HINTERGRUNDINFORMATIONEN

#DearHumanity

Liebe Menschheit, die Staats- und Regierungschefs der Welt wollen bis 2030 30 % der Erde in Schutzgebiete umwandeln. Sie sagen, dass dies den Klimawandel eindämmen, den Verlust von Wildtieren verringern, die biologische Vielfalt verbessern und so unsere Umwelt retten wird – aber sie irren sich. Es wird alles noch schlimmer machen: Es wird die Natur zerstören und zum größten Landraub der Geschichte führen. Verwirrt? Wir erklären alles, in 28 einfachen Schritten:

1. Wovon handelt der 30 %-Plan?

 

Führende Politiker*innen und große Naturschutz-NGOs planen die Umwandlung von 30 % des Planeten in Schutzgebiete bis 2030. Auf dem nächsten UN-Biodiversitätsgipfel könnte dieser Plan in Stein gemeißelt werden. 

Sie behaupten, er helfe, den Verlust der biologischen Vielfalt und den Klimawandel zu bekämpfen. Das wird er nicht.

Der Plan entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage.

Er ignoriert die Rechte indigener Völker und anderer lokaler Gemeinschaften.

Er wird der größte Landraub der Geschichte sein und das Leben und die Lebensgrundlage derjenigen zerstören, die am wenigsten für die Umweltzerstörung verantwortlich sind.

 

2. Wer treibt den 30 %-Plan voran und warum?

 

Naturschutzorganisationen, Regierungen und Unternehmen drängen auf den 30 %-Plan, denn:

- Große Naturschutz-NGOs werden viele Milliarden Dollar aus Projekten im Zusammenhang mit dem Plan erhalten.
- Umweltverschmutzende Unternehmen können ihre Geschäfte wie gewohnt weiterführen.
- Regierungen können behaupten, sie würden Maßnahmen zum Schutz der Umwelt ergreifen, ohne die unpopulären Entscheidungen zu treffen, die dafür wirklich notwendig sind.

Es ist ein profitables Manöver, keine Umweltlösung.

 

3. Woher soll das Geld für den 30 %-Plan kommen?

 

Der 30 %-Plan soll auf zweierlei Weise finanziert werden:

Durch uns – die Geberländer werden unsere Steuergelder zur Finanzierung neuer Schutzgebiete verwenden.

Durch den Verkauf von Kohlenstoffzertifikaten aus Schutzgebieten, die es Unternehmen erlauben weiterhin die Umwelt zu verschmutzen.

Naturschutz-NGOs werden also Milliarden an Profit machen, während große Unternehmen weiterhin die Umwelt zerstören.


4. Welche Rolle spielen die großen Naturschutz-NGOs im 30 %-Plan?

 

Naturschutz-NGOs wie der WWF und The Nature Conservancy gehören zu den Hauptbefürworter*innen des 30 %-Plans. Sie betreiben Lobbyarbeit bei den Regierungen, um diesen Plan voranzutreiben, und arbeiten mit den größten Umweltverschmutzer*innen zusammen, um sie grünzuwaschen. 

Warum? Weil Naturschutz-NGOs Milliarden von Dollar erhalten sollen, um neue Projekte im Zusammenhang mit dem Plan durchzuführen.

Sie treiben ihr Vorhaben voran, obwohl es viele Beweise dafür gibt, dass der Plan die Umwelt nicht retten und das Land und das Leben der indigenen und lokalen Bevölkerung zerstören wird.

 

5. Wie haben NGOs reagiert, als ihr ihnen Beweise für Menschenrechtsverletzungen vorgelegt habt?

 

Schweigen: Als wir sie schriftlich auf die Menschenrechtsverletzungen hinwiesen, antworteten sie nicht.

Leugnung und Beleidigung: Als wir die Missstände öffentlich machten, wurden wir beschuldigt, falsche Informationen zu verbreiten, „umweltfeindlich“ zu sein oder es nur aus Werbezwecken zu tun.

Ausreden: Als die Beweise nicht mehr zu leugnen waren, sagten Naturschützer*innen, es handele sich nur um „ein paar schlechte Äpfel“. Einige versuchten sogar, die Beweise für die Missbräuche zu vertuschen.

Greenwashing: Heute behaupten viele von ihnen öffentlich, mit indigenen Völkern zusammenzuarbeiten, aber alle Reformen haben sich als rein kosmetisch erwiesen, und vor Ort hat sich für die indigenen Völker nichts geändert. 

Die Reaktion, die wir nicht erhielten: Schock und Überraschung über das, was wir dokumentiert haben; Entschuldigungen für die von ihnen finanzierten Verbrechen; echte und wirksame Bemühungen, den Missbrauch zu beenden.


6. Was kann ich tun, um den 30 %-Plan zu verhindern?

 

Aufmerksamkeit wecken! Sprich mit Freund*innen und Familie über den Plan. Jede*r sollte die Wahrheit darüber erfahren und wir müssen aufhören, auf falsche Lösungen hereinzufallen. Verwende den Hashtag #DearHumanity, um die Nachricht zu verbreiten.

Nutze unser Aktivist*innen-Kit und werde online aktiv.

Unterstütze den 30 %-Plan nicht. Informiere dich, bevor du ins Ausland reist, und fahre nicht an Orte, an denen indigene Völker im Namen des „Naturschutzes“ vertrieben oder misshandelt wurden.

Unterstütze keine Organisationen, die sich für den 30 %-Plan einsetzen. Fordere sie heraus! Dazu gehören Conservation International, WWF, The Nature Conservancy, Wildlife Conservation Society und viele mehr ...

Schließe dich unserer Bewegung für #DecolonizeConservation an und bleibe dran für weitere Aktionen am 2. März!

 

7. Warum sollte ich mich für den 30 %-Plan interessieren?

 

Weil er sowohl für die biologische Vielfalt als auch für die Menschheit katastrophal sein wird.

Er wird die schwerwiegendsten Umweltprobleme nicht lösen. Stattdessen wird er sie sogar noch verschlimmern. Er lenkt ab von den wahren Ursachen des Verlusts der biologischen Vielfalt und des Klimawandels: Der Ausbeutung natürlicher Ressourcen aus Profitgründen und dem wachsenden Überkonsum, angetrieben durch den globalen Norden. 

Er erlaubt es den größten Umweltverschmutzer*innen, die Zerstörung des Planeten fortzusetzen, während sie das Leben der indigenen Völker zerstören und ihr Land stehlen. Indigene Völker sind die besten Hüter*innen der Natur und am wenigsten für die ökologische Krise verantwortlich.

 

8. Der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität sind so dringlich geworden, dass wir jetzt handeln müssen. Ist der 30 %-Plan nicht besser als gar nichts?

 

Eine falsche Lösung ist schlimmer als keine Lösung: Sie lenkt wertvolle Energie und Ressourcen in etwas, das die Illusion erweckt, dass wir handeln, anstatt echte Lösungen zu finden. 

Weil uns die Zeit davonläuft, müssen wir dringend etwas gegen die wahren Ursachen der Zerstörung der Biodiversität unternehmen: Der übermäßige Verbrauch und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen für den Profit. Der 30 %-Plan stellt dies überhaupt nicht in Frage.


9. Wenn das Problem der Schutzgebiete der Missbrauch durch Ranger ist, könnte dies nicht mit einer Schulung behoben werden?

 

Das Problem geht viel tiefer als nur „ein paar faule Äpfel“ – Gewalt durch Ranger ist sehr weit verbreitet. Wenn ein Schutzgebiet eingerichtet wird, werden Ranger eingesetzt, um den Zugang der lokalen Bevölkerung zu ihrem eigenen Land einzuschränken oder zu verweigern. Sie herrschen durch Angst.

Und Ranger sollten gar nicht erst dort sein! Sie sind die militarisierten Vollstrecker*innen einer Landnahme.

Ranger werden oft für ihre „Leistung“ belohnt, je nachdem, wie viele Verhaftungen sie vornehmen. Es ist also nicht überraschend, dass so viele unschuldige Menschen zu Unrecht verhaftet oder missbraucht wurden.

 

10. Schützen tatsächlich alle indigenen Völker die biologische Vielfalt? Was ist mit denen, die jagen?

 

Es ist kein Zufall, dass 80 % der weltweiten Biodiversität in den Gebieten indigener Völker zu finden ist – das liegt daran, dass sie ihre Umwelt seit Jahrtausenden verwalten und schützen. 

