Brasilien: Polizei vertreibt Guarani, Häuser mit Bulldozern zerstört

Guarani-Sprecherin Damiana Cavanha nach der Vertreibung aus Apy Kay

Guarani-Sprecherin Damiana Cavanha nach der Vertreibung aus Apy Kay

© Aty Guasu

Ein Video, das zeigt wie die Häuser einer indigenen Gemeinde mit Bulldozern planiert werden, hat Entsetzen in Brasilien ausgelöst. Die betroffenen Guarani-Familien müssen nun am Rande einer Schnellstraße ausharren.

Fast 100 schwer bewaffnete Polizisten überwachten die Planierung der Guarani-Gemeinde Apy Ka’y, deren angestammtes Land durch industrielle Landwirtschaft zerstört wurde.

Video: Brutal Vertreibung aus Apy Ka’y

Die Gemeinde hatte zuvor bereits 10 Jahre am Rande einer Bundesstraße kampieren müssen. In der Zeit wurden acht Personen von Fahrzeugen erfasst und getötet. Ein weiterer Guarani starb an Pestiziden.

2013 hatte die Gemeinde dann einen kleinen Teil ihres Landes wiederbesetzt, von dem sie nun erneut vertrieben wurde, nachdem ein Richter dem Antrag auf Räumung eines Großgrundbesitzers stattgegeben hatte. Zuvor hatten die Guarani, ihre Verbündeten in Brasilien und Tausende Unterstützer von Survival International darum gebeten, die Gemeinde auf dem Land zu belassen.

Die Guarani von Apy Ka’y leben jetzt wieder entlang der Autobahn.

Ein weiteres Video zeigt bewaffnete Polizeieinheiten, die bei der Räumung die neun Guarani-Kaiowá-Familien bewachen. Anführerin Damiana Cavanha prangert im Video die Räumung an und besteht auf das Recht der Guarani, ihre Leben zu schützen, ihr Land zu verteidigen und ihre Zukunft selbst zu bestimmen.

Video: Damiana kritisiert Vertreibung

Rund 100 Bundes- und Militärpolizisten bei der Räumung der Guarani-Gemeinde Apy Ka’y, deren angestammtes Land durch industrielle Landwirtschaft zerstört wurde.

Rund 100 Bundes- und Militärpolizisten bei der Räumung der Guarani-Gemeinde Apy Ka’y, deren angestammtes Land durch industrielle Landwirtschaft zerstört wurde.

© Aty Guasu

Damiana Cavanha sagte: „Wir akzeptieren das nicht. Ich bleibe hier, das ist mein Recht. Wir haben unsere Rechte. Es sind nicht nur die weißen Menschen, die Rechte haben, die Guarani Kaiowá und die indigenen Völker haben ebenfalls Rechte. So viele von uns sind gestorben, so viele Menschen, die von den bewaffneten Männern getötet wurden … Lassen Sie uns hier bleiben, wir haben Tekoha [angestammtes Land] und ich werde auf mein Tekoha zurückkehren.“

Ein Großteil des Landes der Guarani wurde ihnen gestohlen. Brasiliens Agrarindustrie versucht, indigene Gemeinden aus ihren angestammten Gebieten zu vertreiben. Sie verüben tödliche Gewalt und Rassismus, um ihr Land, ihre Ressourcen und ihre Arbeitskraft im Namen von „Fortschritt“ und „Zivilisation“ zu rauben.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Dies ist eine schreckliche Nachricht – und sie ist auf tragische Weise allzu typisch für die erschreckende Situation der Guarani in Brasilien. Wir können nicht tatenlos zusehen und die Zerstörung eines ganzen Volkes beobachten. Wenn das Recht der Guarani, auf ihrem Land zu leben, nicht respektiert und eingehalten wird, werden sie vernichtet.“