Indigener Anführer im nördlichen Amazonasgebiet ermordet

Wajãpi-Männer im nördlichen Amazonasgebiets Brasiliens.

Wajãpi-Männer im nördlichen Amazonasgebiets Brasiliens.

© Fiona Watson/Survival

Ein Anführer des Wajãpi-Volkes wurde in Brasilien ermordet.

Die Leiche von Emyra Wajãpi wurde am 23. Juli von Angehörigen des Volkes gefunden. APINA, der Verband der Wajãpi-Dörfer, hat eine Erklärung veröffentlicht. In der heißt es, dass, obwohl kein Wajãpi Zeuge der Ermordung war, sie glauben, dass Emyra am Vortag von Außenstehenden getötet wurde.

Am 26. Juli berichteten die Wajãpi der Gemeinde Yvytotõ – in der Region, in der der Mord geschah – , dass schwer bewaffnete Goldgräber in ihr Dorf eingedrungen seien. Die Bergleute bedrohten sie und besetzten gewaltsam ein Wajãpi-Haus.

Die gesamte Gemeinde floh in ein Nachbardorf, das ein SOS über Funk aussendete, um die Hilfe der Bundespolizei zu erhalten. Ein Polizeiteam kam am 28. Juli auf dem Gebiet der Wajãpi an.

COIAB, die Koordination der indigenen Organisationen des brasilianischen Amazonasgebietes, hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ihre Empörung über die Invasionen von indigenen Gebieten zum Ausdruck bringt. Diese werden „durch die unverantwortlichen, autoritären und voreingenommenen Positionen der derzeitigen Regierung – insbesondere von Präsident Bolsonaro – und ihren Angriff auf die Rechte der ersten Völker dieses Landes ermutigt“.

Das Guarani-Volk im Mittelwesten Brasiliens sagte: „Wir laden alle ein, zusammen mit den indigenen Völkern gegen den derzeit stattfindenden und von der jetzigen Regierung reaktivierten Völkermordanschlag zu kämpfen.“

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Die jüngsten Kommentare von Präsident Bolsonaro zur Öffnung indigener Gebiete für den Bergbau ermutigen illegale Goldsucher und andere Eindringlinge. Er hat den indigenen Völkern Brasiliens praktisch den Krieg erklärt. Sie und ihre Verbündeten auf der ganzen Welt werden nicht aufhören, sich zu wehren.“

Survival International verurteilt die illegale Invasion des Wajãpi-Gebietes durch Goldsucher und fordert die Regierung auf, sie zu vertreiben und vor Gericht zu stellen.

Die Wajãpi-Indianer wurden 1973 von Außenstehenden kontaktiert, als die Militärdiktatur eine Autobahn durch einen Teil ihres Landes planierte. Die Autobahn ebnete den Weg für mehrere Invasionen durch Goldsucher, die eine immense Zerstörung des Waldes verursachten und Krankheiten verbreiteten, die viele Wajãpi töteten.

Sie haben jahrelang für ihre Landrechte gekämpft und ihr Gebiet selbst kartiert. Ihr Territorium wurde 1996 endgültig offiziell anerkannt.

Heute zählen sie etwa 1.500 Menschen und sind für ihren Lebensunterhalt ganz auf Wald und Flüsse angewiesen. Wie viele indigenen Völker haben sie eine tiefe spirituelle Verbindung zu ihrem Land. Ein Wajãpi-Mann sagte gegenüber Survival: „Unser Leben hängt vom Leben auf der Erde und im Wald ab.“