Indien: Verbot für BBC nach investigativer Naturschutz-Doku

BBC-Reporter Justin Rowlatt steht an der unmarkierten Grenze des Kaziranga-Nationalparks. Ein Indigener wurde erschossen, weil er die Grenze auf der Suche nach einer entlaufenen Kuh überquerte.

BBC-Reporter Justin Rowlatt steht an der unmarkierten Grenze des Kaziranga-Nationalparks. Ein Indigener wurde erschossen, weil er die Grenze auf der Suche nach einer entlaufenen Kuh überquerte.

© BBC

Berichten zufolge hat die indische Regierung der BBC das Filmen in Tiger-Schutzgebieten im ganzen Land für fünf Jahre untersagt, nachdem ein BBC-Korrespondent über das kontroverse Shoot-on-Sight (Schießen bei Sichtkontakt) im Naturschutz berichtet hatte.

Justin Rowlatt hatte die tödlichen Folgen untersucht, die Naturschutz für indigene Gemeinden im Umkreis des indischen Kaziranga-Nationalparks hat. Seine Reportage wurde im Februar ausgestrahlt und belegt Schläge, Folter und Tod in dem Nationalpark. 106 Personen sollen dort in den letzten 20 Jahren getötet worden sein, darunter ein junger Mann mit schwerer Lernbehinderung.

Rowlatt wurde zudem von der indischen Forstverwaltung der Entzug seines Visums angedroht.

Erst im Juli schossen Parkwächter auf einen 7-jährigen indigenen Jungen und verletzten ihn schwer; er wird voraussichtlich nie wieder richtig laufen können. Parkwächter sind „aufgefordert“ auf Eindringlinge zu schießen, erklärte ein Parkwächter in dem BBC-Bericht. Faktisch gilt zudem Immunität für Parkwächter, die verdächtige Personen verletzen oder töten.

Akash Orang, ein indigener Junge, wurde von Parkwächtern im Kaziranga-Nationalpark angeschossen, Assam, Indien.

Akash Orang, ein indigener Junge, wurde von Parkwächtern im Kaziranga-Nationalpark angeschossen, Assam, Indien.

© JEEPAL

Die Naturschutzbehörden haben versucht den Bericht als fehlerhaft darzustellen – trotz Interviews mit Parkwächtern und Betroffenen, Zitaten aus einem Bericht des Parkdirektors, Videomaterial von einer gewaltsamen Vertreibung und einem Interview mit einem indischen WWF-Vertreter, der Shoot-on-Sight nicht verurteilt.

Indiens Tigerschutz-Behörde (NTCA) hat bemängelt, dass der Bericht für eine „obligatorische Probevorführung“ beim indischen Außenministerium hätte eingereicht werden sollen, „um mögliche Abweichungen zu entfernen“.

NTCA hat zudem kritisiert, dass die Filmemacher „nach Sonnenuntergang“ gefilmt haben und von der ursprünglichen Inhaltsangabe gegenüber dem Umweltministerium abgewichen sind.

Zwei nicht-indigene Siedler wurden Ende 2016 während brutaler Vertreibungen am Rande von Kaziranga getötet.

Zwei nicht-indigene Siedler wurden Ende 2016 während brutaler Vertreibungen am Rande von Kaziranga getötet.

© The Wire

Gegenwärtig wird Kaziranga vergrößert, was zur illegalen Vertreibung von indigenen und anderen lokalen Gemeinden führen könnte.

Survival International ist führend im Kampf gegen Misshandlungen im Namen des Naturschutzes und wurde auch für die BBC-Dokumentation interviewt. Survival ruft zu einem Naturschutz-Modell auf, das indigene Völker als beste Naturschützer und Wächter der natürlichen Welt respektiert, und fordert ein Ende gefährlicher Strategien wie Shoot-on-Sight.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Die Zensur der Medien ist ein Markenzeichen von repressiven Regierungen. Diesmal wollen Naturschützer*innen der Pressefreiheit an den Kragen. Kaum überraschend, denn sie haben viel zu verstecken. Wie die BBC-Recherche zeigt, sind indische Naturschutz-Behörden für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Shoot-on-Sight ist illegal, unmoralisch und schädlich für den Naturschutz. Es ist Zeit, dass große Naturschutzorganisationen diesen Wahnsinn verurteilen.“