Sie haben eine enge Beziehung zu ihrem Land und verfügen über tiefgehendes Wissen. Ihr Land ist ihr Ein und Alles. Oft haben sie 
strenge ungeschriebene Regeln und Tabus, die ihnen helfen, ihre Ressourcen nachhaltig zu verwalten.

Das Gleiche gilt für die Jagdpraktiken. Die Baka lernen zum Beispiel von klein auf, keine Jungtiere oder weibliche Tiere zu jagen. Da indigene Völker jagen, um sich zu ernähren, wissen sie, dass ihr eigenes Überleben von gesunden Wildtierpopulationen abhängt.

 

11. Übernutzen indigene Völker nicht manchmal ihre Ressourcen ebenso, weil sie nicht mehr auf „traditionelle“ Weise leben? 

 

Selbst wenn dies theoretisch der Fall sein kann – weil der Diebstahl ihres Landes bedeutet, dass sie sich nicht mehr selbst versorgen können – ist die Verletzung ihrer Menschenrechte niemals gerechtfertigt.

Indigene Völker haben Rechte, weil sie Menschen sind und weil sie indigene Völker sind. Keines dieser Rechte hängt davon ab, wie gut sie ihre Umwelt schützen. Stell dir vor, unsere Menschenrechte würden nur dann respektiert, wenn wir, sagen wir, gut im Recycling wären!

Natürlich passen sich die indigenen Völker, wie wir alle, an eine sich verändernde Welt an. Aber ihre Lebensweise ist viel nachhaltiger als unsere – indigene Völker leben derzeit in 80 % der Gebiete mit der größten biologischen Vielfalt weltweit und schützen diese.

 

12. Wenn wir indigenen Völkern ihr Land überlassen, wie können wir dann sicher sein, dass sie es nicht an zerstörerische Firmen verkaufen werden?  

 

Es geht nicht darum, den indigenen Völkern ihr Land zu „schenken“, sondern darum, ihre Rechte darauf anzuerkennen. Diese Rechte sind im internationalen Recht verankert und sind nicht an Bedingungen geknüpft.

Indigene Völker haben das Recht, auf ihrem eigenen Land zu tun, was sie wollen! Eine Studie nach der anderen hat jedoch gezeigt, dass sie die besten Naturschützer*innen sind – es ist kein Zufall, dass 80 % der weltweiten Artenvielfalt in ihren Gebieten zu finden ist.

Sie haben eine tiefe Verbundenheit mit ihrem Land und sind weit weniger geneigt Holzeinschlag und Bergbau zuzulassen, als wenn das Land von Regierungen und Naturschützer*innen kontrolliert wird.

 

13. Warum will Survival den 30 %-Plan stoppen? Können wir ihn nicht einfach verbessern und indigene Völker in den Plan einbeziehen?

 

Der 30 %-Plan kann nicht verbessert werden, weil er auf grundlegend fehlerhaften Annahmen beruht:

1. Dass Schutzgebiete funktionieren – das tun sie nicht. 

Die Zahl der Schutzgebiete ist in den letzten Jahrzehnten immer weiter gewachsen, während die Artenvielfalt immer weiter abgenommen hat.

Sie führen zu Massentourismus und Menschenrechtsverletzungen gegenüber den besten Naturschützer*innen, den indigenen Völkern, die ihr Land nachweislich besser schützen als andere

2. Dass die Natur am besten geschützt werden kann, indem man sie vom Menschen befreit – auch das stimmt nicht. 

Die ganze Idee der „Wildnis“ ist ein kolonialer Mythos – fast alle Gebiete sind Kulturlandschaften und wurden von Menschen verwaltet und geprägt. Mensch und Natur sind eins, nicht getrennt.

3. Dass den Versprechungen der Naturschutz-NGOs getraut werden kann – das können wir nicht.

Die Naturschutzindustrie verspricht seit Jahrzehnten, die Rechte der indigenen Völker zu respektieren, aber es hat sich wenig geändert. Der WWF hat 1996 sogar Richtlinien dafür aufgestellt – später aber zugegeben, dass sie nur „anstrebenswert“ waren und nicht verpflichtend.

Währenddessen gehen Vertreibung, Folter, Vergewaltigung und Mord im Namen des Naturschutzes weiter.

Man kann einen Plan, der auf derartigen Denkfehlern beruht, nicht „reparieren“ – man muss ihn verwerfen und neu beginnen. 

Beginnen wir mit der Anerkennung der Landrechte der indigenen Völker und erkennen wir an, dass sie die besten Naturschützer*innen sind. Schutzgebiete werden fast immer auf Kosten der Landrechte indigener Völker geschaffen.

 

14. Ist Survival gegen alle Naturschutzgebiete? 

 

Nicht alle Naturschutzgebiete sind gleich – es gibt zwei sehr unterschiedliche Modelle. In Europa zum Beispiel könnte kein Nationalpark eingerichtet werden, ohne die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung zu berücksichtigen. Das Land ist weiterhin für alle zugänglich.

Die zweite Art, die wir ablehnen, ist als „Festungsnaturschutz“ bekannt und in Afrika und Asien die Norm. Auf diese Weise wurden in den USA die ersten Nationalparks geschaffen. Lokale Gemeinschaften und indigene Völker werden missbraucht, verfolgt und mit Gewalt, Zwang oder Bestechung vertrieben.

Die besten Hüter*innen des Landes, die sich einst selbst versorgten und den geringsten CO2-Fußabdruck von uns allen hatten, werden zu landloser Armut verurteilt. Das ist eine unglaubliche Ungerechtigkeit. Zu allem Überfluss werden, sobald die rechtmäßigen Eigentümer*innen vertrieben sind, oft Tourist*innen und sogar die Rohstoffindustrie willkommen geheißen.

Warum gibt es diese zwei unterschiedlichen Modelle? Weil die Behörden in Europa wissen, dass sie die Menschen nicht einfach verjagen können. Aber im globalen Süden können Naturschutz-NGOs damit durchkommen – also tun sie es.

 

15. Ist es nicht besser, ein Naturschutzgebiet zu haben als (gar) nichts zu tun? Wenn es keine Schutzgebiete gäbe, wäre kein Wald mehr übrig.

 

Die Einrichtung von Schutzgebieten gibt uns die Illusion, dass wir etwas für den Umweltschutz tun. Aber in Wirklichkeit versäumen wir es, die wahren Ursachen der Umweltzerstörung zu bekämpfen. Die Einrichtung von Schutzgebieten zerstört die Menschen, die dort leben, indem man ihnen ihr Land wegnimmt und ihnen den Zugang dazu verwehrt.

Ja, dort leben Menschen! So etwas wie „Wildnis“ gibt es nicht. Es sind die lokalen und indigenen Gemeinschaften, die am besten in der Lage sind, diese Gebiete zu schützen. Die Idee der Schutzgebiete ist falsch, weil sie das Land oft nur als „Natur“ betrachtet und nicht als lebendige und verwaltete Landschaft, in der die Menschen ein wesentlicher Bestandteil sind.

Ohne indigene Völker gäbe es kaum noch Wald. Studien zeigen, dass die Entwaldungsrate auf dem Land indigener Völker gering ist. Auf ihren Territorien befinden sich 80 % der biologischen Vielfalt und riesige KohlenstoffspeicherDie Daten sind eindeutig: Durch die Anerkennung von indigenem Land werden die Schutzziele besser erreicht als durch Schutzgebiete, und das zu einem Bruchteil der Kosten.

 

16. Sind indigene Gebiete nicht im Grunde das Gleiche wie Schutzgebiete? Warum können Schutzgebiete nicht einfach indigenes Land einschließen?

 

Es gibt einen großen Unterschied. In indigenen Gebieten sind die Landrechte der indigenen Völker anerkannt: Es ist rechtlich ihr Land.

Im Gegensatz dazu werden Schutzgebiete fast immer von Regierungsbehörden und NGOs verwaltet und schließen oft menschliche Aktivitäten aus oder schränken sie ein. Dazu gehört auch, was indigene Völker tun, um ihre Familie zu ernähren, wie das Jagen, das Anbauen von Feldfrüchten sowie Sammeln und Fischen.

