Kolumbien – Nukak fordern Rückkehr auf ihr angestammtes Land

Nukak Frau, Kolumbien, 2017. Mehr als die Hälfte der Nukak starb nach dem ersten Kontakt durch Krankheiten und die brutale Gewalt von Eindringlingen, die ihr Land stahlen.
Nukak Frau, Kolumbien, 2017. Mehr als die Hälfte der Nukak starb nach dem ersten Kontakt durch Krankheiten und die brutale Gewalt von Eindringlingen, die ihr Land stahlen.
© Survival

Das indigene Volk der Nukak fordert von den kolumbianischen Behörden die Rückgabe seines angestammten Landes. Die Nukak gehören zu den bedrohtesten Gesellschaften dieses Planeten und den letzten Indigenen Kolumbiens, denen der Kontakt aufgezwungen wurde.

Die Nukak haben fast drei Jahrzehnte lang gekämpft, um friedlich auf dem Land ihrer Vorfahren zu leben. Seit sie 1988 zum Kontakt genötigt wurden, mussten sie infolge von Angriffen und Massakern aus ihrem Wald fliehen. Über 50 % starben aufgrund von Krankheiten wie Malaria und Grippe sowie Gewalt durch Holzfäller, Koka-Bauern, Paramilitärs und andere Eindringlinge.

Derzeit wächst die Liste von 65 indigenen Völkern in Kolumbien, die ihrem physischen und kulturellen Verschwinden die Stirn bieten müssen. Trotz der dramatischen Lage hat die kolumbianische Regierung noch keine öffentliche Politik über den Umgang mit unkontaktierten Völkern erlassen.

In einem Video, dass Survival International exklusiv vorliegt, fordert ein Vertreter der Nukak von der Regierung die Rückkehr seines Volkes auf sein angestammtes Land: „Warum reden wir über Territorium? Wo unser Gebiet ist, haben wir alles. Dort haben wir unser Essen, unseren Lebensunterhalt. Dort haben wir all das Wissen, die Lehren für die Jungen.“

1993 wurde das Gebiet der indigenen Nukak nach einer internationalen Kampagne von Survival, ONIC und anderen Organisationen anerkannt. Dennoch fielen illegale bewaffnete Gruppen und Koka-Bauern in ihren Wald ein. Es wird vermutet, dass ihr Gebiet mit Antipersonen-Minen verseucht ist. Außerdem mussten viele von ihrem Land fliehen, weil sie in dem gewaltsamen bewaffneten Konflikt verwickelt wurden, der seit Jahren Kolumbien erschüttert.

Das Abkommen zur Beendigung des Konflikts und den Aufbau eines stabilen und dauerhaften Friedens, das die Regierung Kolumbiens und die FARC 2016 unterzeichnet haben, enthält im „ethnischen Kapitel“ (Capítulo Étnico) ein besonderes Abkommen über die Rückkehr, Rückgabe und Rückerstattung des Landes der Nukak.

Jedoch können sie noch immer nicht auf ihr Land zurückkehren. Ihre Häuser im Wald gibt es nicht mehr, und das nomadische indigene Volk, das sich durch Jagen und Sammeln ernährte, ist auf einige zumeist sesshafte Gemeinden von Geflüchteten reduziert. Sie überleben geradeso in provisorischen Lagern, sie können weder jagen noch fischen und sind abhängig von staatlicher Hilfe oder werden als Koka-Pflücker ausgebeutet. Sie leiden unter Krankheiten wie Tuberkulose sowie Unterernährung. Derart entfremdet und hoffnungslos konsumieren viele Drogen und Alkohol. Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch sind verbreitet, und manche greifen als letztes Mittel auf die Selbsttötung zurück.

Die Nukak überleben gerade so in Notunterkünften mit Blechdächern und sind abhängig von staatlicher Unterstützung. Sie sind eines der am meisten bedrohten indigenen Völker Kolumbiens.
Die Nukak überleben gerade so in Notunterkünften mit Blechdächern und sind abhängig von staatlicher Unterstützung. Sie sind eines der am meisten bedrohten indigenen Völker Kolumbiens.
© Survival

Survivals Direktor Stephen Corry sagte dazu: „Seit dem Kontakt in den späten 1980er Jahren mussten die Nukak mit ansehen, wie die Hälfte ihres Volkes starb. Sie wurden durch Krankheiten, die von evangelikalen Missionaren und anderen Eindringlingen eingeschleppt wurden, zerstört und haben am eigenen Leib die grausame Gewalt des kolumbianischen bewaffneten Konflikts erfahren. Allen Widrigkeiten zum Trotz überleben sie. Und es ist an der Zeit, dass die kolumbianische Regierung für das unberechenbare Leid, das ihnen angetan wurde, ihr Land erstattet: Bringt die Nukaks auf ihr angestammtes Land zurück!“

Hintergrundinformationen:

- In den letzten Jahren haben das Innenministerium, zivilgesellschaftliche Gruppen und indigene Nachbargemeinden von unkontaktierten Völkern des kolumbianischen Amazonasgebiets die “erste öffentliche Politik zum Schutz unkontaktierter Völker in Kolumbien”: https: //www.elespectador.com/noticias/medio-ambiente/una-politica-de-buen-vecino-para-los-pueblos-aislados-colombianos-articulo-721038 ausgearbeitet. Dieses Dekret wurde jedoch noch nicht verabschiedet.

- Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten. Der Kontakt ist immer fatal und muss ihre alleinige Entscheidung sein. Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird.