Pygmäen

 
 

Die „Pygmäen“ Zentralafrikas sind traditionell Jäger und Sammler, die in den Regenwäldern der Region leben.

© Salomé/Survival

Der Ausdruck „Pygmäen“ ist teilweise negativ besetzt, wird jedoch von einigen Gruppen wieder als Ausdruck ihrer Identität genutzt.

Überwiegend identifizieren sich die Gemeinden jedoch als „Waldvölker“. Dies trägt der zentralen Bedeutung des Waldes für ihre Kultur, Geschichte und Lebensgrundlage Rechnung.

Jede Gruppe bildet ein eigenes Volk, so wie die Twa, Aka, Baka und Mbuti, die in den Ländern Zentralafrikas – der Demokratische Republik Kongo (DRC), der Zentralafrikanische Republik (CAR), Ruanda, Uganda und Kamerun – leben.

Unterschiedliche Gruppen besitzen unterschiedliche Sprachen und Jagdgewohnheiten. Obgleich jede Gemeinde auch unterschiedlichen Bedrohungen gegenübersteht, stellen Rassismus, Abholzung und die Ausbreitung von Naturschutzgebieten für alle Gruppen große Probleme dar. Diese Dinge tragen zu ernsten gesundheitlichen Problemen und gewaltsamen Missbrauch der indigenen Menschen bei.

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Massana – Moments in Play and Ritual

Short documentary studying the Yaka pygmies’ use of roleplay in their social rituals. © Jerome Lewis

Gegenwärtig wird angenommen, dass ungefähr eine halbe Millionen Menschen den „Pygmäenvölkern“ angehört.

Waldleben

Von überragender Bedeutung für die Identität dieser Menschen ist ihre innige Beziehung zu den Wäldern in denen sie leben, ihre Religion ausüben und die sie seit Generationen schützen.

Jengi, der Geist des Waldes, ist eines der wenigen Worte das in den unterschiedlichen Sprachen der Völker gleich ist.

Ein Pygmäe liebt den Wald wie den eigenen KörperMbendjele sagt

Die Bedeutung des Waldes als spirituelle und physische Heimat, Quelle von Religion, Lebensgrundlage, Medizin und kultureller Identität, kann nicht genug betont werden.

Traditionell zogen kleine Gemeinden immer wieder durch unterschiedliche Wälder, sammelten eine große Auswahl an Erzeugnissen des Waldes, wilden Honig und tauschten ihre Güter mit benachbarten, sesshaften Gesellschaften.

Die Jagdmethoden variieren zwischen den Gruppen und reichenvon Pfeil und Bogen über Netze bis zu Speeren.

© Survival

Inzwischen wurden viele Gemeinden durch Naturschutzgebiete von ihrem Land vertrieben. Der Wald der ihnen bleibt, wird von weit reichender Abholzung, Ausbreitung von Landwirtschaft und kommerziellen Aktivitäten wie Wildhandel zerstört.

Nur wenige haben eine Abfindung für den Verlust ihrer selbständigen Lebensweise in den Wäldern erhalten. Die Menschen leiden daher unter extremer Armut und Krankheiten. Sie leben in „Elendsvierteln“ an den Rändern des Waldes, der einst ihnen gehörte.

Viele Twa beispielsweise, die in Ruanda von ihrem Land vertrieben wurden, leben davon Tonwaren herzustellen und zu verkaufen. Nun ist auch diese Art ihren Lebensunterhalt zu verdienen gefährdet, da Ton durch die Privatisierung von Land knapp wird und Tonwaren zunehmend durch Plastikwaren ersetzt werden.

Bettlerei und Tagelöhnerei sind für viele vertriebene und marginalisierte Waldvölker die einzigen Möglichkeiten geworden zu überleben.

Rechte und Anerkennung

Ein grundlegendes Problem für viele „Pygmäenvölker“ ist die Tatsache, dass ihre Landrechte als Jäger und Sammler nicht anerkannt werden. Zudem wird ihnen in vielen afrikanischen Staaten der Status eines indigenen Volkes verweigert.

© Salomé/Survival

Ohne die staatliche Anerkennung ihrer Rechte an den Waldgebieten, kann jeder Außenstehende oder der Staat selbst ihr Land ohne Beschränkungen oder Abfindung übernehmen.

Gemeinden, die ihr Land und ihre traditionelle Lebensgrundlage verloren haben, enden am Boden der „Mainstream“ Gesellschaft – sie sind Opfer einer Diskriminierung die jeden Aspekt ihres Lebens durchdringt.