HINTERGRUNDINFORMATION

Klimawandel

Indigene Völker gehören ins Zentrum der Umwelt- und Klimabewegung

Die indigene Bevölkerung in der Arktis gehört bereits jetzt zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Menschen.Die indigene Bevölkerung in der Arktis gehört bereits jetzt zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Menschen.

© C. Sarmik/ Survival 2014


Indigene Völker stehen an vorderster Front des Klimawandels. Sie leiden bereits unter seinen Folgen – aber ihre Stimmen werden zum Schweigen gebracht oder an den Rand der Debatte gedrängt.

Sie leben dort, wo die Auswirkungen des Klimawandels wahrscheinlich am stärksten sein werden. Außerdem sie sind für ihren Lebensunterhalt und ihre Lebensweise weitgehend von der natürlichen Umwelt abhängig. Sie sind anfälliger für den Klimawandel als andere, aber sie sind die Menschen, die am wenigsten zu ihm beitragen.

Viele der Triebkräfte des Klimawandels – darunter Öl- und Gasförderung, Bergbau und Entwaldung – haben bereits indigenes Land zerstört.

Einige der vorgeschlagenen „Lösungen“ zur Eindämmung des Klimawandels bedrohen auch das Land und das Leben indigener Völker. „Minderungsmaßnahmen“, wie die so genannten „natürlichen Klimalösungen“, drohen ihre Rechte zu verletzen und machen es Regierungen, Unternehmen, großen Naturschutzorganisationen und anderen leichter, ihr Land zu stehlen, auszubeuten und zu zerstören.

Indigene Völker müssen wichtige Partner im Kampf gegen den Klimawandel sein und ihre Landrechte müssen anerkannt werden. Sie sind die besten Hüter der Natur, und es ist erwiesen, dass ihre Gebiete die beste Barriere gegen Abholzung sind. Sie verfügen über ein einzigartiges Wissen über ihre Umwelt.

 
„Der Klimawandel hat in unserem Land begonnen. Die reichen Länder haben viele Kilometer des Amazonas-Regenwaldes verbrannt und zerstört. Wenn man große Bäume fällt und den Wald in Brand steckt, trocknet die Erde aus. Die Welt muss auf den Schrei der Erde hören, die um Hilfe bittet.“ 
Yanomami, Brasilien

Was bedeutet Klimawandel?

Der Begriff Klimawandel bezieht sich auf den durchschnittlichen Anstieg der Erdtemperatur, der durch vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen verursacht wird. Er wird hauptsächlich durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt, aber auch die Entwaldung verursacht etwa 10 Prozent der Treibhausgasemissionen, da Wälder als „Senken“ fungieren, die Kohlenstoff aufnehmen und speichern, der bei der Verbrennung freigesetzt wird. 
 
Obwohl er von den Industriegesellschaften verursacht wird, setzen viele der vorgeschlagenen Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels voraus, dass indigene Völker den Preis für die von „uns“ verursachte Zerstörung zahlen müssen. Diese vermeintlichen Lösungen werden ohne die Zustimmung der indigenen Völker beschlossen und durchgesetzt. Und sie werden nicht funktionieren. Ein Programm mit dem Namen „Verringerung der Emissionen aus Entwaldung und Degradierung von Wäldern“ (REDD+) hat bereits viele Gemeinden vor Probleme gestellt, aber nichts zur Verhinderung des Klimawandels beigetragen. Viele Naturschutzorganisationen wollen nun die unter strengem Naturschutz stehende Landfläche ausweiten. Dies wird die ursprünglichen Bewohner*innen verdrängen, aber das Artensterben und den Klimawandel nicht aufhalten.
 

Wogegen kämpfen wir?

Falsche Lösungen für den Klimawandel

„Festungsnaturschutz“

Es gibt zahlreiche Beweise dafür, dass indigene Völker ihre Umwelt so gut verstehen und verwalten wie niemand sonst. 80 % der biologischen Vielfalt unseres Planeten befindet sich in indigenen Gebieten. Wenn die Landrechte von indigenen Völkern geschützt sind, erzielen sie mindestens gleiche, wenn nicht sogar bessere Ergebnisse beim Naturschutz – zu einem Bruchteil der Kosten konventioneller Naturschutzprogramme.

Dennoch werden indigene Völker im Namen des „Naturschutzes“ illegal von ihrem angestammten Land vertrieben, um Nationalparks und andere Schutzgebiete zu schaffen, die den Klimawandel abschwächen sollen. Indigene Völker werden der „Wilderei“ beschuldigt, obwohl sie nur für ihren Lebensunterhalt jagen. Und ihnen drohen Haft, Schläge, Folter und Tod in ihren eigenen Gebieten, während zahlende Großwildjäger ermutigt werden. Sie werden für den Rückgang der Wildtiere, den sie nicht verursacht haben, verantwortlich gemacht.

Große Naturschutz-NGOs wie der WWF drängen nun darauf, die Zahl der Schutzgebiete weltweit zu verdoppeln, so dass sie dreißig Prozent der Land- und Meeresflächen der Erde bedecken. Dieselben NGOs arbeiten mit Holzfirmen und Unternehmen zusammen, die für die enormen Kohlenstoffemissionen verantwortlich sind.

Diese Idee, die jetzt „New Deal for Nature“ genannt wird, wird schreckliche Folgen für unsere Umwelt und die indigenen Völker haben. Sie wird denjenigen das Land stehlen, die am besten in der Lage sind, es zu schützen, und sie wird die Aufmerksamkeit von den Ursachen der Umweltzerstörung ablenken. Viele Schutzgebiete laden zum Massentourismus ein und sie beherbergen oft Trophäenjagd, Abholzung und Bergbau.

Für weitere Informationen schließe dich unserer Kampagne an #DecolonizeConservation

Klimaschutzprojekte

Die Idee von Projekten, die auf „Kompensation“ basieren, besteht darin, dass Unternehmen und Regierungen, die für eine bestimmte Menge an Kohlendioxidemissionen verantwortlich sind, Projekte an anderen Orten finanzieren können, die die gleiche Menge an Kohlenstoff „einfangen“. Dies ermöglicht es den wirklichen Verschmutzer*innen, ihr Image aufzubessern, ohne ihre Emissionen zu reduzieren.

Es gibt zwei Möglichkeiten, dies zu tun. Beide sind unwirksam gegen den Klimawandel und gefährlich für indigene Völker. Und sie lenken auch Geld um, dass in die Verringerung der Emissionen fossiler Brennstoffe laufen sollte.

REDD+-Projekte, die angeblich Wälder vor der Abholzung schützen, generieren Kohlenstoff-„Gutschriften“, die Unternehmen und Regierungen kaufen können, um ihre Kohlenstoffemissionen „auszugleichen“. Indigene Menschen haben wiederholt ihre Besorgnis über REDD geäußert. Die Projekte hängen ein Preisschild an ihr Land und ihre Wälder, das wahrscheinlich zu noch mehr Landraub führen wird. Ein großer Teil der weltweiten Wälder in REDD-Programmen sind Territorien indigener Völker oder anderer lokaler Gemeinschaften. Diese Projekte untergraben ihre Lebensweise.

„Wir haben die Erfahrungen anderer indigener Völker gesehen, die REDD und seine Kohlenstoffkredite und Naturschutzprojekte akzeptiert haben. Sie können nicht mehr jagen, Feldfrüchte anbauen oder Materialien verwenden, die sie für Feste und Rituale benötigen. Wir wissen, wie wir uns um die Natur kümmern müssen, weil sie unsere Mutter ist, und wir wollen kein weiteres Abkommen über Emissionsgutschriften, weil dies nur eine weitere Möglichkeit ist, uns von unserem heiligen Land zu entfernen.“ 

Kayapo, Brasilien

Wofür kämpfen wir?

Wir müssen die Umweltbewegung entkolonialisieren und den Erfahrungen, Stimmen und Ansichten der am meisten marginalisierten und bedrohtesten Gesellschaften der Welt Platz einräumen. Indigene Völker bewohnen und verwalten seit Generationen die artenreichsten Orte der Erde.  
 
Wir müssen die menschliche Vielfalt in den Mittelpunkt des Klimaschutzes rücken, denn diejenigen, die anders als wir leben, sind diejenigen, die einige der besten Antworten darauf haben, wie man leben kann.
 
Wir müssen die Landnahme im Namen des Naturschutzes oder des Klimawandels stoppen.
 
Es ist eine dringende Angelegenheit. Für indigene Völker, für die Natur, für die gesamte Menschheit.
 

„Das Geschenk der biologischen Vielfalt gehört im Moment uns, aber wenn wir es verlieren, werden wir nicht nur die Tiere und die Pflanzen verlieren, sondern auch wir Menschen werden darunter leiden. Ich kann Ihnen sagen, dass es hier Flüsse gibt, deren Betten austrocknen, und das ist noch nie passiert. Heute können wir keine wilden Mangos mehr essen wie früher in der Trockenzeit, weil sie nicht mehr so wachsen wie früher. Das sind nur einige der Veränderungen, die durch die Zerstörung des Waldes geschehen.“ 
Baka, Kamerun
 
 

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