Bedrohungen: Bergbau, Viehzucht und chaotische Gesundheitsversorgung
Seit Jahrtausenden konnten sich die Yanomami im südamerikanischen Regenwald entfalten.
Nun kämpfen sie um ihr Überleben, da es den Behörden nicht gelingt, sie vor Eindringlingen, Angriffen und Krankheiten zu schützen.
Die Yanomami leben in großen, kreisförmigen Gemeinschaftshäusern, die Yanos oder Shabonos genannt werden. In manchen leben bis zu 400 Menschen. Der zentrale Bereich dieser Häuser wird für Aktivitäten wie Rituale, Feste und Spiele genutzt.
![]() |
| Ein Haus der Yanomami, Brasilien © Survival |
Jede Familie hat ihre eigene Feuerstelle, wo sie tagsüber Essen zubereitet und kocht. Nachts werden Hängematten in der Nähe des Feuers aufgehängt, in denen die Familien schlafen. Das Feuer wird die Nacht über geschürt, um die Menschen warm zu halten.
Die Yanomami glauben, dass alle Menschen gleich sind. Die Gemeinschaften sind voneinander unabhängig, es gibt keine Anführer. Entscheidungen werden im Konsens getroffen, teilweise in Folge von langen Debatten, bei denen jeder Mitspracherecht hat.
Wie bei den meisten Völkern im Amazonas werden Aufgaben unter den Geschlechtern aufgeteilt. Die Männer jagen Wild wie Pekari, Tapir, Reh und Affen, dabei benutzen sie oft Curare (ein Pflanzenextrakt), um ihre Beute zu vergiften.
Obwohl das Erjagte nur etwa 10% der Nahrung der Yanomami ausmacht, gilt das Jagen unter den Männern eine angesehene Kunst und Fleisch wird von allen sehr geschätzt.
Kein Jäger isst das erlegte Wild alleine, stattdessen teilt er es mit Freunden und Familie. Im Gegenzug bekommt er von anderen Jägern Fleisch.
![]() |
| Yanomami, Demini, Brasilien. © Fiona Watson/Survival |
Die Frauen pflegen die Gärten, in denen sie ca. 60 verschiedene Feldfrüchte anbauen, die ungefähr 80% ihrer Nahrung ausmachen. Außerdem sammeln sie Nüsse, Schalentiere und Insektenlarven. Wildhonig gilt als sehr wertvoll und die Yanomami ernten 15 verschiedene Sorten.
Sowohl Männer als auch Frauen fischen. Timbó, ein Fischgift, wird beim gemeinschaftlichen Fischfang benutzt. Gruppen – bestehend aus Männern, Frauen und Kindern – sammeln Bündel aus Kletterpflanzen, die auf dem Wasser treiben. Die Flüssigkeit betäubt die Fische und sie treiben an die Oberfläche, dann werden sie mit Körben eingesammelt. Sie nutzen neun Arten von Kletterpflanzen, um die Fische zu vergiften.
Die Yanomami verfügen über ein enormes Wissen über die lokale Botanik und verwenden ungefähr 500 Pflanzen für ihr Essen, Medizin, Hausbau und andere Gebrauchsgegenstände. Sie versorgen sich selbst durch Jagen, Sammeln und Fischen, aber auch durch den Anbau verschiedener Feldfrüchte in großen Gärten, auf gerodeten Waldgebieten. Da der Boden im Amazonasgebiet nicht sehr fruchtbar ist, wird alle zwei bis drei Jahre ein neues Stück Wald für Gärten gerodet.
Die spirituelle Welt ist ein wichtiger Lebensbestandteil der Yanomami. Jedes Lebewesen, jeder Stein, jeder Baum und jeder Berg besitzt einen Geist. Manchmal sind diese bösartig und es wird geglaubt, dass sie Krankheiten hervorrufen.
Schamanen kontrollieren diese Geister, indem sie ein Pulver namens yakoana inhalieren, der Halluzinationen hervorruft. In ihrer Trance erfahren sie Visionen, in denen sie ihre Geister, die xapiripë, treffen.
Davi Kopenawa, ein Schamane, erklärt:
‘Nur die, die die xapiripë kennen, können sie sehen, da die Xapiripë sehr klein und hell wie Licht sind. Es gibt sehr viele Xapiripë, tausende von Xapiripë wie Sterne. Sie sind wunderschön, geschmückt mit Papageienfedern und bemalt mit Urucum (Methylgelb). Manche haben Oraikok, andere tragen Ohrringe und verwenden schwarzes Färbemittel und sie tanzen wundervoll und singen in verschiedenen Lagen.’
Wie es für Jäger und Sammler sowie Wanderfeldbauer typisch ist, benötigen die Yanomami weniger als vier Stunden Arbeit pro Tag, um all ihre materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Es bleibt viel Freizeit für soziale Aktivitäten.
Häufig besuchen sich die Yanomami innerhalb der Gemeinschaft, Zeremonien werden abgehalten um besondere Ereignisse zu feiern, wie zum Beispiel die Ernte der Pfirsichpalmfrucht oder das reahu (Beerdigungsfest), bei dem einer verstorbenen Person gedacht wird.
Ihre Unterstützung wird den Yanomami dabei helfen, die Kontrolle über ihr Land, ihr Leben und ihre Zukunft zu bewahren: