
Vor allem durch Reiseberichte, koloniale Erzählungen und Propaganda wurden rassistische Vorstellungen von indigenen Menschen schon vor Jahrhunderten verbreitet. Viele dieser Bilder halten sich bis heute hartnäckig und angeblich „harmlose” Figuren wie „Winnetou” tragen den jahrhundertealten Rassismus gegenüber indigenen Völkern bis heute in unsere Wohn- und Klassenzimmer.
Obwohl die meisten dieser Geschichten mittlerweile als „Fiktion” gesehen werden, beeinflussen sie weiterhin die Wahrnehmung von und Erwartungen an indigene Menschen. Sie reduzieren sie auf stereotype Projektionen und lenken den Blick weg von historischer und aktueller Gewalt: Kolonialismus, Völkermord, Landraub und Rassismus. Diese verzerrten Darstellungen sind eng mit globalen Menschenrechtsverletzungen und fortdauernden Formen kolonialer Gewalt verknüpft.
Repräsentation ist nicht neutral. Stereotype Bilder wirken in Bildungsinstitutionen, Medien und im öffentlichen Diskurs und verfestigen Ausgrenzung.
Die Podiumsdiskussion will erkunden, wie diese Darstellungen mit Rassismus und globalen Machtverhältnissen zusammenhängen und wie koloniale Kontinuitäten dadurch bis heute fortwirken.
Die Veranstaltung knüpft an die Kampagne „Escaping Winnetou“ von Survival International an und ist als moderiertes Gespräch mit anschließender Publikumsdiskussion angelegt.
Wann: Dienstag, 28. April 2026, 18:30 bis 20:30 Uhr
Wo: ACUD MACHT NEU, Veteranenstraße 21, 10119 Berlin
Redner*innen
Carmen Ibáñez ist Sozial- und Kulturanthropologin und Visiting Professor am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin. Ihre Forschung untersucht indigene Gesellschaften der Anden mit einem Schwerpunkt auf Zeitregimen, Materialität und Geschlechterverhältnissen sowie auf den kolonialen Machtstrukturen, die deren Repräsentation bis heute prägen. Sie engagiert sich zudem institutionell als akkreditierte Ombudsperson für Antirassismus.
Ibrahim Arslan überlebte die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992. Bei dem Anschlag verloren seine Großmutter Bahide Arslan, seine Schwester Yeliz Arslan und seine Cousine Ayşe Yılmaz ihr Leben. Er engagiert sich seit vielen Jahren in der Antirassismus-Arbeit, indem er bundesweit auf Veranstaltungen, Konferenzen, vor allem aber in Schulen als Politischer Bildungsreferent aus der Perspektive der Betroffenen berichtet. Durch die "Möllner Rede im Exil", die er seit 2013 gemeinsam mit seiner Familie und dem Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992 veranstaltet, kämpft er für eine neue Kultur des Gedenkens in Deutschland, die die Angehörigen rassistischer Morde und Anschläge ins Zentrum Erinnerungspolitik rückt. Er ist an zahlreichen wegweisenden Initiativen beteiligt und seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet.
Llanquiray Painemal ist Mapuche und in der Lof Coiwe-Painemal in Wallmapu aufgewachsen und sozialisiert. Sie hat in Berlin Sozialwissenschaft studiert und beschäftigt sich unter anderem mit der emanzipatorischen Bewegung der Indigenen, insbesondere der Frauen, in Abya Yala. Derzeit arbeitet sie an der Wiedererlangung des Mapuzungun als konkrete antikoloniale Praxis. Sie hat zahlreiche Artikel publiziert und ist in verschiedenen Kollektiven in Berlin organisiert, die sich unter anderem mit Migrations- und Flüchtlingspolitik befassen. Seit ihrer Jugend ist sie in der politischen Mapuche-Bewegung aktiv. Von Berlin aus sensibilisiert sie für die Geschichte der Mapuche und deren Verbindung zu Deutschland sowie für die ständige Kriminalisierung und den Rassismus gegen die Mapuche in Wallmapu.
Mel ist Autor*in, Aktivist*in und Workshop-Leiter*in mit peruanischen Wurzeln. Mels Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von digitalem Aktivismus, Awareness-Arbeit und künstlerischer Praxis und beschäftigt sich mit der Sichtbarmachung und Dekonstruktion kolonialer Kontinuitäten. Ein Schwerpunkt der medienkritischen Arbeit liegt auf der Aufklärung über die Instrumentalisierung indigener/ südamerikanischer Narrative in westlichen Medienproduktionen, unter anderem im Zusammenhang mit dem Film YABADU. Dabei verbindet Mel intersektionale Perspektiven mit dem Ansatz der radikalen Zärtlichkeit, um selbstbestimmte Räume für diasporische Communities zu öffnen. Als Kinderbuchautor*in setzt sich Mel außerdem für die Sichtbarkeit bilingualer und diasporischer Lebensrealitäten ein und initiiert Workshops und Gespräche zu intersektionaler Solidarität und globaler Verantwortung.