Tansania: Kommissionen fordern Massenvertreibung von Maasai aus dem Serengeti-Ökosystem
18 März 2026
© Ikulu Tanzania/ YoutubeZwei präsidiale Kommissionen haben die Massenvertreibung der Maasai aus einigen der bekanntesten Naturschutzgebieten und Touristenzielen Ostafrikas empfohlen.
Die Kommissionen wurden 2024 von Tansanias Präsidentin Samia Suluhu Hassan eingesetzt. Sie reagierte damit auf Massenproteste der Maasai im Ngorongoro-Schutzgebiet gegen vorausgegangene Vertreibungen aus Teilen des weltberühmten Serengeti-Ökosystems.
Trotz weltweiter Kritik an den früheren, teils gewalttätigen Vertreibungen haben die beiden Kommissionen nun:
- die bisherigen Vertreibungen gutgeheißen und deren Fortsetzung gefordert, auch in der UNESCO-Welterbestätte Ngorongoro und dem benachbarten Natronsee;
- die Anwesenheit der Maasai, die seit Generationen in diesen Gebieten leben, als „Umweltbelastung“ bezeichnet, die reduziert werden müsse;
- lokale NGOs, welche die Maasai unterstützen, bedroht und ihnen vorgeworfen, „Fehlinformationen oder Propaganda zu verbreiten“, da diese „im Widerspruch zu Regierungsinteressen“ stünden;
- die „Umsiedlung“ aller „nicht naturschutzbezogenen Aktivitäten“ – also die Präsenz der Maasai – aus den Schutzgebieten gefordert;
- empfohlen, die bestehende Anerkennung des Rechts der Maasai, im Ngorongoro-Schutzgebiet zu leben, aufzuheben.
Eine anonyme Sprecherin der Maasai erklärte heute:
„Uns wird die Zerstörung der Umwelt vorgeworfen, während die ungebremste Ausweitung des Tourismus ignoriert wird. Zwangsumsiedlungen, als Politik getarnt, haben unserem Volk Grundrechte und seine Würde genommen. Wir lehnen jede Fortsetzung dieser Maßnahmen ab und verurteilen das Versagen der Kommission, die Stimmen, Realitäten und Rechte unseres Volkes widerzuspiegeln.“

Die tansanischen Behörden betonen, es handele sich um „freiwillige Umsiedlungen“. Die Maasai lehnen jedoch das Verlassen ihres Landes mit überwältigender Mehrheit ab.
Das Schutzgebiet Ngorongoro ist eine UNESCO-Welterbestätte. Bei seiner Einrichtung wurde das angestammte Recht der Maasai, dort mit ihrem Vieh zu leben, ausdrücklich anerkannt. Das Welterbekomitee der UNESCO hat jedoch die sogenannten „freiwilligen Umsiedlungen“ unterstützt und befürwortet das Modell des „Festungsnaturschutzes“, den die tansanische Regierung verfolgt.
Die Direktorin von Survival International, Caroline Pearce, erklärte heute:
„Diese Kommissionen waren eine Farce – ein Trick, der der gewaltsamen Verfolgung der Maasai in Tansania einen Anschein von Legitimität verleihen sollte. Es wurde von vielen erwartet, dass sie weitere Vertreibungen unterstützen würden: Die gesamte Geschichte bestätigt lediglich, dass kolonial geprägter Festungsnaturschutz in Tansania weiterhin lebendig ist – und von der UNESCO aktiv unterstützt wird.
Diese Kommissionen geben grünes Licht für weitere Vertreibungen, in Ngorongoro und darüber hinaus. Während den Maasai Land und Lebensgrundlage gestohlen wird, können Regierung, Reiseanbieter und selbsternannte Naturschützer*innen von einer Landschaft profitieren, die ihrer ursprünglichen Bewohner*innen beraubt wurde.“
Hinweise an die Redaktion:
- Die Berichte der Kommissionen wurden bisher nicht veröffentlicht, ihre Ergebnisse wurden bei einer offiziellen Veranstaltung mit der Präsidentin vorgestellt.
- Die erste Kommission untersuchte vorausgegangene Vertreibungen, etwa jene aus Loliondo im Jahr 2022; die zweite hatte den Auftrag, Empfehlungen zur Verbesserung von „Umsiedlungen“ zu erarbeiten.
- Die deutsche Regierung und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt unterstützen ebenfalls Projekte der tansanischen Regierung im Serengeti-Ökosystem. Auch sie haben in der Vergangenheit die Landrechte der Maasai im Ngorongoro-Schutzgebiet in Frage gestellt und wurden von Maasai-Verteter*innen dafür wiederholt kritisiert.
- Der Bericht „Decolonize UNESCO“ von Survival International beleuchtet die Mitverantwortung der UNESCO für Menschenrechtsverletzungen in Schutzgebieten – unter anderem in Tansania.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Niklas Ennen
+49 (0)30 7229 3108



