das alles aufgrund einer verdrehten Wahrnehmung westlicher Überlegenheit und eines selbsterklärten göttlichen Rechts, andere Menschen zu beherrschen. Wir sind uns schmerzhaft bewusst, dass wir nicht zulassen können, dass sich die Geschichte wiederholt.
Cheryl Andrews-Maltais, Vorsitzende der Aquinnah Wampanoag

 

 

Den herzlichen Empfang, den die Siedler erhielten, erwiderten sie nicht. Die Ankunft der Mayflower führte zu jahrhundertelangen Invasionen, Kriegen und Krankheiten, die Indigene im zweistelligen Millionenbereich töteten. Dieser Völkermord und die anhaltende Diskriminierung machen sich noch immer auf dem ganzen Kontinent bemerkbar. Die Folgen offenbaren sich in den extrem hohen Raten von Armut, Krankheit, häuslicher Gewalt, Polizeibrutalität, Inhaftierung, Selbstmord und der niedrigen Lebenserwartung der Ureinwohner Nordamerikas im Vergleich zu den Nachkommen der Einwanderer. Diese individuellen Dramen sind eine kriminelle Tragödie und sind im Rassismus begründet, der von der Kolonialgesellschaft der Siedler ausgeht.

 

Die Kolonisten konnten nicht ignorieren, dass die indigene Bevölkerung Neuenglands einen Anspruch auf das Land hatte. Da sie jedoch ihre rechtmäßige Position als das zivilisiertere Volk für sich begründet hatten, hielten die Kolonisten ihren Anspruch für bedeutsamer und rissen die Rechte der indigenen Bevölkerung an sich oder manipulierten sie.1
Paula Peters, Angehörige der Mashpee Wampanoag

 

 

Trotzdem leisten die Überlebenden, die dazu in der Lage sind, weiterhin Widerstand und verteidigen ihr Land und ihre Identität.

Diese schreckliche Geschichte wiederholt sich in anderen Teilen der Welt, insbesondere in Südamerika, wo viele indigene Völker nach wie vor tödlichen Erstkontakten mit der Außenwelt ausgesetzt sind. Dadurch stirbt gewöhnlich mindestens die Hälfte ihrer Bevölkerung innerhalb weniger Jahre - manchmal sogar noch viel mehr.

 

Die Reise der Pilger zu feiern, bedeutet, den Kolonialismus und den Völkermord zu feiern. Uns stellt sich die Frage, wie wir an dieses Ereignis würdevoll gedenken sollen angesichts der Tragödie, die sich nach der Ankunft der Pilger zweifellos ereignete. Für viele Angehörige der Wampanoag ist es etwas, das man betrauern und nicht feiern sollte. Die öffentliche Wahrnehmung dieser historischen Ereignisse ist wichtig. Sie prägt unsere Rhetorik, also die Art und Weise, wie wir über das sprechen, was hier passiert ist. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass unsere Perspektive der Geschichte gehört wird, aber nicht in einer Form, die unser Überleben und unsere Widerstandsfähigkeit weiter untergräbt. Wir müssen über die Geschehnisse in einer Weise sprechen, welche die überwundenen Hindernisse und die enormen Erfolge widerspiegelt, die wir trotz aller Tragödien erreicht haben.
Samantha Maltais, Angehörige der Aquinnah Wampanoag

 

 

COVID-19 ist nur die neueste von vielen eingeschleppten Krankheiten, die das Überleben der indigenen Völker auf dem amerikanischen Kontinent bedrohen. Das Fortbestehen der indigenen Gemeinschaften ist ein wesentlicher Bestandteil der Vielfalt der Menschheit, von der die biologische Vielfalt abhängt und auf die wir alle angewiesen sind.

 

Die Kampagne #MayflowersKill leistet Widerstand und lädt dich ein, sich dem Kampf anzuschließen - für indigene Völker, für die Natur und für die gesamte Menschheit.

 

1. Peters, Paula. Preface. Of Plymouth Plantation by William Bradford: the 400th Anniversary Edition, Kenneth P. Minkema, Francis J. Bremer, and Jeremy D. Bangs, 2020, I-XXIII.