Peru: Berüchtigte „Todesstraße“ eines Priesters spaltet Land unkontaktierter Völker

Ein Mastanahua-Mann kurz nach dem ersten Kontakt mit Außenstehenden. sollte die Straße tatsächlich wie geplant gebaut werden, droht vielen Indigenen im unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes das fatale Schicksal des Zwangskontakts.
Ein Mastanahua-Mann kurz nach dem ersten Kontakt mit Außenstehenden. sollte die Straße tatsächlich wie geplant gebaut werden, droht vielen Indigenen im unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes das fatale Schicksal des Zwangskontakts.
© David Hill/Survival

Eine neue „Todesstraße“, die von einem kontroversen italienischen Priester unterstützt wird, könnte das Land mehrerer unkontaktierter Völker im Herzen des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes durchtrennen.

Die Straße soll demnächst von Perus Kongress genehmigt werden. Sie würde durch 270 km der artenreichsten und sensibelsten Schutzgebiete Amazonies verlaufen.

Das Projekt wird seit Jahren von Vater Miguel Piovesan unterstützt, einem katholischen Priester, der die angestammten Völker als „prähistorisch“ bezeichnet und internationale NGOs angreift, weil sie Bedenken gegenüber dem Plan geäußert haben.

Die Straße wurde 2012 vom peruanischen Kongress abgelehnt. Trotzdem wurde die Arbeit daran viele Jahre lang illegal weitergeführt. Jetzt wurde das Projekt erneut vom Kongressabgeordneten Carlos Tubino vorgeschlagen.

Der italienische Priester und Unterstützer der Straße, Miguel Piovesan, mit Perus damaligem Präsidenten Ollanta Humala.
Der italienische Priester und Unterstützer der Straße, Miguel Piovesan, mit Perus damaligem Präsidenten Ollanta Humala.
© Anon

Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften des Planeten. Es gibt geschätzt etwa 15 unkontaktierte Völker in Peru, viele davon in der Region, in der die Straße gebaut wird.

Survival International hat Beschwerde bei den Vereinten Nationen eingelegt, in der die katastrophalen Auswirkungen für die unkontaktierten Indigenen dargelegt werden. Survival fordert von der peruanischen Regierung, gegen den Plan Einspruch zu erheben.

Von den 3-4.000 Menschen in dem Gebiet sind ca. 80% indigen. Die meisten davon sind gegen den Bau der Straße.

Emilio Montes, Präsident der indigenen Organisation FECONAPU in Puerto Esperanza sagte: „Wir lehnen die Straße kategorisch ab. Wir Indigenen haben keinen Vorteil davon, nur die Holzfäller, Bergbautreibenden, Ölfirmen und Drogenhändler. Die Straße bedroht das Leben unserer unkontaktierten Verwandten, wie das der Mashco Piro. Sie wird unsere Tiere und Pflanzen zerstören. Sie sollten stattdessen unser angestammtes Land respektieren. Wir haben immer hier gelebt und unsere Kinder müssen dies fortführen. Wir brauchen eine andere Art von Entwicklung, die nachhaltig für unsere Ressourcen sorgt: So dass wir vernünftig leben können und unsere Zukunft gesichert ist.“

Unkontaktierte Mashco Piro Indianer 2011. Sie sind eines von vielen Völkern, auf die die Straße Auswirkungen haben könnte.
Unkontaktierte Mashco Piro Indianer 2011. Sie sind eines von vielen Völkern, auf die die Straße Auswirkungen haben könnte.

© Jean-Paul Van Belle

Survival-Direktor Stephen Corry sagte: „Wenn diese Straße gebaut werden sollte, wird sie die unkontaktierten Völker zerstören und so ihre ‚Entwicklung‘ für immer beenden. Survival kämpft seit Jahrzehnten gegen solche Straßenprojekte in diesem Teil des Amazonasgebietes. Wem sollen sie nützen? Wenn Peru fundamentale Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit respektiert, muss es diese Pläne verhindern.“

Hintergrundinformationen
- Die Straße soll Puerto Esperanza mit der Transoceánica
verbinden, die durch Peru und Brasilien geht. Das Gebiet ist Teil des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes, der Region entlang der peruanisch-brasilianischen Grenze mit der weltweit höchsten Konzentration an unkontaktierten Völkern.
- Unkontaktierte Völker, die ausgelöscht werden könnten, wenn die Straße gebaut wird, sind u.a. die Mashco Piro, Chitonahua, Mastanahua und Sapanawa, die alle seit Generationen nomadisch in der Region leben. Außenstehende wie Missionare und Holzfäller haben einige Gruppen in den letzten Jahren gezwungen, Kontakt aufzunehmen.
- An anderen Orten am Amazonasgebiet haben Straßen-Projekte den Zuzug von Siedlern in abgelegene Gebiete ermöglicht. Dies besdroht das Leben und das Land von unkontaktierten Völkern.
- Mehrere indigene Organisationen in Peru haben sich gegen die Straße ausgesprochen.
- Vater Piovesan hat wiederholt die Existenz unkontaktierten Völkern abgestritten. In seinem Gemeindeblatt steht: „Isolation ist kein natürlicher Wunsch. Wir können nicht beweisen, dass es unkontaktierte Völker gibt. Sie sind ausgedacht, von denjenigen, die sich kaum mit Indigenen auskennen oder ihre Untersuchungen auf unbewiesene Theorien stützen.“
- Unkontaktierte Völker haben ihren Wunsch weiterhin unkontaktiert bleiben zu wollen klar ausgedrückt. Das Projekt kann nicht mit ihrer Zustimmung durchgeführt werden und verletzt ihr Recht auf Selbstbestimmung ihrer Zukunft.

Wir wissen nur sehr wenig über unkontaktierte Völker. Doch wir wissen, dass es rund um die Welt mehr als einhundert von ihnen gibt. Und wir wissen, dass ganze Gemeinden durch die völkermörderische Gewalt Außenstehender ausgelöscht werden. Diese Eindringlinge rauben nicht nur ihr Land und ihre Ressourcen, sondern schleppen auch Krankheiten wie Grippe oder Masern ein, gegen die Unkontaktierte keine Abwehrkräfte besitzen.

Unkontaktierte Völker sind weder rückständig noch sind sie primitive Überreste aus einer entfernten Vergangenheit. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein sehr wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt. Wo ihre Rechte geachtet werden, können sie weiterhin gut und erfolgreich leben.

Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird. Survival tun alles in seiner Macht Stehende, um es für sie zu schützen und ihnen die Chance zu geben, ihre eigene Zukunft zu bestimmen.