Wichtige Rituale wie Beerdigungen und religiöse Handlungen sind ebenfalls verboten oder eingeschränkt. Ranger, die von Naturschutz-NGOs unterstützt werden, patrouillieren in dem Gebiet und verweigern den Zugang zu dem Land –  in vielen Fällen kommt es zu Gräueltaten an der lokalen Bevölkerung. 

 

17. Sind mehr Schutzgebiete nicht gut für indigene Völker? Was ist so schlecht an ihnen?

 

Die meisten Schutzgebiete wurden auf dem Land indigener und lokaler Bevölkerungsgruppen ohne deren Zustimmung eingerichtet.

Die Menschen werden vertrieben und verlieren ihre Lebensgrundlage, was zu Hunger, Krankheiten und sozialem Zusammenbruch führt.

Diese Gebiete werden dann militarisiert. In Afrika und Asien werden indigene Völker und lokale Gemeinschaften von Rangern in Schutzgebieten misshandelt, gefoltert und getötet. 

Diese Ranger werden oft von Organisationen wie dem WWF und der WCS unterstützt und mit europäischen und amerikanischen Steuergeldern finanziert. 

Der 30 %-Plan wird die Fläche der Schutzgebiete verdoppeln – und damit wahrscheinlich auch die Zahl dieser Straftaten.

 

18. Sollte Survival nicht eher gegen Holz- und Bergbauunternehmen kämpfen als gegen Naturschutz-NGOs?

 

Survival hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen diejenigen vorzugehen, die die Rechte indigener Völker missbrauchen und ihr Land stehlen, egal wer sie sind. Dazu gehören Holz- und Bergbauunternehmen, aber auch Naturschutz-NGOs. 

Organisationen wie der WWF und die WCS verwalten und unterstützen seit Jahrzehnten Schutzgebiete, aus denen indigene Völker vertrieben wurden und die dazu führen, dass sie vergewaltigt, gefoltert und getötet werden.

Sie wissen seit vielen Jahren von diesen Missbräuchen, die oft von Rangern begangen werden, die sie direkt finanzieren, und haben wenig unternommen, um dies zu stoppen. (Survival hat den WWF in Briefen und bei Treffen seit 1991 darauf hingewiesen.)

Sie nehmen auch Geld von „Partner*innen“ – den Holz-, Öl- und Bergbaukonzernen – die für die Zerstörung dessen verantwortlich sind, was von indigenem Land außerhalb der Schutzgebiete übrig ist.

Einige Abholzungsunternehmen haben ihre eigenen Ranger, die auch lokale Gemeinschaften misshandeln. 

Im Kongobecken sprechen sich die großen Naturschutz-NGOs nie gegen diese Unternehmen aus. Stattdessen nehmen sie Geld von ihnen an oder helfen ihnen, sich durch Programme wie den Forest Stewardship Council reinzuwaschen. 

Dies verleiht den Unternehmen Glaubwürdigkeit und schützt sie vor Kritik – während sie wenig oder gar nichts tun, um ihre Umweltbilanz tatsächlich zu verbessern.

In ihrem Streben nach Profit sind Naturschutz-NGOs wie der WWF inzwischen Teil des Problems geworden, nicht die Lösung.

Der Naturschutz vor Ort ist militarisiert, brutal und reißt riesige Gebiete indigenen Landes an sich.

In vielen Teilen der Welt ist er heute das größte Problem der indigenen Völker.


19. Wilderei ist ein ernstes Problem. Sind Schutzgebiete nicht notwendig, um die Auslöschung einiger Arten zu verhindern?

 

Es ist äußerst selten, dass indigene Völker zu viel jagen oder das Aussterben von Arten verursachen. Dennoch wird ihre Lebensweise von Naturschützer*innen kriminalisiert. 

Die Verantwortlichen der Schutzgebiete bezeichnen indigene Jäger*innen und Sammler*innen als „Wilderer“, obwohl sie lediglich auf der Jagd nach Nahrung sind.

Die Jagd für den Eigenbedarf ist nicht das Problem. Es ist die organisierte Wilderei.

Schutzgebiete tragen jedoch wenig dazu bei, dies zu verhindern. Im Gegenteil: Angesichts des Verlusts ihrer Lebensgrundlage ist es nicht verwunderlich, dass verzweifelte lokale Bevölkerungsgruppen manchmal von „organisierten“ Wilderern angeworben werden.

Oft sind die Ranger, die die Wildtiere schützen sollen, selbst in die Wilderei verwickelt. So bestätigte ein UN-Bericht, dass nicht die indigene Bevölkerung, sondern die Korruption im Mittelpunkt der Wildtierkriminalität steht.

Die Anstrengungen und Gelder, die in die Bekämpfung der Wilderei gesteckt werden, könnten besser in Projekte investiert werden, die darauf abzielen, die Einstellung der Konsument*innen zu ändern, die Nachfrage zu verringern und die Ungleichheit zu bekämpfen, anstatt die Militarisierung zu finanzieren.

Zwischen 2010 und 2016 flossen 65 % der 1,3 Milliarden US-Dollar, die internationale Geber*innen für die Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels ausgaben, in mehr Schutzgebiete und Initiativen zur Strafverfolgung.

Im Vergleich dazu flossen nur 15 % in die Unterstützung des Lebensunterhalts von Gemeinschaften, die in der Nähe von Gebieten mit hohen Raten an Wilderei leben.

 

20. Warum werden Schutzgebiete das Leid weiter vergrößern?
 

 

In vielen Teilen der Welt sind Schutzgebiete militarisiert und durch Angst kontrolliert. Sie werden ohne die Zustimmung der indigenen und lokalen Bevölkerung eingerichtet, die dort seit Generationen lebt. 

Es ist ein massiver Landraub im Namen des Naturschutzes. 

Die Bewohner*innen dieser Gebiete werden oft illegal aus den Schutzgebieten vertrieben.

Danach schränken Ranger den Zugang zu den Gebieten ein oder verweigern ihn gänzlich, wodurch die Menschen ihrer Lebensgrundlage und Identität beraubt werden. Auch Gräber und heilige Stätten sind für die angestammte Bevölkerung nicht mehr zugänglich.

Aber das ist noch nicht alles.

Ranger begehen Gräueltaten an der lokalen Bevölkerung, wenn diese versucht, die Schutzgebiete zu betreten, um ihre Familien zu ernähren, oder wenn sie ihre Häuser im Wald nicht verlassen wollen: Misshandlungen, Vergewaltigungen, Folter und sogar Mord sind an der Tagesordnung.

Der 30 %-Plan wird die Fläche der Schutzgebiete verdoppeln – und damit wahrscheinlich auch die Zahl dieser Straftaten.

Er wird bis zu 300 Millionen Menschen schaden – genau den Menschen, die am wenigsten für die Klima- und Biodiversitätskrise verantwortlich sind. 

 

21. Ihr sagt, dass Schutzgebiete keinen Einfluss auf den Klimawandel haben. Warum?


 

Im Gegensatz zu den Behauptungen einiger Naturschützer*innen ist das Potenzial der „natürlichen“ Ökosysteme, in den kommenden Jahren zur Aufnahme klimaschädlicher Gase beizutragen, sehr gering. Die Schäden, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht werden, sind einfach zu gravierend.

Der Klimawandel kennt keine Grenzen. Er kümmert sich nicht um Schutzgebiete und wird dort genauso viel Schaden anrichten wie überall sonst auch.

Zum Beispiel sind viele Wälder und andere Ökosysteme schon jetzt anfälliger für Waldbrände.

Die Priorität muss sein, die Nutzung fossiler Brennstoffe zu reduzieren.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten waren 100 Unternehmen für 71 % der weltweiten Klimaemissionen verantwortlich.

Um den Klimawandel wirklich zu bekämpfen, müssen die Unternehmen aufhören, die Umwelt zu verschmutzen und Ressourcen aus Profitgründen abzubauen.

Mehr Schutzgebiete sind nicht die Lösung.


22. Stimmt es, dass Naturschutzgebiete nicht in der Lage sind, den Verlust von Wildtieren zu verhindern? Sind sie nicht gut für die Umwelt? 
 

 

Schutzgebiete, insbesondere in Afrika, sind oft nicht so „geschützt“, wie man meinen könnte.

Sobald die Gebiete von ihren ehemaligen Bewohner*innen geräumt wurden – oft unter Anwendung von Gewalt – wird das Land von lokalen Eliten oder Naturschutz-NGOs kontrolliert, die dann Beziehungen zu ressourcenausbeutenden Unternehmen aufbauen können. Sehr oft werden Massentourismus, Trophäenjagd oder die Rohstoffindustrie (Öl, Gas, Bergbau) willkommen geheißen.

Das einzige Ziel, das im vorangegangenen globalen Aktionsplan zur biologischen Biodiversität für den Zeitraum 2010-2020 fast erreicht wurde, war die Vergrößerung der Fläche der Schutzgebiete um 17 %.

Die Naturschutzindustrie gibt jedoch selbst zu, dass die biologische Vielfalt im gleichen Zeitraum noch schneller als zuvor zurückgegangen ist.

Eine 2019 durchgeführte Studie über mehr als 12.000 Schutzgebiete in 152 Ländern ergab, dass die meisten in den letzten 15 Jahren nicht dazu beitrugen, den negativen Einfluss des Menschen auf die Tierwelt zu verringern.

In vielen hat sich der Einfluss im Vergleich zu ungeschützten Gebieten sogar noch verschlimmert. Durch die Vertreibung indigener Völker werden die besten Naturschützer*innen daran gehindert, die Natur zu schützen.

Und schließlich wird die Einrichtung eines Schutzgebiets oft als grünes Licht für die Zerstörung der Landschaft außerhalb des Gebiets gesehen:

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bergbau- oder Abholzungsunternehmen das Schweigen großer Naturschutz-NGOs erkaufen, indem sie ihre Schutzgebiete oder Ranger finanzieren.


23. Welche Alternative zum 30 %-Plan schlägt Survival vor?


Es ist erwiesen, dass der beste Weg zum Schutz der biologischen Vielfalt darin besteht, die Landrechte der indigenen Völker anzuerkennen. Sie sind nachweislich die besten Naturschützer*innen.

Wir brauchen ein völlig neues Naturschutzmodell – eines, das die indigenen Völker und ihre Rechte in den Mittelpunkt stellt, das die „Natur“ nicht als menschenleer betrachtet und das die wahren Ursachen der Umweltzerstörung bekämpft – den übermäßigen Verbrauch und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen angetrieben durch den globalen Norden.

Mehr über unser alternatives Modell hier:  https://www.ourlandournature.org/manifesto 

 

24. Auch Organisationen wie der Bezos Earth Fund und der WWF sagen, dass indigene Völker wichtige Partner*innen beim Schutz der biologischen Vielfalt sind.  Sind ihnen die Rechte der indigenen Völker wirklich wichtig?

 

Sie erheben seit Jahrzehnten derartige Ansprüche. Einige haben sogar Richtlinien, die sie dazu verpflichten, die Rechte indigener Völker zu respektieren.

Aber es ist wichtig, sich anzusehen was sie tun, nicht was sie sagen.

Sie unterstützen weiterhin den „Festungsnaturschutz“ und finanzieren Ranger, die indigene Völker töten, vergewaltigen und foltern.


25. Gibt es Beweise dafür, dass indigene Völker im Rahmen des 30 %-Plans vertrieben werden sollen? Sagt der Plan, welche Gebiete in Schutzgebiete umgewandelt werden sollen?

 

Auch wenn der 30 %-Plan nicht präzisiert, dass indigene Völker vertrieben werden oder welches Land in Schutzgebiete umgewandelt werden soll, ist klar, dass er verheerende Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung haben wird.

Und warum? 80 % der Gebiete mit der größten biologischen Vielfalt auf der Erde befinden sich auf dem Land indigener Völker.

Daher ist es unvermeidlich, dass im Rahmen des 30 %-Plans – dessen Hauptzweck der Schutz von Gebieten ist, die für die biologische Vielfalt von Bedeutung sind – ein erheblicher Teil der neuen Schutzgebiete auf das Land indigener Völker, insbesondere im globalen Süden, entfallen wird.

Eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit schätzt, dass der 30 %-Plan 300 Millionen Menschen direkt vertreiben und enteignen könnte, wobei noch viel mehr Menschen indirekt betroffen sein werden.

Darüber hinaus ist das vorherrschende Naturschutzmodell in Afrika und Asien der „Festungsnaturschutz“, dessen Beliebtheit bei Regierungen und Naturschutz-NGOs nicht abzunehmen scheint. 

Diese Art des Naturschutzes ist hochgradig militarisiert und beinhaltet entweder die Vertreibung indigener Völker von ihrem angestammten Land oder eine so starke Einschränkung ihres täglichen Lebens, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Familien zu ernähren.

Außerdem verlieren sie den Zugang zu wichtigen Orten wie ihren heiligen Stätten und Grabstätten.


26. Basiert der 30 %-Plan auf wissenschaftlichen Grundlagen?

 

Nein – 30 % ist eine aus der Luft gegriffene Zahl. Es ist ein Marketing-Trick, der auf sehr schwachen Beweisen beruht.

Einer der Autor*innen eines renommierten wissenschaftlichen Berichts, in dem eine Erweiterung der Naturschutzgebiete auf 30 % gefordert wird, sagte: „Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für 30 %. Es ist willkürlich.“

Eine neue Studie von Naturschutzwissenschaftler*innen zur „Convention on Biological Diversity“ zeigt, dass es wichtiger ist, die Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt zu bekämpfen, wie z. B. den übermäßigen Verbrauch und Subventionen für zerstörerische Landwirtschaft.

Andererseits gibt es zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass indigene Gebiete die besten Naturschutzgebiete für die Artenvielfalt sind.


27. Was meint ihr damit, dass Naturschutzgebiete „in Brutalität geboren“ sind?

 

„Naturschutz“, wie er heute praktiziert wird, hat eine dunkle Geschichte.

Im 19. Jahrhundert schufen die USA die ersten Nationalparks der Welt – auf jenem Land, das den indigenen Völkern gestohlen wurde. In vielen US-Nationalparks wurden genau die Völker, die eine an Wildtieren reiche „Wildnis“ geschaffen haben, in Landlosigkeit und Armut getrieben.

Dieses Modell des Naturschutzes, das als „Festungsnaturschutz“ bekannt ist, wurde in die ganze Welt exportiert.

Insbesondere in Afrika und Asien sind es reiche Trophäenjäger*innen, die verhindern wollten, dass „ihr“ Wild von indigenen Völkern und armen Jäger*innen erlegt wird. Sie richteten „Wildreservate“ ein, die in Wirklichkeit private Jagdparks sind.

Die Idee der „Wildnis“ – der vom Menschen unberührten „Natur“ – steht im Mittelpunkt der gesamten Geschichte und ist im Denken des Naturschutzes fest verankert.

Dabei handelt es sich jedoch um einen rassistischen und kolonialistischen Irrtum, der die Rolle der indigenen Völker bei der Gestaltung und Pflege ihrer eigenen Territorien völlig außer Acht lässt.

Das Land wurde für leer erklärt, wodurch es einfach geraubt werden konnte. Es ist kein Zufall, dass viele prominente Naturschützer*innen die extremsten rassistischen Theorien ihrer Zeit vertraten.

Doch die berühmtesten „Wildnisgebiete“ der Welt waren und sind keineswegs frei von menschlichem Einfluss, sondern das Zuhause indigener Völker.

Heute ist der „Festungsnaturschutz“ in vielen Teilen der Welt immer noch das vorherrschende Modell. Er impliziert die illegale Vertreibung indigener und lokaler Bevölkerungsgruppen aus ihren angestammten Gebieten.

 

28. Profitieren indigene Völker nicht von Naturschutzgebieten und den dadurch geschaffenen Arbeitsplätzen als Ranger oder Tourguides?

 

Kein Jobangebot kann den Verlust von Land und Existenzgrundlage ausgleichen. Wenn Menschen illegal von ihrem Land vertrieben werden, sind sie nicht in der Lage, frei zu entscheiden, wie sie leben und sich versorgen wollen.

Einst unabhängige, autarke und widerstandsfähige Gemeinschaften werden von der Naturschutzindustrie oft in einen „Dienstleistungssektor“ verwandelt, der vollständig vom Tourismus abhängig ist.

 


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