Indien: Neue Kritik an Tiger-Behörde wegen Rechtsverletzung

Diese Baiga wurde aus dem Tiger-Schutzgebiet Kanha vertrieben.
Diese Baiga wurde aus dem Tiger-Schutzgebiet Kanha vertrieben.

© Survival

Indiens Tigerschutz-Behörde (NTCA) gerät zunehmend unter Druck. Die Behörde hatte rechtswidrig angeordnet, die Rechte von indigenen Völkern in Tiger-Rreservaten nicht anzuerkennen. Daraufhin hatte Survival International im November zum globalen Tourismus-Boykott der Schutzgebiete aufgerufen.

Survival wurden nun Informationen zugespielt, denen zufolge die indische Kommission für indigene Völker (NCST) die Anordnung der Tigerschutz-Behörde in privaten Treffen in Delhi direkt in Frage gestellt hat. Die Kommission forderte, dass die Behörde alle Pläne für Vertreibungen von indigenen Völkern, die seit Jahrtausenden von ihren Wäldern abhängig sind und sie nachhaltig bewirtschaften, auf Eis legt.

Nachdem die Kommission gefordert hatte, sich mit der NTCA zu treffen, argumentierte sie, dass die Anordnung gegen das indische Forstgesetz verstoße, welches die Rechte indigener Völker in ihren Wäldern garantiert. Das Forstgesetz reagiert auf das „historische Unrecht“ gegen indigene Völker und andere „traditionelle Waldbewohner*innen“.

Im November trafen sich Vertreter von indigenen Gemeinschaften mit Menschenrechtler*innen und Umweltaktivist*innen in Delhi, inmitten wachsender Besorgnis über den NTCA-Erlass.

Nachdem sie von ihren angestammten Gebieten vertrieben wurden, sehen sich viele indigene Völker immensen Schwierigkeiten gegenüber. Diese Menschen arbeiten unter schrecklichen Bedingungen in einer Bauxitmine.
Nachdem sie von ihren angestammten Gebieten vertrieben wurden, sehen sich viele indigene Völker immensen Schwierigkeiten gegenüber. Diese Menschen arbeiten unter schrecklichen Bedingungen in einer Bauxitmine.

© Sayantan Bera/Survival

J.K. Thimma, ein Jenu Keruba-Mann, der im Nagarhole-Nationalpark lebt und bei dem Treffen anwesend war, sagte: „Der NTCA-Erlass ist ein Angriff auf unsere Kultur und unsere Tradition. Er ist verfassungsfeindlich. Die NTCA hat kein Recht, die Umsetzung eines vom Parlament verabschiedeten Gesetzes zu stoppen … Das ist die Leugnung unserer Existenz. Die Anordnung muss so schnell wie möglich zurückgezogen werden, sie versetzt uns alle in Angst.“

Ein anderer Indigener, Shankar Barde aus dem Tigerschutz-Gebiet Tadoba, sagte: „Nach jahrelangen Einschränkungen und Schwierigkeiten wurde uns Anfang des Jahres von der Bezirksverwaltung mitgeteilt, dass unsere Rechte anerkannt wurden. Wir waren aufgeregt … aber dann wurde uns von der Bezirksverwaltung gesagt, dass der Erlass der NTCA die Anerkennung unserer Rechte nicht zulässt. Das ist eine völlige Ungerechtigkeit. Dutzende Leute von Außerhalb verdienen in unserem Hinterhof große Summen, während wir darum kämpfen müssen, in Würde zu leben.“

Das indische Gesetz besagt ausdrücklich, dass die NTCA nicht befugt ist, „die Rechte der lokalen Bevölkerung, insbesondere … der indigenen Völker, zu stören oder zu beeinträchtigen“. Die Rechte indigener Völker unterliegen der Zuständigkeit des Ministeriums für indigene Angelegenheiten.

Trotzdem haben Naturschutzbehörden die Rechte indigener Völker verletzt. In ganz Indien leiden indigene Gemeinden unter Schikanen, Zwang und illegalen Vertreibungen aus ihren angestammten Gebieten im Namen des Naturschutzes.

Indigene Völker haben Lebensformen entwickelt, die weitgehend autark und außerordentlich vielfältig sind. Ihre Aktivitäten sind nicht die Ursache rückläufiger Tigerbestände.
Indigene Völker haben Lebensformen entwickelt, die weitgehend autark und außerordentlich vielfältig sind. Ihre Aktivitäten sind nicht die Ursache rückläufiger Tigerbestände.

© Survival

Nach einer Vertreibung droht indigenen Völkern ein Leben in Armut und Ausgrenzung am Rande der indischen Gesellschaft. In der Zwischenzeit besuchen zahlreiche Urlauber*innen Tigerreservate, wodurch Tigerlebensräume zerstört und Tiger anfälliger für Wilderei werden.

Survival International kämpft weltweit gegen Ungerechtigkeit und Misshandlungen im Namen des Naturschutzes.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte: „Dieser Erlass ist ein Angriff auf indigene Völker – und er ist illegal. Umweltverschmutzende und zerstörerische Industrien wie Uranabbau und Tourismus sind anscheinend in Tigerreservaten willkommen, aber Naturschützer*innen in Indien sind weiterhin entschlossen, Indigene von ihrem Land zu vertreiben. Es ist Zeit, dass sie sich mit den besten Naturschützern und Wächtern der Natur zusammenschließen und aufhören, sie zu verfolgen. Indigene Völker kennen ihr Land und seine Tiere besser als die Naturschützer*innen.“