Hintergrundinformation

Eine gefährliche Debatte

Unkontaktierte Völker leben gut und erfolgreich, wenn ihr Land geschützt ist. Indem sie unter anderem mit Pfeilen auf vorbeifliegende Flugzeuge zielen oder überkreuzte Speere im Wald hinterlassen, machen sie deutlich, dass sie keinen Kontakt wünschen.

Dennoch fordern einige Wissenschaftler, dass Außenstehende den Wald unkontaktierter Völker betreten und sie zum Kontakt zwingen sollten.

Diese gefährliche Debatte hat weltweit für Empörung gesorgt.

Was die Akademiker behaupten

Die US-amerikanischen Professoren Robert S. Walker und Kim R. Hill veröffentlichten 2015 einen gefährlichen und missführenden Leitartikel im Magazin Science. Sie behaupteten, dass abgeschieden lebende Völker zu ihrem eigenen Vorteil kontaktiert werden sollten. Somit ignorierten sie jahrhundertelange Erfahrungen mit der Zerstörung, die erzwungener Kontakt mit sich bringen kann. Krankheiten und Gewalt haben ganze Völker nach dem Erstkontakt ausgelöscht und einige andere auf nur wenige Überlebende reduziert.

Die Wissenschaftler behaupten, dass „eine gut geplante Kontaktaufnahme ziemlich ungefährlich sein kann”. Dennoch verliefen die Beispiele eines Kontaktes, die sie anführen, katastrophal, sodass viele Indigene starben.

Hill und Walker behaupten, dass ein „gut geplanter“ Kontakt sicher sei. Dennoch wurde Jakarewyj Awá (links) nach dem Erstkontakt schwer krank, obwohl sich ein medizinischer Stützpunkt in der Nähe befand.

Hill und Walker behaupten, dass ein „gut geplanter“ Kontakt sicher sei. Dennoch wurde Jakarewyj Awá (links) nach dem Erstkontakt schwer krank, obwohl sich ein medizinischer Stützpunkt in der Nähe befand.

© Survival International 2015

Obwohl Zwangskontakt-Missionen in Brasilien jahrzehntelang zur offiziellen Politik gehörten, führten sie zur Dezimierung von unendlich vielen Völkern. Aufgrund dieser Zerstörung verfolgte Brasiliens Indigenen-Behörde in den späten 1980er Jahren eine andere Politik: Anstelle sie zum Kontakt zu zwingen sollte das Land unkontaktierter Völker geschützt werden.

Die Professoren Hill und Walker behaupten außerdem, dass unkontaktierte Völker auf lange Sicht „nicht lebensfähig seien“. Jedoch gibt es weltweit mehr als 100 unkontaktierte Völker. Dort wo ihr Land geschützt ist, leben diese gut und erfolgreich.

Hill und Walker sowie andere Befürworter des Zwangskontaktes spielen denjenigen in die Hände, die indigenes Land im Namen von „Fortschritt“ und „Zivilisation“ stehlen und das Amazonasgebiet für Ressourcenabbau und „Investitionen“ erschließen wollen.

Indigene Völker und Expert*innen antworten

Indigene Völker und Expert*innen weltweit , einschließlich Brasiliens Indigenen-Behörde FUNAI, haben diese Idee als „arrogant“, „gefährlich“ und „völkermörderisch“ kritisiert.

Olímpio Guajajara, Angehöriger des kontaktierten Guajajara-Volkes, sagte: „Wir sind uns bewusst, dass einige Anthropologen den ‚kontrollierten Kontakt‘ mit abgeschieden lebenden Indigenen fordern. (…) Wir werden nicht zulassen, dass das passiert, da es einen weiteren Völkermord bedeuten würde (…) an einem indigenen Volk, das keinen Kontakt wünscht.“

Survival wendet sich gegen Versuche von Außenstehenden, abgeschieden lebende Völker zu kontaktieren. Dies ist immer fatal und eine Kontaktaufnahme muss ihre alleinige Entscheidung sein. Diejenigen, die in die Gebiete unkontaktierter Völker eindringen, verwehren ihnen die Möglichkeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

Die Lösung

Der Schlüssel, die Vernichtung indigener Völker zu stoppen, besteht darin, ihre Landrechte zu schützen. Diese sind sowohl in nationalem als auch internationalem Recht verankert. Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, wenn ihr Land nicht geschützt wird.

Survival tut alles in ihrer Macht Stehende, um es für sie zu schützen und ihnen die Chance zu geben, ihre eigene Zukunft zu bestimmen.

Unterschreibt die globale Erklärung für unkontaktierte Völker