Protest gegen berüchtigte „Fließband-Schule” als Austragungsort des Anthropologie-Weltkongresses: Schulgründer bezeichnet Indigene als „primitiv”

Indigene Kinder versammeln sich am Kalinga Institute for Social Sciences (KISS)

Indigene Kinder versammeln sich am Kalinga Institute for Social Sciences (KISS)
© KISS

Hunderte von indigenen Anführer*innen, Aktivist*innen und Anthropolog*innen haben den Plan verurteilt, den Weltkongress für Anthropologie im Jahre 2023 in der weltgrößten „Fließband-Schule“ abzuhalten. In dieser Schule wird indigenen Kindern vermittelt, dass sie „niemals vollständig menschlich“ seien.

Gegner*innen haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die International Union of Anthropological and Ethnological Sciences (IUAES) und andere anthropologische Organisationen auffordern, ihre Verbindungen zum indischen Kalinga Institute of Social Sciences (KISS), einer riesigen Internatsschule für 30.000 Kinder aus indigenen Gemeinden, zu kappen.

KISS nennt sich selbst ein „anthropologisches Forschungslabor“, während es die Kinder der indigenen Adivasi von ihrer Kultur, Sprache und Lebensweise trennt. Die erklärte Mission der Schule ist es, „Steuerempfänger zu Steuerzahlern, Bürden zu Gewinnen zu machen“.

KISS hat vor kurzem gemeinsam mit dem berüchtigten Bergbauunternehmen Adani eine Zweigstelle der Schule eröffnet. Ein Sprecher der Oraon Adivasi, Nicholas Barla, sagte: „Die Partner von KISS sind dieselben Unternehmen und Konzerne, die uns unser Adivasi-Land wegnehmen, uns unserer Lebensgrundlage berauben und uns zwingen, im Elend zu leben — in Slums unter menschenunwürdigen Bedingungen.“

Einer der Unterzeichner der Petition, Pranab Doley vom Volk der Mising, sagte: „Das Bildungsmodell, das KISS fördert, richtet sich gegen die Adivasi und gegen Kinder. Das Ziel dieses Modells ist es, Adivasi-Kinder zu kolonisieren und sie von ihrem eigenen Land und ihrer eigenen Kultur zu entwurzeln.“

30.000 Mädchen und Jungen aus verschiedenen Adivasi-Gemeinschaften verbringen 9 Monate im Jahr im Internat von KISS.

Ein anonymer Internatsschüler sagte gegenüber Survival: „Der stellvertretende Generaldirektor erklärte uns: ‚Wir geben euch hier so viel, aber ihr werdet immer Adivasi bleiben — niemals vollständig menschlich.‘“

Im Jahr 2019 hielt der Gründer von KISS eine Rede, in der er eine Gemeinde der Adivasi namentlich als „Affen“ bezeichnete und sagte: „Es gibt so viele verschiedene primitive Stämme – sie verstehen überhaupt nichts.“

Prof. Nandini Sundar, ein renommierter Soziologe der Universität von Delhi, der den Aufruf unterzeichnet hat, sagte: „Es ist eine Absurdität, dass ein anthropologischer Kongress, dessen Ziel das Verständnis der menschlichen Existenz ist, sich mit einer Institution zusammenschließt, die darauf abzielt, jegliches Verständnis der indigenen Völker in ihrem eigenen Heimatstaat Odisha zu blockieren.“

Survival International setzt sich dafür ein, Fließbandschulen wie KISS zu schließen. Diese Schulen rauben rund zwei Millionen indigenen Kinder ihre Identität und bringen ihnen bei, sich dafür zu schämen, wer sie sind und woher sie kommen. Survival setzt sich dafür ein, dass die Bildung der Indigenen unter indigene Kontrolle gestellt wird.