Ende der berüchtigten Menschensafaris in Sicht

Die Menschensafaris haben das Risiko einer Übertragung von Krankheiten erhöht, gegen die die abgeschieden lebenden Jarawa keine Abwehrkräfte haben.
Die Menschensafaris haben das Risiko einer Übertragung von Krankheiten erhöht, gegen die die abgeschieden lebenden Jarawa keine Abwehrkräfte haben.
© Survival

Die erniedrigenden „Menschensafaris“ auf Indiens Andamanen-Inseln könnten bald ein Ende finden, nachdem die Behörden angekündigt haben, dass ein neuer Seeweg um die Inseln eröffnet werden soll.

Die neue Route soll Tourist*innen von einer berüchtigten Straße (Andaman Trunk Road) fernhalten, die illegal durch die Wälder des zurückgezogen lebenden Jarawa-Volkes gebaut wurde.

Die Straße bringt täglich Hunderte Reisende in das Herz des Jarawa-Gebietes, die wie Tiere in einem Safaripark vorgeführt werden.

Ein Tourist beschrieb die Fahrt: „Die Reise durch das Gebiet der Indigenen war wie eine Safari. Wir sind durch dichten Regenwald gefahren und haben wilde Tiere gesucht, die Jarawa um genau zu sein.“

Die Menschensafaris sind auch gefährlich: Ein Jarawa-Junge verlor bei einem Unfall einen Arm, nachdem Reisende ihn von einem fahrenden Fahrzeug aus mit Essen beworfen hatten.

Den Jarawa, wie anderen erst kürzlich kontaktierten indigenen Völkern, droht eine Katastrophe, falls ihre Landrechte nicht respektiert werden.

Im Jahr 2002 hatte Indiens Oberster Gerichtshof angeordnet die Straße zu schließen, doch sie blieb in Betrieb.

Survival International führte eine weltweite Kampagne gegen die Menschensafaris und forderte einen Boykott der Tourismusbranche auf den Andamanen, bis die Safaris beendet würden. Fast 17.000 Menschen aus der ganzen Welt verpflichteten sich daraufhin, die Inseln nicht zu besuchen.

Der Boykott wird beendet, sobald die lokale Regierung gewährleistet, dass Tourist*innen die Straße nicht mehr nutzen.

Ein Tourist macht ein Foto mit einer Gruppe Jarawa.
Ein Tourist macht ein Foto mit einer Gruppe Jarawa.

© Mauricio Cordova / Survival International 2008

Hintergrund

- 2012 kamen schockierende Aufnahmen von Jarawa-Mädchen an die Öffentlichkeit, die zeigten, wie die Mädchen bei einer Menschensafari am Straßenrand tanzen mussten. Weltweit zeigten sich Menschen entrüstet vom unmenschlichen Umgang mit den Indigenen als Touristen-Attraktion.
- Die Jarawa sind eines der indigenen Völker der Andamanen. Sie leben als Jäger und Sammler und lehnten bis 1998 Kontakt mit der indischen Mehrheitsgesellschaft ab. Mehrere andere Völker auf den Inseln wurden nach der britischen Kolonisation der Andamanen im 19. Jahrhundert ausgelöscht.
- 1999 und 2006 brachen unter den Jarawa Masern aus. Masern sind oft eine Folge des erzwungenen Kontaktes und haben schon viele kürzlich kontaktierte Völker dezimiert.
- Tourismus ist eine bedeutende Industrie auf den Andamanen. Auf dem neuen Seeweg können Reisende den Norden der Andamanen erreichen und Attraktionen wie die Kalkstein-Höhlen und den Schlammvulkan in Baratang besuchen, ohne in das Gebiet der Jarawa einzudringen.
- Professor Mukhi von der Lokalregierung gab nun bekannt, dass der Seeweg schneller und bequemer sein wird, als die Reise über die aktuelle Straße.

Dieses Standbild aus einem Video zeigt, wie Jarawa-Mädchen bei einer Menschensafari tanzen müssen.
Dieses Standbild aus einem Video zeigt, wie Jarawa-Mädchen bei einer Menschensafari tanzen müssen.
© Anon

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Die Jarawa wie ein Touristenspektakel zu behandeln war ekelhaft – und es hat ihr Leben gefährdet. Ein Ende der Menschensafaris ist mehr als überfällig. Wenn der Seeweg das bewirken kann, begrüßen wir ihn. Falls nicht, werden wir uns weiter für das Recht der Jarawa einsetzen, selbst ihre Zukunft zu bestimmen, ohne von Reisenden belästigt zu werden."